Semaglutid-Stopp: Nach Therapieende kehren 0,4 Kilo pro Monat zurück
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 09:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
GLP-1-Rezeptoragonisten zur Gewichtsreduktion verzeichnen weltweit eine enorme Nachfrage. Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Untersuchungen jedoch eine erhebliche Hürde bei der langfristigen Anwendung: Eine große Zahl der Behandelten setzt die Präparate bereits im ersten Jahr wieder ab.
Wie eine Registerstudie der dänischen Aarhus University im Fachjournal JAMA Network Open darlegt, beendete knapp die Hälfte der untersuchten Personen die Therapie mit Semaglutid innerhalb von zwölf Monaten.
Hohe Abbruchquoten und demografische Unterschiede
Die dänische Untersuchung erfasste 157.822 Erwachsene, die zwischen Dezember 2022 und November 2024 eine Behandlung mit Semaglutid unter den Handelsnamen Wegovy oder Ozempic zur Gewichtsabnahme begonnen hatten.
Von diesen brachen 77.483 Personen – was einem Anteil von 49 Prozent entspricht – die Therapie innerhalb von zwölf Monaten ab, definiert als Zeitraum von 60 Tagen ohne Nachfüllung des Rezepts. Bei einer strengeren Definition von 30 Tagen ohne Nachfüllung lag die Stopp-Rate bei 58 Prozent, während sie bei einer 90-Tage-Lücke 45 Prozent betrug.
Im zeitlichen Verlauf stiegen die Raten kontinuierlich an: Nach drei Monaten hatten 13 Prozent die Behandlung beendet, nach sechs Monaten 27 Prozent und nach neun Monaten 39 Prozent. Das Durchschnittsalter der Kohorte betrug 49 Jahre, 69 Prozent waren Frauen. Über alle Gruppen hinweg lag die Abbruchquote bei mindestens 41 Prozent.
Besonders hoch waren die Stopp-Raten bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren (+49 Prozent gegenüber der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen), bei Männern (+16 Prozent gegenüber Frauen), bei Personen mit niedrigem Einkommen (+11 Prozent) sowie bei Patientinnen und Patienten mit früherer Einnahme von Psychopharmaka (+13 Prozent) oder Magen-Darm-Mitteln (+10 Prozent).
Nur ein geringer Teil wechselte den Wirkstoff: Lediglich 1,4 Prozent stiegen auf Liraglutid um, 0,7 Prozent auf Tirzepatid. Etwa einer von vier Wiederstartern nahm die Behandlung innerhalb von drei Monaten erneut auf.
Wirtschaftliche Faktoren und Nebenwirkungen
Als wesentlicher Treiber für das vorzeitige Beenden gelten finanzielle Hürden. In Dänemark belaufen sich die Therapiekosten auf rund 2.200 bis 3.700 Euro (2.500 bis 4.200 US-Dollar) pro Jahr und werden nicht erstattet.
Wer die Therapie beendet, kennt die Zahl aus der Forschung: Nach dem Absetzen kehren im Schnitt rund 0,4 Kilogramm pro Monat zurück, und zwei Drittel des verlorenen Gewichts sind nach einem Jahr wieder da. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit Ernährung und Alltag gegensteuern, statt in alte Muster zurückzufallen. Kostenlosen Leitfaden anfordern
Eine US-Studie aus dem Jahr 2025 mit 288 Abbrechern bestätigte diese Tendenz: 47,6 Prozent gaben finanzielle Kosten als Grund an, gefolgt von Nebenwirkungen mit 14,6 Prozent und Lieferengpässen mit 11,8 Prozent.
Fachärztin Sigrid Lochmann, Vorsitzende der Ärztegemeinschaft Lindau, verwies in diesem Kontext auf die Gefahr eines Jo-Jo-Effekts und berichtete von einer Patientin, die ihre Medikation nach zehn Wochen abbrach.
Bei dieser war die Dosis schrittweise von 0,25 Milligramm auf 0,5 Milligramm nach vier Wochen und schließlich auf 1 Milligramm nach acht Wochen gesteigert worden; der Abbruch erfolgte infolge von Energiemangel, depressiven Symptomen und körperlichen Schmerzen.
Gewichtszunahme nach Ende der Wirkstoffzufuhr
Das Absetzen hat unmittelbare Auswirkungen auf das Körpergewicht. Daten zu 7.881 Nutzern zeigen, dass Personen, die bei der Therapie blieben, 11,9 Prozent ihres Gewichts verloren, während die Abnahme bei einem Stopp binnen drei Monaten lediglich 3,6 Prozent betrug. Nach dem Absetzen kehrt das verlorene Gewicht jedoch rasch zurück.
In der STEP-1-Extension-Studie waren zwei Drittel des verlorenen Gewichts nach einem Jahr wieder vorhanden. Eine Übersichtsarbeit im Fachblatt BMJ aus dem Jahr 2026, die 37 Studien mit 9.341 Personen auswertete, verzeichnete eine Zunahme von durchschnittlich 0,4 Kilogramm pro Monat nach Therapieende.
Viele brechen die Behandlung früh ab — wegen der Kosten von mehreren Tausend Euro im Jahr oder wegen Beschwerden wie Energiemangel und Schmerzen. Wer den Stopp plant, sollte wissen, was danach körperlich passiert: Der Energiebedarf sinkt, Muskelmasse geht verloren, der Appetit verändert sich. Die Checkliste hilft Ihnen, diese Signale einzuordnen und den Übergang vorzubereiten. Checkliste jetzt sichern
Auch Hersteller Eli Lilly, der die Wirkstoffe Mounjaro und Foundayo vertreibt, wies in einer Studie darauf hin, dass der Effekt von Tirzepatid – das seit 2023 auch bei Adipositas ohne Diabetes eingesetzt wird – nur während der aktiven Einnahme anhält.
Diätassistentin Ayça Do?andemir betonte, dass eine schnelle Zunahme nach Diäten nicht bloß auf Willensschwäche zurückzuführen sei. Vielmehr spielten physiologische Faktoren eine entscheidende Rolle, darunter metabolische Anpassungsprozesse, ein verringerter Energiebedarf, Muskelverlust, veränderte Appetitmechanismen sowie der Rückfall in alte Lebensgewohnheiten.
