Semaglutid, Krankschreibungen

Semaglutid: 42 % weniger Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 19:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden GLP-1-Therapien mit weniger Langzeit- und psychisch bedingten Ausfällen, während deutsche Lohnfortzahlungskosten weiter steigen.

GLP-1-Medikamente senken Fehlzeiten und verändern die Arbeitswelt
Ein moderner, leerer Büroarbeitsplatz mit ergonomischen Stühlen und großen Fenstern bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen zur Auswirkung von GLP-1-Rezeptoragonisten auf die Arbeitswelt deuten auf eine signifikante Reduktion von Fehlzeiten hin. Wie aktuelle Forschungsarbeiten der Duke University und des National Bureau of Economic Research (NBER) auf Basis dänischer Registerdaten zeigen, weisen Patienten unter einer GLP-1-Therapie 17,3 % weniger Langzeit-Fehlzeiten von mehr als 30 Tagen auf als Vergleichsgruppen ohne diese medikamentöse Unterstützung.

Wirtschaftlicher Nutzen und Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Der geschätzte wirtschaftliche Nutzen dieser Therapieform wird in den Analysen auf 1,3 bis 1,5 % des Jahreseinkommens pro Erwerbstätigem beziffert. Dies entspricht einer rechnerischen Einsparung von rund 866 US-Dollar für Arbeitgeber und das Gesundheitssystem.

Eine weitere großangelegte Studie mit rund 100.000 Teilnehmern, an der unter anderem das Karolinska Institutet und die University of Eastern Finland beteiligt waren, untersuchte die Effekte von Semaglutid auf die psychische Gesundheit.

Den im Fachjournal The Lancet Psychiatry veröffentlichten Ergebnissen zufolge führen Behandlungen mit Semaglutid zu einer um 42 % selteneren Krankschreibung aufgrund psychischer Erkrankungen. Im Detail zeigten sich Rückgänge bei Depressionen um 44 %, bei Angststörungen um 38 % sowie beim Substanzmissbrauch um 47 %.

Rekordkosten durch Lohnfortzahlung in Deutschland

Die Debatte über die Senkung von Krankenständen trifft in Deutschland auf eine angespannte wirtschaftliche Lage. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gaben deutsche Unternehmen im Jahr 2025 die Rekordsumme von 85,6 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aus.

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Im Jahr 2024 beliefen sich diese Kosten noch auf 81,2 Milliarden Euro; innerhalb von 15 Jahren haben sie sich nominal mehr als verdoppelt. Als Gründe nennt das IW höhere Löhne, eine gestiegene Zahl an Beschäftigten sowie einen generell höheren Krankenstand, der seit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) im Jahr 2022 statistisch signifikant zugenommen habe.

Vor diesem Hintergrund wird über politische Gegenmaßnahmen diskutiert. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas stellte die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag infrage. Ab dem Jahr 2028 soll zudem das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz die Möglichkeit einer Teilkrankschreibung eröffnen.

Ärzte können dann eine geminderte Arbeitsfähigkeit in Stufen von 25, 50 oder 75 % bescheinigen, wobei die Betroffenen ein Teilkrankengeld erhalten. Während Befürworter geringeren Rückkehrdruck und den Erhalt des Teamkontakts hervorheben, warnen Kritiker vor sozialem Druck, verschleppten Gesundheitsschäden und bürokratischem Mehraufwand für Arztpraxen.

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Globale Arbeitsmarkteffekte und medizinische Zusatzaspekte

Die ökonomische Tragweite von GLP-1-Präparaten wird auch international beobachtet. Goldman Sachs prognosticierte, dass diese Medikamente das US-Bruttoinlandsprodukt um 1 % heben könnten, da bereits 18 % der US-Erwachsenen sie nutzen. Eine Analyse von Harvard und dem NBER stellt fest, dass arbeitslose Frauen nach rund 18 Monaten der Behandlung eine um 26,9 Prozentpunkte höhere Chance auf eine Anstellung haben.

Neben der Gewichtsreduktion zeigen aktuelle Daten weitere medizinische Effekte. Die US-Gesundheitsbehörde FDA bestätigte für Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid ein geringeres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle sowie Vorteile bei Schlafapnoe. Britische Realdatenstudien des Imperial College London deuten zudem darauf hin, dass Semaglutid die Häufigkeit von Asthmaanfällen um fast 40 % und COPD-Schübe um rund 20 % senken kann.

Trotz der positiven Aussichten berichten Nutzer in sozialen Netzwerken auch von Herausforderungen. Eine Analyse der Universität Pennsylvania von über 400.000 Reddit-Beiträgen ergab, dass 44 % der Nutzer über Nebenwirkungen berichteten, wobei Magen-Darm-Beschwerden und Fatigue am häufigsten genannt wurden.

Im Einzelhandel führen die Medikamente bereits zu Verhaltensänderungen: Der McDonald's-Vorstandsvorsitzende Chris Kempczinski beobachtet, dass GLP-1-Nutzer vermehrt zu kleineren Portionen greifen.

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de | wissenschaft | 70100730 |