Seniorenbetreuung, Sensoren

Seniorenbetreuung: KI und Sensoren ersetzen Kameras und Wearables

23.06.2026 - 09:33:56 | boerse-global.de

Berührungslose Systeme wie IvedaCare und DOMIA ersetzen Kameras und Wearables, um die Privatsphäre älterer Menschen zu schützen.

KI-Sensoren statt Kameras: Neuer Trend in der Seniorenbetreuung
Seniorenbetreuung - A modern smart home interior with integrated sensors and a tablet displaying health data, representing digital assistance for seniors. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere neue Produkte und Pilotprojekte zeigen den Trend zu nicht-invasiven Systemen, die ein selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen sollen.

Kontaktloses Monitoring für mehr Privatsphäre

Der Technologieanbieter Iveda hat seine Plattform IvedaCare um Sleep Sense erweitert – einen berührungslosen Sensor, der Schlafmuster, Herzfrequenz und Atmung überwacht. Das vom US-amerikanischen National Institute on Ageing unterstützte System kommt ganz ohne Kameras aus und nutzt stattdessen Bewegungs- und Türsensoren, um alltägliche Routinen zu erfassen. Das Hardware-Kit kostet rund 460 Euro, hinzu kommt eine monatliche Gebühr.

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Parallel dazu bringt das Unternehmen Origen Technology aus Abu Dhabi DOMIA auf den Markt. Die KI-gesteuerte Wohnplattform richtet sich an den Golf-Kooperationsrat (GCC), dessen Markt für Seniorentechnologie bis 2034 auf rund 63 Milliarden Euro anwachsen soll. DOMIA lernt die Vorlieben seiner Nutzer und handelt eigenständig innerhalb festgelegter Grenzen – ebenfalls ohne Kameras oder am Körper getragene Geräte. Daten lassen sich lokal verarbeiten, was den Datenschutz stärkt.

In Spanien testet die Stadt Tàrrega seit kurzem das Sentinella-System in einem sechsmonatigen Pilotprojekt. Lokale Forschungseinrichtungen und die Universität Lleida haben es entwickelt, um die Routinen alleinlebender Über-65-Jähriger zu überwachen und bei Abweichungen automatisch Hilfe zu alarmieren.

Roboter und Exoskelette in Pflegeeinrichtungen

Auch in stationären Einrichtungen hält Hightech Einzug. In Wustermark bei Berlin setzt ein Seniorenzentrum auf einen 75 Zentimeter großen Begleitroboter namens Willi. Das Pflegepersonal wird zudem durch Exoskelette entlastet, die bei körperlichen Tätigkeiten bis zu 35 Kilogramm Gewicht abfedern können.

In Malaysia entsteht in Shah Alam ein Wohnprojekt mit 500 Einheiten, das Haushaltsroboter und eine urbane Intelligenzplattform integriert. Auf einer KI-Messe in Singapur präsentierten regionale Behörden zudem spezielle Gehhilfen, die Stürze erkennen, sowie intelligente Brillen mit Sprachausgabe für Sehbehinderte.

Das Brüsseler Unternehmen Futurewave stellte das Kando-System für Pflegeheime vor. Es kombiniert einen tragbaren Notfallknopf mit Vibrationsrückmeldung und eine über den Fernseher bedienbare Oberfläche. Ziel ist es, Papierdokumentation zu ersetzen und die Reaktionszeiten des Personals zu verkürzen.

Digitale Teilhabe für Senioren

Neben Hightech-Lösungen setzen Kommunen auf praktische Hilfen. Die Stadt Frankfurt startete das Projekt DiTA, das einkommensschwachen Über-65-Jährigen Zuschüsse von 250 Euro für digitale Geräte gewährt. Das vom Frankfurter Almosenkasten finanzierte Programm läuft bis Mai 2027 und umfasst auch Schulungen.

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Für körperlich eingeschränkte Senioren gibt es Fortschritte bei der Barrierefreiheit: Anfang Juni wurde in Hamburg die erste SeaTrac-Anlage Deutschlands installiert. Das solarbetriebene Schienensystem ermöglicht Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den eigenständigen Zugang zum Wasser.

Direkte Unterstützung im Alltag bieten lokale Angebote: Die Stadt Celle veranstaltet am 25. Juni eine kostenlose Smartphone-Sprechstunde, bei der junge Freiwillige Senioren bei Apps und elektronischen Ausweisfunktionen helfen. Ähnliche Digital-Cafés finden diese Woche in Dresden und Hamburg-Poppenbüttel statt.

Der demografische Druck wächst: In der Schweiz lag 2025 erstmals die Zahl der Über-65-Jährigen über der der Unter-20-Jährigen – ein deutliches Signal für den dringenden Bedarf an skalierbaren, digitalen Unterstützungslösungen.

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