Semaglutid, Abnehmspritze

Semaglutid: Abnehmspritze verlängert Lebensspanne um 12 Prozent

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie mit alten weiblichen Mäusen verbindet Semaglutid mit längerer Lebensdauer, besseren Körperfunktionen und geringeren Alterungssignalen.

Semaglutid verlängert bei Mäusen das Leben und verbessert Alterungsmarker
Ein gläsernes Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit auf einem sterilen Labortisch, das medizinische Forschung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Abnehmspritzen wie Semaglutid gelten bislang vor allem als Mittel gegen Übergewicht und Diabetes. Eine in Nature veröffentlichte Studie (DOI: 10.1038/s41586-026-10940-7) legt nun nahe, dass der Wirkstoff auch tief in grundlegende Alterungsprozesse eingreifen könnte. Untersucht wurde die Wirkung an alten weiblichen Mäusen – mit einem Ergebnis, das über die reine Gewichtsreduktion hinausgeht.

Verlängerte Lebensspanne im Tiermodell

Laut der Studie verlängerte die Behandlung mit Semaglutid die mediane Lebensspanne der Tiere um rund 100 Tage beziehungsweise etwa 12 Prozent – von 742 auf 834 Tage. Die Wissenschaftlerin Danica Chen von der University of California, Berkeley, die an der Arbeit beteiligt war, begann die Behandlung, als die Mäuse 20 Monate alt waren, was nach Angaben der Studie in etwa 60 Menschenjahren entspricht. Die Behandlungsdauer betrug drei Monate.

Mehr als nur Gewichtsverlust

Die Untersuchung fand laut den Studienautoren eine Reihe von Effekten, die klassische Alterungsmarker betreffen: Die Muskel- und die kognitive Funktion der behandelten Tiere verbesserten sich, Entzündungswerte und Zellalterung gingen zurück, und auch die Mitochondrienfunktion sowie die Neurogenese im Hippocampus verbesserten sich.

Die Tiere nahmen zudem rund 24 Prozent weniger Kalorien auf als unbehandelte Vergleichstiere. Die Studie betont jedoch, dass die beobachteten Effekte über das hinausgehen, was allein durch die reduzierte Kalorienaufnahme zu erklären wäre.

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Semaglutid im Vergleich zur Kalorienrestriktion

Ein zentraler Teil der Studie bestand im direkten Vergleich zwischen Semaglutid-Behandlung und einer klassischen Kalorienrestriktion von ebenfalls 24 Prozent – einem in der Alternsforschung seit Langem bekannten Verfahren zur Lebensverlängerung. Dabei zeigte sich laut den Autoren, dass Semaglutid die Diät bei mehreren Parametern übertraf: Blutzuckerkontrolle, räumliches Gedächtnis, Stoffwechselrate und Erkundungsverhalten der Tiere fielen unter dem Wirkstoff besser aus als unter reiner Kalorienreduktion.

Auch die Gedächtnisleistung, die Blutzuckerregulation und die regenerative Kapazität der behandelten Mäuse verbesserten sich den Studienergebnissen zufolge insgesamt.

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Einordnung durch Fachleute

Tim Rhoads von der University of Wisconsin-Madison bezeichnete Semaglutid im Zusammenhang mit der Studie als das derzeit „beste Kalorienrestriktions-Mimetikum“ – also einen Wirkstoff, der die positiven Effekte einer Diät nachahmt, ohne dass tatsächlich weniger gegessen werden muss in dem Ausmaß, das die beobachteten Effekte allein erklären würde. Auch Rafael de Cabo vom National Institute on Aging der US-amerikanischen National Institutes of Health kommentierte die Ergebnisse der Arbeit.

Einschränkungen der Studie

Eine wesentliche Einschränkung der Untersuchung liegt in ihrem Design: Die Experimente wurden ausschließlich an weiblichen Mäusen durchgeführt. Ob sich die beobachteten Effekte – von der verlängerten Lebensspanne bis zu den verbesserten kognitiven und metabolischen Werten – auch bei männlichen Tieren oder gar beim Menschen zeigen würden, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.

Tierstudien zu Alterungsprozessen liefern häufig wichtige Hinweise auf mögliche Wirkmechanismus, sind aber nicht automatisch auf den Menschen übertragbar. Dennoch dürfte die Arbeit die Debatte darüber befeuern, ob GLP-1-Wirkstoffe wie Semaglutid künftig eine Rolle spielen könnten, die weit über die Behandlung von Übergewicht und Diabetes hinausgeht.

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