Selbsthilfe-Bewegung, Gruppen

Selbsthilfe-Bewegung: 300 Gruppen in der Nordoberpfalz aktiv

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Regionale Aktionstage, neue Online-Plattformen und Förderprogramme stärken die Selbsthilfe bei psychischen, neurologischen und pflegerischen Themen.

Selbsthilfe im Aufwind: Mehr Gruppen, digitale Angebote und Förderung
Ein ruhiger Innenhof mit Holzbänken und Bäumen, der eine Atmosphäre der Gemeinschaft und Unterstützung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die Strukturen der organisierten Selbsthilfe erfahren derzeit durch regionale Aktionstage und den Ausbau digitaler Angebote eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung.

Am 19. September 2026 verdeutlichte der 6. Selbsthilfetag in Tirschenreuth, der gemeinsam mit dem 2. Gesundheits- und Sozialtag im dortigen Landratsamt stattfand, die lokale Relevanz dieser Versorgungsform. Mit 40 Ausstellern bot die Veranstaltung eine Plattform für die rund 300 aktiven Selbsthilfegruppen, die laut Landratsamt in der Nordoberpfalz tätig sind.

Vernetzung auf kommunaler Ebene und fachspezifische Schwerpunkte

Parallel zu den Aktivitäten in Bayern organisierten Fachstellen in weiteren Bundesländern ähnliche Formate. In Weyhe fand am 19. September 2026 ein bundesweiter Selbsthilfetag auf dem Marktplatz statt.

Die von der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Landkreises Diepholz (Kibis) unter dem Motto „Wir sitzen alle in einem Boot“ initiierte Veranstaltung diente unter anderem der Ankündigung neuer Gruppenangebote, wie etwa einer geplanten Borderline-Gruppe in Sulingen.

Bereits am 16. September 2026 markierte ein Infostand vor dem Gesundheitszentrum WERKStadt in Limburg den bundesweiten Tag der Selbsthilfe im Landkreis Limburg-Weilburg. Organisiert von der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS), wurde hier auf die rund 100 aktiven Gruppen im Kreisgebiet hingewiesen.

Diese lokalen Initiativen befassen sich mit gesundheitlichen Herausforderungen von erheblicher Tragweite. Daten aus Ostbayern beziffern die Zahl der jährlichen Schlaganfallbetroffenen auf 15.000 bis 20.000 Personen.

Bundesweit sind nach vorliegenden Statistiken jährlich etwa 30.000 Menschen unter 55 Jahren von einem Schlaganfall betroffen. Auch in Gelsenkirchen zeigt sich eine hohe Organisationsdichte: 134 Gruppen sind dort im Bereich der Selbsthilfe vertreten.

Wachstum bei mentalen Gesundheitsangeboten und digitale Transformation

Im Bereich der psychischen Gesundheit verzeichnen spezialisierte Organisationen eine dynamische Entwicklung. Die Gruppe „Depri-Helden“, die sich an Depressionserkrankte und deren Angehörige richtet, konnte ihre Mitgliederzahl seit der Gründung im Oktober 2023 von acht auf 224 steigern, was einem Zuwachs von 2.700 % entspricht.

Der Verband betreut 15 aktive Gruppen in den Kommunen Wedemark, Burgwedel, Langenhagen und Schwarmstedt und plant eine Ausweitung der Projekte in der Region Hannover.

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Flankiert wird dieses Wachstum durch neue staatliche und verbandsgesteuerte Online-Plattformen. In Bayern betreibt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit seit Kurzem den digitalen Präventionspool unter praeventionspool.bayern.de. Zum Start umfasst das Verzeichnis mehr als 400 Angebote mit über 1.000 Möglichkeiten vor Ort, bereitgestellt von über 200 Anbietern.

In Österreich startete der Berufsverband Österreichischer Psycholog:innen (BÖP) die Plattform psyhelp.at. Diese dient der Vermittlung von jährlich rund 120.700 Behandlungseinheiten auf kostenfreien Kassenplätzen für klinisch-psychologische Behandlungen, wobei etwa 500 Fachkräfte akkreditiert sind.

Hintergrund dieser Maßnahme ist die Schätzung, dass etwa ein Viertel der österreichischen Bevölkerung im Laufe des Lebens von einer psychischen Erkrankung betroffen ist.

Förderung, Pflege und fachlicher Austausch

Zur langfristigen Sicherung der Selbsthilfestrukturen werden finanzielle Anreize und Auszeichnungen eingesetzt. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Rheinland-Pfalz hat den 11. Selbsthilfepreis für den Zeitraum 2026/2027 ausgeschrieben. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung richtet sich an die landesweit mehr als 3.000 Gruppen. Bewerbungen sind bis zum 1. November 2026 möglich.

Ein weiterer Fokus liegt auf der häuslichen Versorgung, insbesondere bei Demenzerkrankungen. Laut Abrechnungsdaten der AOK Thüringen leben in dem Bundesland rund 47.000 Betroffene; bundesweit wird die Zahl auf 1,8 Millionen geschätzt.

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Etwa 86 % der Pflegebedürftigen werden in Deutschland zu Hause versorgt. Um diese Strukturen zu unterstützen, werden am 22. September 2026 in Bocholt Informationen zur Nachbarschaftshilfe vermittelt, wobei Helfer steuerfreie Aufwandsentschädigungen von bis zu 131 Euro pro Monat erhalten können.

Für den 6. Oktober 2026 lädt zudem der Landkreis Mainz-Bingen zum European Carers Day nach Ingelheim ein, um die Rolle der pflegenden Angehörigen zu thematisieren, die im Landkreis zu rund 54 % täglich in die Pflege eingebunden sind.

Abgerundet wird das Spektrum der Selbsthilfe durch den direkten Austausch zwischen Patienten und Fachpersonal. So veranstaltet das Städtische Klinikum Dessau am 23. September 2026 einen Patiententag, an dem Krebspatienten über ihre Erfahrungen im medizinischen Dialog berichten.

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