Senioren-Union fordert mehr Schutz vor digitalem Betrug
24.05.2026 - 12:07:53 | boerse-global.deDie CDU/CSU-Senioren-Union verlangt stärkere Absicherung älterer Menschen gegen Cyberkriminalität und Investmentbetrug.
Die am 23. Mai verabschiedete „Münchner Erklärung" stellt sechs Kernforderungen auf, darunter den Erhalt analoger Zugänge zu Bankdienstleistungen und Behörden sowie den Ausbau digitaler Kompetenzen. Bundesvorsitzender Hubert Hüppe und CSU-Chef Franz Meyer betonten, dass die Digitalisierung zwar Chancen biete, für viele Senioren aber auch erhebliche Hürden und Risiken schaffe. Besonders dringlich: der Schutz vor Finanzkriminellen, die gezielt ältere Menschen ins Visier nehmen.
Welle von Betrugsfällen erschüttert Senioren
Allein in den letzten Tagen wurden mehrere spektakuläre Fälle bekannt. In Groß Kreutz (Brandenburg) verlor ein 73-Jähriger am 22. Mai einen hohen fünfstelligen Betrag – ein falscher Bankmitarbeiter hatte sich per Fernzugriff Zugang zu seinem Online-Konto verschafft. Am selben Tag wurde eine 85-Jährige in Höhr-Grenzhausen Opfer eines Duos, das sich als Bankpersonal ausgab und ihre EC-Karte erbeutete.
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Besonders perfide: Die Täter nutzen zunehmend KI-gesteuerte Methoden. Im ersten Quartal 2026 stieg die Zahl der Banking-Trojaner um 196 Prozent auf 1,24 Millionen Fälle. Rund 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen laufen inzwischen automatisiert ab, wie Marktforscher berichten.
Falsche Sparkassen-Mails und Festgeld-Fallen
Aktuelle Betrugswellen zielen auf Kunden der Volksbanken ab – mit gefälschten E-Mails zu angeblichen „SecureGo"-Sicherheitsupdates. Auch das Deutschlandticket wird als Köder genutzt: Seit Mitte Mai kursieren Fake-Mails mit Deutsche-Bahn-Branding, die unter Androhung hoher Mahngebühren zu Sofortüberweisungen drängen. Sogar der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio ist betroffen – am 23. Mai wurden gefälschte Zahlungsaufforderungen per Mail verschickt.
Ein besonders krasser Fall: Ein Mann namens Sven Ahrens verlor 118.000 Euro durch ein angebliches Santander-Festgeld-Angebot auf Instagram. Die Verbraucherzentralen registrierten 2025 rund 1.400 Beschwerden zu Anlagebetrug – ein Anstieg um 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Polizei schlägt zurück – aber die Lücke bleibt
Internationale Ermittler erzielten Erfolge: Die Interpol-Operation „FRONTIER+ III" führte zu 3.018 Festnahmen und der Sicherstellung von umgerechnet rund 700 Millionen Euro illegaler Vermögenswerte. In Deutschland warnte die Polizei im Wetteraukreis am 22. Mai vor einer Serie von „falschen Polizisten", die mit angeblichen Bankmitarbeitern zusammenarbeiten.
Technisch rüsten die Anbieter auf: Apple veröffentlichte mit iOS 26.5 insgesamt 52 Sicherheitsupdates gegen KI-gesteuerte Phishing-Angriffe. Microsoft stellt die SMS-Authentifizierung schrittweise ein. Passwort-Manager wie Proton Pass führen KI-Zugriffstoken ein, die Berechtigungen zeitlich begrenzen.
Doch die Lücke im Nutzerverhalten bleibt groß: Obwohl 74 Prozent der Anwender ihre Passwörter für sicher halten, nutzen nur 32 Prozent Passkeys und lediglich 25 Prozent die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
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Workshops und Aufklärung als letzte Verteidigungslinie
Die Kreissparkasse Köln bietet ab Juni spezielle Workshops in Bergisch Gladbach an – für Erwachsene, die Sicherheit im Online- und Telefon-Banking lernen wollen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die BaFin wiederholen unermüdlich: Keine seriöse Bank fordert PINs oder Passwörter am Telefon oder per Mail.
Die Forderungen der Senioren-Union dürften im Juni im Bundesrat eine Rolle spielen, wenn über digitale Verbraucherrechte diskutiert wird. Das Ziel: Eine digitale Landschaft, die den Schutz älterer Menschen nicht dem technischen Fortschritt opfert.
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