Semaglutid-Tablette: EU lässt orales Abnehm-Medikament zu
Veröffentlicht: 19.07.2026 um 01:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Neue Medikamente, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ernährung und verhaltensökonomische Ansätze greifen zunehmend ineinander. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Zusammenspiel aller drei Faktoren.
EU-Zulassung für Semaglutid in Tablettenform
Mitte Juli 2026 hat die EU einen oralen Wirkstoff zur Gewichtsreduktion zugelassen. Semaglutid, bislang nur als Injektion bekannt, gibt es jetzt als tägliche Tablette. Die 25-mg-Dosis führt Studien zufolge zu einem Gewichtsverlust von 14 bis 17 Prozent über 64 Wochen. Die wöchentliche Spritze erzielte in Untersuchungen über 72 Wochen bis zu 19 Prozent Reduktion.
Die Tablette ist für Erwachsene ab einem BMI von 30 oder ab 27 bei Begleiterkrankungen gedacht. Die Einnahme erfolgt nüchtern – mindestens acht Stunden nach der letzten Mahlzeit. Danach darf 30 Minuten nichts gegessen oder getrunken werden. Häufigste Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Weitere Präparate erweitern das Spektrum. In den USA wurde im April 2026 Orforglipron zugelassen. Für 2027 wird Retatrutid erwartet, das in Studien bis zu 30 Prozent Gewichtsverlust ermöglichte.
Ernährung: Low-Insulin-Ansatz zeigt Wirkung
Eine Studie im Fachmagazin BMJ Nutrition untersuchte die Low-Insulin-Ernährung bei 48 Typ-2-Diabetikern über sechs Monate. Die Probanden verzichteten weitgehend auf Kohlenhydrate wie Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln. Stattdessen standen Gemüse, Eier, Käse, Fleisch und Fisch auf dem Speiseplan.
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Das Ergebnis: durchschnittlich 5,2 Kilogramm Gewichtsverlust, der BMI sank von 30,6 auf 28,8. Der Langzeitblutzucker (HbA1c) verbesserte sich um 17 Prozent. Eine im Juli 2026 im JAMA Network Open veröffentlichte Auswertung zeigt zudem: SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten könnten das Alzheimer-Risiko um 43 beziehungsweise 33 Prozent senken.
Auch die Reihenfolge der Nahrungsaufnahme spielt eine Rolle. Die Glukose-Diät empfiehlt: zuerst Ballaststoffe, dann Fette und Proteine, zuletzt Kohlenhydrate oder Zucker. Ziel ist es, Blutzuckerspitzen zu dämpfen. Kritiker verweisen allerdings auf individuelle Unterschiede und eine noch lückenhafte Studienlage für die Allgemeinbevölkerung.
Routinen aufbauen: 66 Tage bis zur Gewohnheit
Jede Strategie zur Gewichtsreduktion steht und fällt mit der Verstetigung neuer Verhaltensweisen. Verhaltensstudien zeigen: Es dauert durchschnittlich 66 Tage, bis eine neue Handlung zur festen Routine wird. Unterstützend wirken ein Ernährungstagebuch oder die 80:20-Regel – 80 Prozent gesunde Lebensmittel, 20 Prozent Ausnahmen.
Vorsicht ist bei vermeintlich gesunden Optionen geboten. Mangos enthalten 22 Gramm Zucker pro 100 Gramm, Bananen 17, Weintrauben 16. Auch getrocknete Früchte und gezuckertes Dosenobst können den Abnehmerfolg bremsen. Ballaststoffreiche Salate sättigen, ersetzen aber keine vollwertige Mahlzeit oder medikamentöse Therapie.
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