Selbstbedienung an der Kasse: 67% der Deutschen lehnen ab
17.06.2026 - 08:31:52 | boerse-global.de
Trotz des rasanten Ausbaus automatischer Kassensysteme setzt die Mehrheit der deutschen Verbraucher weiterhin auf den persönlichen Kontakt an der Kasse. Eine aktuelle Studie zeigt: Zwei Drittel der Kunden lehnen die Selbstbedienungstechnik ab.
Generationenkonflikt an der Kasse
Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar unter 1.000 Teilnehmern – durchgeführt Anfang Juni 2026 – ergibt ein klares Bild: 67 Prozent der deutschen Shopper bevorzugen bediente Kassen, nur 33 Prozent nutzen gern die Selbstscanner. Die Gründe für die Traditionsbindung sind vielfältig. 42 Prozent der Befragten geben den Wunsch nach persönlichem Kontakt an, 40 Prozent nennen schlicht Gewohnheit. Für 39 Prozent ist die Möglichkeit zur Barzahlung entscheidend.
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Wer dagegen zu den Selbstbedienungskassen greift, schätzt vor allem die Eigenständigkeit: 56 Prozent wollen ihr eigenes Tempo bestimmen, 51 Prozent hoffen auf kürzere Wartezeiten.
Besonders deutlich zeigt sich der Generationenkonflikt. In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen lehnen satte 87 Prozent die Automatenkassen ab. Jüngere Käufer sind zwar aufgeschlossener – doch der Gesamtmarkt bleibt fest in traditionellen Strukturen verankert.
Boom der Selbstbedienung trotz Vorbehalten
Der Handel treibt die Automatisierung dennoch massiv voran. Hauptgrund: der anhaltende Personalmangel. Laut Daten des EHI Retail Institute gibt es in Deutschland inzwischen rund 50.000 Selbstbedienungskassen an etwa 12.500 Standorten. Vor zwei Jahren waren es erst 16.000 Kioske in rund 4.270 Geschäften. Branchenexperten schätzen, dass täglich zwischen 1,5 und 2 Millionen Kunden diese Systeme nutzen.
Mit der wachsenden Zahl automatisierter Kassen rückt auch die Sicherheit in den Fokus. 2025 registrierten die deutschen Behörden 357.651 Fälle von einfachem Ladendiebstahl – ein Rückgang um 5,7 Prozent. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen. Ketten wie Kaufland setzen daher auf KI-gestützte Warenkorbanalysen, Kontrollwaagen und Ausgangssperren. Rewe hingegen sieht keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Selbstbedienungskassen und erhöhten Diebstahlraten.
Künstliche Intelligenz erobert den Einzelhandel
International setzen Händler verstärkt auf künstliche Intelligenz, um den Bezahlprozess zu optimieren. Der tschechische Discounter Albert, eine Tochter von Ahold Delhaize, hat kürzlich eine KI-basierte Produkterkennung an seinen Selbstbedienungsterminals eingeführt. Das System – ausgezeichnet mit einem Branchenpreis – erkennt automatisch Artikel ohne Barcode, etwa Obst, Gemüse und Backwaren. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt an fünf Standorten Ende 2025 fließen nun Investitionen von über 2,5 Milliarden Tschechischen Kronen in den weiteren Ausbau.
In Großbritannien bereitet Tesco eine digitale Revolution vor: Rund 3.000 Filialen erhalten elektronische Regaletiketten. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt ermöglicht Preisänderungen in Echtzeit und entlastet die Mitarbeiter von manueller Kleinarbeit – sie sollen sich künftig stärker um die Kunden kümmern können.
Gesetzgeber reagiert auf Automatisierungswelle
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Die rasante Verbreitung der Selbstbedienungstechnik hat in einigen Regionen bereits den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Im US-Bundesstaat Rhode Island liegt ein Gesetzesentwurf vor, der Supermärkte verpflichten soll, für je drei Selbstbedienungskassen mindestens eine bediente Kasse vorzuhalten. Die Vorlage – eingebracht von Senatspräsidentin Valarie Lawson und Abgeordneter Megan Cotter – wartet auf die Unterschrift des Gouverneurs. Es wäre die erste landesweite Quotenregelung dieser Art in den USA.
In Deutschland zeigt sich der Wandel auch bei den Zahlungsgewohnheiten. Eine Bitkom-Umfrage vom Frühjahr 2026 ergab: 84 Prozent der Befragten befürworten eine gesetzliche Pflicht für Händler, elektronische Zahlungen zu akzeptieren. Zwar schätzen viele Kunden an bedienten Kassen noch die Bargeldoption – doch 72 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, Bargeld nicht zu vermissen, falls es abgeschafft würde. 82 Prozent nutzen Münzen und Scheine seltener als noch vor einigen Jahren.
Der Blick in die Zukunft zeigt: Das Vertrauen in KI-Einkaufsassistenten wächst. Eine Studie von Accenture und DHL in 16 Ländern ergab, dass knapp drei Viertel der Verbraucher bereit wären, alltägliche Einkäufe an KI-Assistenten zu delegieren. Die klassische Kasse mag zwar umstritten bleiben – die Integration künstlicher Intelligenz in den gesamten Einkaufsprozess scheint jedoch unaufhaltsam.
