Seniorenbetrug, Opfer

Seniorenbetrug: 11% wurden Opfer von Internetkriminalität

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 13:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Polizei und Behörden reagieren auf Betrugswellen mit Schulungen, Seniorenveranstaltungen und Warnungen vor WhatsApp-, Phishing- und KI-Maschen.

Telefon- und Onlinebetrug: Polizei verstärkt Schutz für Senioren
Ein heller, leerer Veranstaltungsraum in einem Bürgerhaus mit Stuhlreihen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Betrug per Telefon, WhatsApp und Internet trifft überproportional häufig ältere Menschen. Polizei, Landeskriminalämter und Verbraucherportale haben ihre Aufklärungsarbeit in den vergangenen Wochen deutlich ausgeweitet – mit Webinaren für Bankmitarbeitende, Infoveranstaltungen für Senioren und Warnungen vor neuen digitalen Maschen.

Schulung von Bankmitarbeitenden als zentraler Baustein

Das Polizeipräsidium Rheinpfalz führte gemeinsam mit dem LKA Rheinland-Pfalz und der Medienanstalt RLP laut einem Bericht vom 17. September 2026 die fünfte Ausgabe seines Webinars "Telefonbetrug – Erkennen – Handeln – Schützen" durch. Bei knapp 700 Anmeldungen waren über 600 Bankmitarbeitende bundesweit live zugeschaltet.

Über die gesamte Reihe hinweg wurden damit mehr als 2.500 Bankmitarbeitende erreicht. Bemerkenswert: 86 Prozent der Teilnehmenden gaben an, beruflich bereits mit Telefonbetrug in Berührung gekommen zu sein – ein Hinweis darauf, wie häufig Schalterpersonal in solche Fälle involviert wird, etwa wenn Kunden unter Druck große Summen abheben wollen.

Kommunale Präventionsveranstaltungen für Senioren

Auch auf lokaler Ebene setzen Polizei und Kommunen verstärkt auf direkte Aufklärung. In Wehrheim im Hochtaunuskreis informierte eine Veranstaltung unter dem Titel "Mit Taktgefühl und Tatkraft" im Bürgerhaus über Schockanrufe, den Enkeltrick, falsche Polizeibeamte und Haustürbetrüger, wie presseportal.de berichtete.

Die Gemeinde ist bislang keine sogenannte KOMPASS-Kommune. Der Ort ist kein zufälliger: Im Juli 2026 waren in Wehrheim drei Männer, die sich gegenüber zwei Rentnern als Polizeibeamte ausgegeben hatten, bei der Geldübergabe festgenommen worden.

In Frankenthal ist für den 22. September 2026 ein Vortrag der Stadtbücherei gemeinsam mit der Polizeiinspektion geplant. Unter dem Titel "Im Zweifel – Auflegen! Betrugsmaschen am Telefon erkennen und abwehren" sollen Besucher zwischen 11 und 12 Uhr über aktuelle Maschen informiert werden, begleitet von einem Infostand mit ehrenamtlichen Sicherheitsberatenden und Polizeikräften.

In Gelnhausen wiederum zieht laut einem Bericht vom 16. September 2026 ein vom Polizeipräsidium Südosthessen bereitgestelltes Wanderplakat im Rahmen der Kampagne "Tatort Telefon" durch das Stadtgebiet. Bürgermeister Christian Litzinger und Ordnungsamtsleiter Bastian Metzler warnten dabei ausdrücklich vor Schockanrufen; ehrenamtliche Sicherheitsberater für Senioren wurden benannt.

Aktuelle Betrugswellen und konkrete Schadensfälle

Die Polizei Mittelhessen meldete laut einem Bericht vom 16. September 2026 eine Häufung betrügerischer Anrufe mit Schwerpunkt im Landkreis Gießen. Täter geben sich dabei als Polizeibeamte oder Bankmitarbeiter aus und zielen auf Bargeld, Zahlungskarten und Wertgegenstände ab – über Schockanrufe, die sogenannte PIN-Falle oder die Abholung durch einen Kurier. Die Polizei rät in solchen Fällen dazu, sofort aufzulegen und die 110 zu wählen.

Wie drastisch die Folgen sein können, zeigt ein Fall aus Langen: Dort wurde eine Seniorin am Wochenende um knapp 200.000 Euro betrogen, wie mehrere Quellen übereinstimmend berichteten. Täter gaben sich als Bankmitarbeiter aus, behaupteten, das Konto sei gehackt, und erlangten über SMS, E-Mails und zwei Telefonate sensible Daten. Das Opfer tätigte daraufhin mehrere Überweisungen auf ein Täterkonto. Die Kriminalpolizei ermittelt weiterhin.

Neue digitale Maschen: WhatsApp-"Ghost Pairing"

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Neben klassischem Telefonbetrug rückt zunehmend eine digitale Variante in den Fokus der Behörden. Die Kölner Polizei warnte vor der Masche "Ghost Pairing": Kriminelle übernehmen einen gehackten WhatsApp-Account, geben sich als Bekannte aus und bringen Opfer dazu, einen Link oder QR-Code zu scannen und eine Geräteverknüpfung zu bestätigen.

Anschließend lesen sie Chats mit und bitten im Namen der Opfer deren Kontakte um Überweisungen. Die Kölner Kriminalpolizei bearbeitet dazu aktuelle Fälle.

Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein warnte in einem separaten Bericht vor einer ähnlichen Methode: Opfer geben über einen Link Telefonnummer und Bestätigungscode ein und koppeln damit unwissentlich ein Täterhandy an den eigenen Account. Die Täter fordern anschließend über Überweisungslinks Geld für vorgetäuschte Notlagen. Das LKA Schleswig-Holstein geht von einer hohen Dunkelziffer und teils erheblichen finanziellen Schäden aus.

Phishing und die Rolle Künstlicher Intelligenz

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Auch klassisches Phishing bleibt laut BSI seit Jahren eine der häufigsten Cyberbedrohungen mit Schäden in Deutschland im dreistelligen Millionenbereich pro Jahr, wie ein Bericht vom 17. September 2026 zusammenfasste. Mittlerweile nutzen über 80 Prozent aller Phishing-Seiten ein SSL-Zertifikat, was ihre Erkennung erschwert.

Bei Verdacht raten Fachleute, nicht auf Links zu klicken, den Absender über einen offiziellen Kanal zu kontaktieren und die Nachricht zu melden. Wurde bereits geklickt, empfiehlt sich, die Internetverbindung zu trennen, Passwörter zu ändern, die Bank zu informieren und die Karte über die Rufnummer 116 116 sperren zu lassen.

Eine KPMG-Studie mit dem Titel "White-Collar Crime 2025/2026", für die fast 800 Unternehmen befragt wurden, verdeutlicht laut einem Bericht vom 18. September 2026 zudem die wachsende Rolle Künstlicher Intelligenz bei Betrugsdelikten: 71 Prozent der befragten Unternehmen sehen ein erhebliches Risiko durch KI-gestützten Betrug, und KI spielt der Studie zufolge bei 83 Prozent aller Cyberangriffe eine Rolle. Die Zahl der Ransomware-Opfer durch KI-beschleunigte Angriffe stieg demnach im Jahresvergleich um 389 Prozent.

Ausmaß des Problems laut Cybersicherheitsmonitor

Wie verbreitet Internetkriminalität insgesamt ist, zeigt der Cybersicherheitsmonitor 2026 von BSI und dem Programm Polizeiliche Kriminalprävention, für den zwischen dem 6. und 12. Januar 2026 rund 3.060 Personen ab 16 Jahren bundesweit befragt wurden.

Demnach waren 11 Prozent der Befragten in den vorangegangenen zwölf Monaten von einer Straftat im Internet betroffen, am häufigsten durch Betrug beim Onlineshopping.

Nur 14 Prozent informieren sich regelmäßig über Cybersicherheit, 40 Prozent tun dies erst, wenn ein Problem bereits aufgetreten ist. Von den Betroffenen berichteten 88 Prozent von einem Schaden, 33 Prozent konkret von finanziellen Verlusten.

Vorsorge über den akuten Betrugsschutz hinaus

Neben der Abwehr akuter Betrugsversuche rückt auch die langfristige finanzielle und rechtliche Vorsorge in den Fokus. Die Senioren-Union der CDU im Kreis Viersen informierte rund 60 Zuhörer im Seniorenhaus Notburga über Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht.

Ab dem 1. Oktober 2026 können elektronische Abschriften solcher Dokumente im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer hinterlegt werden, was ihre Auffindbarkeit im Ernstfall verbessern soll.

Dass finanzielle Vorsorge im Alter zunehmend an Bedeutung gewinnt, unterstreicht auch eine Modellrechnung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge von Anfang September 2026: Eine 65-jährige Frau hat laut Statistischem Bundesamt für 2025 statistisch noch 21,2 Lebensjahre vor sich, ein gleichaltriger Mann 18,2 Jahre.

Ein monatlicher Mehrbedarf von 500 Euro summiert sich demnach über 20 Jahre auf 120.000 Euro und über 30 Jahre auf 180.000 Euro – ohne Berücksichtigung von Inflation, Erträgen, Steuern oder weiteren Kosten. Betrug im Alter trifft damit nicht nur Ersparnisse, sondern potenziell auch die Fähigkeit, langfristige Vorsorgeplanungen umzusetzen.

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