Senioren-Impfung: RSV-Quote nur 20%, STIKO empfiehlt vier Vakzine
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 12:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Herbstanfang rücken Ratgeber zur Stärkung der Virenabwehr wieder in den Fokus – ein Thema, das für ältere Menschen besondere Relevanz besitzt. Denn während der kalten Jahreszeit steigt die Zahl der Atemwegsinfektionen deutlich an, und Senioren zählen zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe. Aktuelle Empfehlungen von Gesundheitsbehörden und Fachleuten zeigen, welche Maßnahmen sich bewährt haben.
Impfempfehlungen für ältere Menschen
Das Stadtgesundheitsamt Offenbach empfahl im September 2026 nach den Leitlinien der Ständigen Impfkommission (STIKO) Impfungen gegen Grippe, RS-Virus, Pneumokokken und Coronavirus. Laut der Amtsleiterin Dr. Christiane Faust seien diese Impfungen in Haus-, Kinder- und Facharztpraxen möglich, teilweise auch in Apotheken.
Auch der Infektiologe Christoph Spinner von der TUM verwies im Zusammenhang mit dem Münchner Oktoberfest darauf, dass Impfungen gegen Covid-19 und Influenza vor Großveranstaltungen sinnvoll seien.
Die STIKO empfiehlt die Corona-Impfung demnach ab 75 Jahren sowie für Risikogruppen und Pflegepersonal. Bei der Grippeimpfung liegt die empfohlene Altersgrenze laut CSL Seqirus bei 60 Jahren, zusätzlich gilt die Empfehlung für chronisch Erkrankte und Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko.
Um die Impfbereitschaft zu erhöhen, startete CSL Seqirus zusammen mit der Marien Apotheke München eine Aktion, an der über 40 Arztpraxen und Apotheken beteiligt sind; im Jahr 2025 wurden bei einer vergleichbaren Aktion über 300 Personen an zwei Tagen geimpft.
Bemerkenswert ist die aktuelle Impflücke bei RS-Viren: Die RSV-Impfquote liegt laut einem Bericht zum Oktoberfest München nur bei 20 Prozent der Personen, für die eine Impfung empfohlen wird – trotz des besonderen Risikos für ältere Menschen.
Regelverschärfung bei der Corona-Impfung
Eine Veränderung bei den Rahmenbedingungen kündigte sich Anfang September 2026 an: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss die Übernahme einer neuen STIKO-Empfehlung in die Schutzimpfungs-Richtlinie, die zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht in Kraft war. Demnach entfällt künftig die allgemeine Basisimmunisierung für Erwachsene gegen Corona.
Die jährliche Impfung soll nur noch für konkrete Risikogruppen gelten – ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Atemwegs-, Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen, Diabetes, Adipositas, Immundefekten oder Krebserkrankungen. Ein Schwerbehindertenausweis allein reicht künftig nicht mehr automatisch als Nachweis für eine Risikogruppe.
Hygiene und Alltagsmaßnahmen
Neben Impfungen setzen Gesundheitsbehörden auf klassische Hygienemaßnahmen. Das Stadtgesundheitsamt Offenbach nannte Händewaschen, Husten- und Niesetikette sowie regelmäßiges Lüften als wirksame Schutzmaßnahmen und empfahl das Tragen von Masken in Pflegeheimen, Kliniken und im öffentlichen Nahverkehr.
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Eine Übersicht zur Erkältungsvorbeugung verweist darauf, dass Erwachsene im Schnitt zwei- bis viermal jährlich an einer Erkältung erkranken, ausgelöst meist von den rund 200 bekannten Virenarten, vor allem Rhinoviren, die auf glatten Oberflächen mehrere Stunden überleben können. Als besonders wirksam gilt laut BZgA und einem Cochrane-Review das Händewaschen mit Seife über 20 bis 30 Sekunden.
Auch der Schlaf spielt eine Rolle: Eine im Fachjournal Sleep veröffentlichte Studie fand ein rund vierfach erhöhtes Erkrankungsrisiko bei weniger als sechs Stunden Schlaf per Nacht im Vergleich zu mindestens sieben Stunden.
Einordnung der "Wiesn-Grippe"
Im Zusammenhang mit dem Oktoberfest, das am 19. September 2026 startet und laut Prognosen bis zu 6 Millionen Besucher erwarten lässt, wiesen Fachleute darauf hin, dass die sogenannte Wiesn-Grippe meist keine echte Influenza sei, sondern durch Rhino-, Adeno- und Enteroviren ausgelöste akute Atemwegsinfekte.
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Spinner betonte, dass Covid-19 den größten Anteil ernsterer Infekte ausmache und eine Impfung entsprechend sinnvoll sei. Influenza und RS-Viren nähmen den Berichten zufolge erst ab Ende November zu – ein Hinweis darauf, dass sich die eigentliche Grippesaison für Senioren erst später im Jahr entfaltet.
Hausmittel als Ergänzung
Als ergänzende Maßnahmen gelten traditionelle Hausmittel: Fußbäder mit Senfmehl (maximal zwei Esslöffel, maximal zehn Minuten) sollen die Abwehr stärken, während Scharfstoffe wie Kapuzinerkresse, Meerrettich und Ingwer Erkältungen verkürzen können.
Ein Gemisch aus Thymian und Primelwurzel wird bei Husten empfohlen, Honig gilt als entzündungshemmend – ist jedoch für Kinder unter einem Jahr tabu. Vitamin-C-Präparate werden hingegen als nicht notwendig eingestuft.
Blick nach Dänemark
Ein Beispiel für eine gezielte Ansprache älterer Menschen liefert Dänemark: Die Gesundheitsbehörde Sundhedsstyrelsen und das Statens Serum Institut luden 1,3 Millionen Bürger ab 65 Jahren zur Impfung gegen Influenza und Covid-19 ein.
Der Impfzeitraum läuft vom 1. Oktober bis zum 20. Dezember 2026. Jüngere Risikogruppen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen, Diabetes oder Immundefekten sowie Schwangere im zweiten oder dritten Trimester können ab dem 29. September über die Plattform vacciner.dk einen Termin buchen.
