Semaglutid, SGLT2-Hemmer

Semaglutid und SGLT2-Hemmer: Kombination senkt Herzrisiko um 54 Prozent

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der internationale Konsens empfiehlt frühe SGLT2- und GLP-1-Therapien; Studien untersuchen zusätzlich Kombinationen und neue Wirkstoffe.

Typ-2-Diabetes: ADA/EASD rücken Organ- und Risikoschutz in den Fokus
Ein steriler, minimalistischer Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit einem leeren Untersuchungstisch. Illustration mit AI erstellt.

In der Behandlung des Typ-2-Diabetes vollzieht sich ein grundlegender Wandel von der alleinigen Blutzuckersenkung hin zu einem frühzeitigen Organ- und Risikoschutz.

Wie der auf dem Kongress EASD 2026 in Mailand vorgestellte Konsens der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) verdeutlicht, rücken SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten zunehmend an den Beginn therapeutischer Pfade.

Die von Melanie Davies und John Buse präsentierten Empfehlungen, die in den Fachzeitschriften Diabetologia und Diabetes Care publiziert wurden, befürworten den Einsatz dieser Substanzklassen möglichst ab der Diagnose und unabhängig vom HbA1c-Ausgangswert. Metformin gilt in dieser Neuausrichtung nicht mehr zwingend als obligate erste Stufe.

Neuausrichtung der Leitlinien und Kombinationsansätze

Der internationale ADA/EASD-Konsens empfiehlt eine frühe Kombinationstherapie insbesondere für Personen mit bestehenden kardiovaskulären Vorerkrankungen, chronischer Nierenschädigung oder Herzinsuffizienz. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden GLP-1-Mittel zur Senkung von MACE-Ereignissen und Gesamtmortalität sowie SGLT2-Hemmer favorisiert.

Bei bestehender Herzinsuffizienz bilden SGLT2-Inhibitoren die Grundlage; bei begleitender Adipositas mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) kommen Semaglutid oder Tirzepatid infrage, während bei HFpEF oder leicht reduzierter Auswurffraktion (HFmrEF) Finerenon genannt wird.

Zudem stuft das Konsensusdokument Gewichtsziele als gleichwertig zu den Glukosezielen ein. Bei Übergewicht oder Adipositas wird eine Gewichtsreduktion von mindestens 10 Prozent unter Beachtung des Muskel- und Eiweißerhalts angestrebt.

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Auf nationaler Ebene verlaufen Leitlinienanpassungen mitunter vorsichtiger: Die dänische Fachbehörde Medicinrådet behielt in ihrer im Mai 2026 aktualisierten Empfehlung Metformin weiterhin als Erstwahl bei und öffnete SGLT2-Hemmer sowie GLP-1-Rezeptoragonisten ab Diagnosestellung vor allem für Patienten mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-, Herzinsuffizienz- oder Nierenerkrankungen.

Biomarker und Registerdaten zu Semaglutid

Parallel zu den Leitlinien vertiefen neue Daten das Verständnis der protektiven Effekte. Eine Sekundäranalyse der FLOW-Studie von Novo Nordisk an 2.356 Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung untersuchte 72 Plasmaproteine. Dabei zeigte sich, dass Semaglutid (Ozempic 1 mg) die Konzentration von 18 Proteins modulierte, die mit späteren Herz- und Nierenereignissen in Verbindung stehen.

Professor Peter Rossing vom Steno Diabetes Center Copenhagen bezeichnete diese Erkenntnisse als möglichen Schritt hin zu einer gezielteren medikamentösen Steuerung.

Ergänzend zeigen retrospektive Kohortendaten Vorteile kombinierter Therapieregime. In der SPOTLIGHT-Studie von Novo Nordisk, basierend auf einer Datenbank aus Tianjin mit je 2.721 gematchten Patienten, war die Kombination aus Semaglutid und einem SGLT2-Inhibitor gegenüber der alleinigen Gabe eines SGLT2-Hemmers mit einer Reduktion des m3P-MACE-Risikos um 54 Prozent (Hazard Ratio 0,46) verbunden.

Die Hospitalisierungsrate wegen Herzinsuffizienz fiel um 65 Prozent niedriger aus (Hazard Ratio 0,35). In der SCHOLAR-Analyse mit 26.859 chinesischen Typ-2-Diabetes-Patienten erhielten 42,3 Prozent eine Kombination mit SGLT2-Inhibitoren, wobei der HbA1c-Wert bei einem Ausgangsniveau von mindestens 7 Prozent um 1,10 Prozentpunkte sank.

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Orale Wirkstoffe und duale Ansätze in der Erprobung

Auch neue Darreichungsformen und Kombinationen werden intensiv untersucht. Eli Lilly überprüfte in der Phase-III-Studie ACHIEVE-4 mit 2.749 Erwachsenen den oralen GLP-1-Rezeptoragonisten Orforglipron im Vergleich zu Insulin glargin.

Nach 52 Wochen sank der HbA1c-Wert unter Orforglipron um 1,6 Prozentpunkte gegenüber 1,0 Prozentpunkten unter Insulin, bei einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 8,8 Prozent im Vergleich zu einer Gewichtszunahme von 1,7 Prozent.

Im primären MACE-4-Endpunkt erreichte die Substanz die statistische Nicht-Unterlegenheit. Nebenwirkungen betrafen primär den Gastrointestinaltrakt, die bei 62,1 Prozent der Behandelten auftraten.

Gleichzeitig prüfen Hersteller Kombinationstherapien wie CagriSema von Novo Nordisk, das in der REIMAGINE-2-Studie über 68 Wochen eine HbA1c-Senkung von 1,91 Prozentpunkten und einen Gewichtsverlust von 14,2 Prozent erzielte, sowie duale Ansätze von Eli Lilly mit Eloralintid und Tirzepatid.

Die Studienlandschaft verdeutlicht, dass die moderne Diabetestherapie zunehmend auf synergistische Wirkprofile zur Senkung metabolischer und kardiovaskulärer Risiken setzt.

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