Semaglutid, Diabetes-Mittel

Semaglutid: Diabetes-Mittel senkt Asthmaanfälle um 40 Prozent

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 15:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Britische Beobachtungsdaten verbinden Semaglutid mit weniger Asthmaanfällen und COPD-Schüben, doch eine Zulassung für Atemwegserkrankungen fehlt bislang.

Semaglutid senkt Atemwegs-Exazerbationen laut britischen Daten
Ein minimalistisches, klinisches Laborumfeld mit einem Glasgefäß auf einer Edelstahloberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass der GLP-1-Rezeptoragonist Semaglutid, der primär zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt wird, signifikante Vorteile für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen bieten könnte.

Daten einer britischen Realdatenstudie sowie ergänzende Meta-Analysen aus dem Jahr 2026 legen nahe, dass der Wirkstoff das Risiko für schwere Exazerbationen bei Asthma und COPD erheblich reduziert.

Analyse britischer Patientendaten zeigt deutliche Effekte

Im Rahmen des ERS-Kongresses in Barcelona im September 2026 präsentierte Dr. Bohee Lee Forschungsergebnisse des Imperial College London, die auf einer umfassenden Auswertung britischer Krankenhausdaten basieren.

Unter der Leitung von Prof. Chloe Bloom wurden vier parallele Untersuchungen durchgeführt, an denen jeweils zwischen 20.000 und 22.000 Erwachsene teilnahmen. In diesen Beobachtungsstudien wurde die Wirkung von GLP-1-Rezeptoragonisten mit der von Sulfonylharnstoffen verglichen.

Die Ergebnisse der Datenauswertung zeigen eine deutliche Überlegenheit von Semaglutid in Bezug auf respiratorische Notfälle. Demnach konnte das Auftreten von Asthmaanfällen unter der Therapie mit Semaglutid um 38 Prozent beziehungsweise fast 40 Prozent gesenkt werden.

Auch bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) wurden positive Effekte registriert: Hier sank die Zahl der Krankheitsschübe um 22 Prozent beziehungsweise rund 20 Prozent.

Trotz dieser signifikanten Zahlen betonen die Forscher des Imperial College London, dass es sich um Beobachtungsdaten handelt. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Medikamenteneinnahme und der Verbesserung der Atemwegsfunktion sei damit noch nicht abschließend belegt.

Entzündungshemmende Wirkung als möglicher Wirkmechanismus

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Ergänzende Erkenntnisse liefert eine systematische Review und Meta-Analyse von Milluzzo et al., die im Jahr 2026 im International Journal of Obesity veröffentlicht wurde. Diese Untersuchung konzentrierte sich auf Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas ohne Diabetes, die mit subkutanem Semaglutid behandelt wurden.

Die Analyse bestätigt nicht nur einen klinisch bedeutsamen Gewichtsverlust, sondern zeigt auch eine Senkung wichtiger Entzündungsmarker wie dem hochsensitiven C-reaktiven Protein (hsCRP).

Ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit bei Atemwegserkrankungen könnte die Verteilung von GLP-1-Rezeptoren im Körper sein, da sich diese laut der Meta-Analyse auch auf Immunzellen befinden. Allerdings weist die Arbeit von Milluzzo et al. auch auf Einschränkungen hin. So basieren die Erkenntnisse zu den Entzündungsmarkern auf einer geringen Anzahl an Studien, zudem sei die Dauer der Nachbeobachtung in den vorliegenden Daten bislang kurz.

Klinische Erprobung und regulatorische Hürden

In Fachkreisen wird die Einbeziehung respiratorischer Parameter in künftige klinische Prüfungen gefordert. Ein Fachvertreter der European Respiratory Society (ERS) betonte die Notwendigkeit, entsprechende Endpunkte systematisch in Studien zu GLP-1-Rezeptoragonisten aufzunehmen.

Bislang ist Semaglutid ausschließlich für die Indikationen Typ-2-Diabetes und Adipositas zugelassen. Eine Anwendung bei Asthma oder COPD erfolgt derzeit nicht im Rahmen der regulären Zulassung. Um die beobachteten Effekte wissenschaftlich abzusichern, soll die randomisierte GATA-3-Studie (NCT05254314) den therapeutischen Nutzen kontrolliert prüfen.

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Branchenexperten rechnen damit, dass ein langwieriger Prozess für eine mögliche Indikationserweiterung bevorsteht. Eine offizielle Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) für den Bereich Asthma wird nach aktueller Einschätzung frühestens für den Zeitraum zwischen 2033 und 2035 erwartet.

Bis dahin bleibt der Einsatz des Wirkstoffs auf die bisherigen Anwendungsgebiete beschränkt, während die Forschung die Mechanismen hinter der beobachteten Reduktion von Atemwegsexazerbationen weiter untersucht.

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