Semaglutid, SELECT-Studie

Semaglutid: SELECT-Studie zeigt 20 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Risiko

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SELECT- und FLOW-Daten weisen auf geringere Herz-Kreislauf- und Nierenrisiken hin; Tiermodelle liefern Hinweise auf direkte Wirkmechanismen.
Ein steriler Behandlungsraum in einer Klinik mit einem Stethoskop auf einer Ablagefläche bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Belege dafür, dass der Wirkstoff Semaglutid das kardiovaskuläre System über die reine Gewichtsreduktion hinaus schützt. Wie Fachberichte von Mitte Oktober 2026 verdeutlichen, deuten klinische sowie präklinische Daten darauf hin, dass die Substanz bei Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes eigenständige Schutzmechanismen an Herz und Nieren entfaltet.

Risikosenkung unabhängig von der reinen Gewichtsabnahme

Eine im Fachblatt European Heart Journal veröffentlichte Analyse der SELECT-Studie untersuchte Erwachsene mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 27 kg/m² ohne Diabetes. Bei den Behandelten sank das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) gegenüber Placebo um 20 Prozent.

Den Studiendaten zufolge lässt sich dieser Effekt nicht allein durch die Gewichtsabnahme oder die Verbesserung sonstiger bekannter Risikofaktoren erklären. Auch eine Untersuchung im Fachjournal The Lancet kam zu dem Ergebnis, dass Semaglutid das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskulären Tod bei vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen unabhängig vom Körpergewicht mindert.

Wie Professor John Deanfield vom University College London auf einem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) anhand von 17.604 Teilnehmenden darlegte, wies ein Drittel der SELECT-Kohorte einen BMI zwischen 27 und 30 kg/m² auf.

Demnach erfülle in Dänemark etwa jeder dritte Patient nach einem ersten Herzinfarkt die Kriterien der Studie, während in den USA fast acht Millionen Erwachsene dafür infrage kämen. Fragen zur Langzeittherapie, Therapietreue und Kosten blieben jedoch Gegenstand weiterer Diskussionen.

Eine im Journal JAMA Cardiology publizierte Auswertung der von Novo Nordisk gesponserten SELECT-Daten beleuchtete zudem den Aspekt der Gebrechlichkeit bei den im Schnitt 61,6 Jahre alten Probanden.

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Der primäre kardiovaskuläre Endpunkt trat bei nicht gebrechlichen Personen unter Semaglutid mit 4,1 Prozent gegenüber 4,9 Prozent unter Placebo auf, in der intermediären Gruppe mit 5,7 Prozent gegenüber 8,1 Prozent und bei den am stärksten geschwächten Patienten mit 11,3 Prozent gegenüber 12,2 Prozent.

Organerhalt bei chronischen Nierenleiden und Diabetes

Neben dem Herzschutz belegen Daten aus der FLOW-Studie die organprotektive Wirkung bei Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung. Unter Semaglutid reduzierte sich das Risiko für schwere Nierenkomplikationen und kardiovaskulären Tod um 24 Prozent.

Der jährliche Verlust der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) verlangsamte sich um 1,16 Punkte, während die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 29 Prozent und die Gesamtmortalität um 20 Prozent sanken. Schwere Nebenwirkungen traten bei 49,6 Prozent der Behandelten auf, verglichen mit 53,8 Prozent in der Kontrollgruppe.

Diese Befunde spiegeln sich auch in regulatorischen Anpassungen wider. Der Entwurf der zehnten Leitlinie der Koreanischen Diabetesgesellschaft (KDA), der im Oktober 2026 in Seoul vorgestellt wurde, stuft Semaglutid und Tirzepatid für 2027 als Substanzen mit sehr hoher Effizienz bei der Gewichtsreduktion ein.

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Der Entwurf verweist zudem darauf, dass orales Semaglutid in der SOUL-Studie MACE-Ereignisse um 14 Prozent senkte. US-amerikanische Fachorganisationen für Herz, Nieren und Diabetes formulierten in ihren Leitlinien für 2026 bereits eine Klasse-1-Empfehlung für den kombinierten Einsatz entsprechender Substanzklassen bei Typ-2-Diabetes mit atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung.

Zelluläre Mechanismen in präklinischen Modellen

Hinweise auf die direkten Wirkungswege liefert eine im Oktober 2026 im European Heart Journal publizierte Tierstudie des Smidt Heart Institute am Cedars-Sinai. Forscher testeten niedrigdosiertes Semaglutid an Ratten und Minischweinen mit adipositasbedingter Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF).

Bei einer Dosierung, die rund zehnmal niedriger lag als die übliche Dosis zur Gewichtsabnahme beim Menschen, veränderte sich das Körpergewicht über 16 Wochen kaum. Dennoch sank der Druck im linken Ventrikel um etwa 60 Prozent und das abnorme Herzmuskelzellwachstum ging um rund 30 Prozent zurück, begleitet von verminderter Fibrose und weniger Fetteinlagerungen.

Traci Goodchild und David Lefer vom Institut betonten vor dem Hintergrund früherer klinischer Studien, dass diese präklinischen Ergebnisse den Weg für künftige Untersuchungen niedriger dosierter Therapien mit reduziertem Nebenwirkungspotenzial ebnen könnten.

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