Semaglutid, Asthmaanfälle

Semaglutid: 40% weniger Asthmaanfälle in Beobachtungsstudie

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Kohortendaten verbinden Semaglutid mit weniger Asthma- und COPD-Ereignissen sowie psychiatrischen Klinikaufnahmen, belegen aber keine Ursache.

Semaglutid: Beobachtungsdaten zeigen weniger Asthma- und COPD-Schübe
Ein steriles, modernes medizinisches Forschungslabor mit Laborgeräten und Glasbehältern in einer ruhigen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy wirken auf den ersten Blick nur auf den Stoffwechsel. Neue Beobachtungsdaten deuten jedoch darauf hin, dass der Wirkstoff Semaglutid weit über die Gewichtsreduktion hinaus Effekte entfalten könnte – bis hin zu Atemwegserkrankungen. Eine beim ERS-Kongress in Barcelona vorgestellte Untersuchung des Imperial College London liefert dazu bemerkenswerte, aber noch vorläufige Hinweise.

Weniger Asthmaanfälle und COPD-Schübe

Die Forscherinnen Prof. Chloe Bloom und Dr. Bohee Lee vom Imperial College London werteten Daten von über 80.000 Patientinnen und Patienten aus dem Vereinigten Königreich aus, aufgeteilt in vier Kohorten mit jeweils rund 20.000 bis 22.000 Personen.

Im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen war die Einnahme von Semaglutid mit fast 40 Prozent weniger Asthmaanfällen und rund 20 Prozent weniger COPD-Exazerbationen assoziiert. Für die Wirkstoffe Liraglutid und Dulaglutid, die ebenfalls zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten gehören, zeigte sich laut einem Bericht der Morgenpost vom 15. September 2026 kein vergleichbarer Effekt.

Wichtig ist dabei die methodische Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die lediglich eine Assoziation, keine Kausalität belegt. Wie knowridge.com am 15. September 2026 berichtete, warnen die Autoren ausdrücklich davor, aus den Daten eine Therapieempfehlung außerhalb der bestehenden Zulassung abzuleiten.

Klinische Studien mit randomisiertem Design seien notwendig, um die beobachteten Zusammenhänge zu überprüfen. Zudem hat die Auswertung, wie thecooldown.com am 14. September 2026 berichtete, bislang kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen.

Parallelen zu psychiatrischen Effekten

Anzeige

Fast 40 Prozent weniger Asthmaanfälle, rund 20 Prozent weniger COPD-Schübe – diese Zahlen aus Barcelona machen vielen Betroffenen Hoffnung. Doch die Untersuchung zeigt eine Assoziation, keine Ursache, und Semaglutid ist für Atemwegserkrankungen nicht zugelassen. Unser kostenloser Ratgeber ordnet die Studienlage ruhig ein und gibt Ihnen die Fragen an die Hand, die Sie Ihrem Arzt stellen sollten. Kostenlosen Ratgeber zur Semaglutid-Studienlage anfordern

Die Beobachtung, dass Semaglutid Wirkungen zeigt, die andere GLP-1-Wirkstoffe nicht aufweisen, ist kein Einzelfund. Eine in Acta Psychiatrica Scandinavica veröffentlichte Studie der Griffith University unter Leitung von Prof. Mark Taylor untersuchte rund 15.000 Patientinnen und Patienten mit bipolarer Störung in Schweden im Zeitraum von 2009 bis 2024. Während der Einnahme von Semaglutid war das Risiko einer psychiatrischen Hospitalisierung um rund 21 Prozent geringer als in Phasen ohne GLP-1-Therapie. Auch hier blieben Liraglutid und Dulaglutid ohne vergleichbaren Effekt, und auch diese Studie beruht auf Beobachtungsdaten ohne Kausalitätsnachweis.

Diese Häufung ähnlicher Muster – ein spezifischer Effekt bei Semaglutid, der bei anderen GLP-1-Präparaten ausbleibt – wirft Fragen nach möglichen wirkstoffspezifischen Mechanismen auf, die über die reine Gewichtsreduktion hinausgehen. Belastbare Antworten können jedoch nur randomisierte klinische Studien liefern.

Einordnung für die Praxis

Für Patientinnen und Patienten mit Asthma, COPD oder bipolaren Erkrankungen bedeuten diese Befunde vorerst keine Änderung der Behandlung. Semaglutid ist für die Indikationen Adipositas und Typ-2-Diabetes zugelassen, nicht jedoch zur gezielten Therapie von Atemwegs- oder psychiatrischen Erkrankungen.

Anzeige

Wenn Sie Asthma, COPD oder Typ-2-Diabetes haben, kennen Sie die Unsicherheit: Mal heißt es, GLP-1-Präparate könnten mehr als den Stoffwechsel beeinflussen, mal wird ausdrücklich gewarnt. Statt sich zwischen Schlagzeilen zu verlieren, hilft ein klarer Überblick über die zugelassenen Anwendungen und die offenen Fragen. Genau das finden Sie in unserem kostenlosen Ratgeber – sachlich, ohne Versprechen. Jetzt den Überblick für Ihr Arztgespräch sichern

Die vorgestellten Zahlen liefern zwar ein starkes Signal für weitere Forschung, ersetzen aber keine kontrollierten Studien, die Ursache und Wirkung sauber trennen können.

Für die behandelnde Ärzteschaft und für Betroffene bleibt damit vorerst der etablierte Zulassungsrahmen maßgeblich. Die Ergebnisse aus Barcelona und aus der schwedischen Kohortenstudie könnten jedoch Anstoß für künftige randomisierte Untersuchungen sein, die klären, ob Semaglutid tatsächlich Wirkungen entfaltet, die über die bekannten metabolischen Effekte hinausreichen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70110706 |