Semaglutid: Leberfett sank bei 23 von 26 Betroffenen unter fünf Prozent
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) 2026 in Mailand hat der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk neue Daten zur Wirkung von Semaglutid auf die Lebergesundheit vorgelegt. Eine explorative Post-hoc-Analyse der STEP-UP-Studien untersuchte die Veränderung des Leberfettanteils bei Erwachsenen mit Adipositas, die nicht an Diabetes erkrankt waren.
Deutliche Reduktion des Leberfetts in 72 Wochen
Die Analyse umfasste 55 Probanden, deren Leberfettanteil mittels Magnetresonanztomografie (MRT) gemessen wurde. Unter einer kombinierten Dosierung von 7,2 mg bzw. 2,4 mg injizierbarem Semaglutid sank der durchschnittliche Fettanteil in der Leber innerhalb von 72 Wochen von initial 8,8 % auf 3,1 %.
Besonders deutlich zeigten sich die Ergebnisse bei den Teilnehmern, die zu Studienbeginn einen erhöhten Wert von über 5 % aufwiesen: Von diesen 26 Personen erreichten 23 (88,5 %) bis zur 72. Woche einen Leberfettanteil von unter 5 %.
Das Unternehmen wies darauf hin, dass die Analyse des Leberfetts kein vorab festgelegter primärer oder sekundärer Endpunkt der STEP-UP-Studien war. Zudem wird die Dosierung von 7,2 mg Semaglutid derzeit nicht explizit für die Behandlung der metabolisch assoziierten Steatohepatitis (MASH) untersucht. Die gepoolte Gesamtanalyse der STEP-UP- und STEP-UP-T2D-Studien umfasste 1.919 Erwachsene.
Davon erhielten 1.312 Teilnehmer eine Dosis von 7,2 mg, während 304 Probanden mit 2,4 mg und 303 mit einem Placebo behandelt wurden. Zu Beginn der Untersuchungen wiesen über 94 % der Teilnehmer laut dem Fatty Liver Index (FLI) ein hohes Risiko für eine Fettleber auf, während weniger als 1 % die Kriterien für ein fortgeschrittenes Fibrose-Risiko erfüllten.
Eli Lilly stellt Daten zu kardiovaskulären Risiken und Gewichtsverlust vor
Ebenfalls auf der EASD-Tagung präsentierte der Wettbewerber Eli Lilly neue Studienergebnisse. Post-hoc-Analysen der 72-wöchigen Phase-3-Studie ATTAIN-1 mit 3.127 Teilnehmern untersuchten das Medikament Foundayo (Orforglipron).
Bei 26 Betroffenen mit erhöhtem Leberfett erreichten 23 in 72 Wochen einen Wert unter 5 Prozent — eine Zahl, die viele überrascht. Was die neuen Studiendaten zu Semaglutid für Menschen mit Übergewicht bedeuten und wie Sie Ihr eigenes Risiko einschätzen, lesen Sie in unserem kostenlosen Leitfaden. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Den Berechnungen zufolge sank das modellierte 10-Jahres-Risiko für Typ-2-Diabetes unter Dosen von 5,5 mg, 9 mg und 17,2 mg um geschätzt 45 %, 50 % bzw. 57 %. Parallel dazu verringerte sich das modellierte 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der höchsten Dosierung um 18 %.
In der ACHIEVE-4-Studie mit 2.749 Erwachsenen, die an Typ-2-Diabetes und Adipositas litten sowie ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufwiesen, erreichte Foundayo die Kriterien für die Nichtunterlegenheit gegenüber Insulin glargin. Das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE-4) lag um 16 % niedriger (HR 0,84).
In vorab geplanten Analysen wurde zudem eine Reduktion des Risikos für kardiovaskulären Tod um 53 % und der Gesamtmortalität um 57 % beobachtet. Nach 52 Wochen verzeichneten die Patienten unter Foundayo eine Gewichtsabnahme von 8,8 %, während die Vergleichsgruppe unter Insulin glargin eine Gewichtszunahme von 1,7 % aufwies.
Zusätzlich wurden Daten zur Phase-3-Studie TRIUMPH-2 mit Retatrutid veröffentlicht. Der Wirkstoff, der GIP-, GLP-1- und Glukagonrezeptoren aktiviert, führte bei Patienten mit Adipositas und Typ-2-Diabetes in der höchsten Dosierung von 12 mg zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 19 % (bzw. 18,8 % im Vergleich zu 5,1 % in der Placebogruppe). Eli Lilly plant nach aktuellem Stand die Zulassungseinreichung in den USA für das erste Quartal 2027.
Marktentwicklung und neue Therapieansätze
Neben den injizierbaren Therapien rücken orale Darreichungsformen stärker in den Fokus. Praxisdaten von 194 Patienten zeigten, dass ein Wechsel von injizierbaren Mitteln wie Wegovy zu oralem Semaglutid in drei Monaten zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 4 kg führte.
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Laut Novo Nordisk entfällt in den USA bereits rund ein Drittel der Adipositasverschreibungen auf orale Therapien. Branchenexperten prognostizieren für den weltweiten Adipositasmarkt bis zum Ende des Jahrzehnts ein jährliches Volumen von mindestens 100 Mrd. US-Dollar.
Ergänzt wurde das wissenschaftliche Programm in Mailand durch Ergebnisse von AbbVie zum experimentellen Amylin-Analog ABBV-295. In einer Phase-1-Studie mit 60 Teilnehmern führte eine wöchentliche Gabe über 12 Wochen zu einem dosisabhängigen Gewichtsverlust von 7,8 % bis 9,8 %. Das Unternehmen plant nun die Fortführung in einer Phase-2-Studie.
