Semaglutid im Vergleich: Spritze und Tablette senken Gewicht fast gleich
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Real-World-Daten liefern neue Erkenntnisse zur medikamentösen Adipositastherapie in Kombination mit umfassender Lebensstilbegleitung. Auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für das Studium des Diabetes (EASD 2026) wurden am 30. September 2026 Ergebnisse einer europäischen Untersuchung des Gesundheitsunternehmens Yazen vorgestellt.
Die Untersuchung von 16.940 Patienten mit Adipositas analysierte Behandlungsverläufe mit einem Start zwischen Januar 2024 und März 2026 und verglich die subkutane Injektion von Semaglutid mit der oralen Darreichungsform als Tablette über einen Zeitraum von 18 Monaten.
Nahezu identische Gewichtsreduktion nach 18 Monaten
Die von Felix Wittström präsentierte Untersuchung zeigt, dass beide Verabreichungsformen über anderthalb Jahre hinweg eine annähernd gleiche Gewichtsreduktion ermöglichen. Patientinnen und Patienten unter der wöchentlichen Semaglutid-Injektion erzielten nach 18 Monaten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 18,5 Prozent. In der Gruppe, die Semaglutid täglich als Tablette einnahm, lag die durchschnittliche Gewichtsreduktion bei 18,0 Prozent.
Zum Ende des 18-monatigen Beobachtungszeitraums belief sich die durchschnittliche Dosis bei der Injektion auf 0,85 mg pro Woche, während in der Tablettengruppe im Schnitt 13,4 mg pro Tag verabreicht wurden. Neben dem Gewichtsrückgang verzeichneten beide Behandlungsgruppen eine Verringerung des Taillenumfangs sowie messbare Verbesserungen der Stoffwechselparameter, konkret des Langzeitblutzuckerwerts HbA1c und der Triglyceride.
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Multidisziplinäre Betreuung als therapeutisches Fundament
Ein zentrales Merkmal der untersuchten Kohorte war die Einbindung aller Teilnehmenden in das Versorgungsmodell von Yazen. Die medikamentöse Behandlung war dabei nicht isoliert, sondern Teil eines multidisziplinären Ansatzes.
Fachleute aus verschiedenen Disziplinen begleiteten die Probanden kontinuierlich. Neben ärztlichem Personal gehörten Ernährungsberater, Psychologen, Physiotherapeuten und Gesundheitscoaches zum Betreuungsteam, um Verhaltens- und Lebensstiländerungen im Behandlungsalltag zu verankern.
Dass orale Alternativen im klinischen Alltag an Bedeutung gewinnen, belegen auch weitere Erhebungen. In einer Beobachtungsstudie von Novo Nordisk (OCTANE), die ebenfalls auf der EASD 2026 präsentiert wurde, wechselten 194 Erwachsene von injizierbaren Präparaten auf eine einmal tägliche Wegovy-Pille über die US-Plattform Ro.
Die Teilnehmenden verloren nach drei Monaten durchschnittlich weitere 4,1 Prozent beziehungsweise 4,0 Kilogramm an Körpergewicht. In den USA machen orale Therapien inzwischen rund ein Drittel aller Adipositas-Verschreibungen aus.
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Begleitende Risiken und die Notwendigkeit von Verhaltensanpassungen
Trotz der belegten Wirksamkeit verweisen Mediziner auf die Risiken einer reinen Medikamentengabe ohne fundierte Begleitung. Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin warnte Ende September 2026 vor unkalkulierbaren Langzeitwirkungen und betonte, dass Semaglutid für Personen mit einem Body-Mass-Index über 30 beziehungsweise krankhafter Adipositas vorgesehen sei und nicht als Lifestyle-Präparat für eine schnelle Gewichtsabnahme dienen dürfe.
Bei unzureichender Betreuung drohen Nebenwirkungen wie Antriebslosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder ein Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen. Die Ergebnisse der Yazen-Studie unterstreichen daher, dass eine nachhaltige Adipositastherapie neben der pharmakologischen Wirkung auf eine umfassende Lebensstil- und Verhaltensintervention angewiesen bleibt.
