Second-Hand-Markt: Gebrauchthandel wächst bis 2027 auf 300 Milliarden
13.06.2026 - 06:11:06 | boerse-global.de
Nachhaltigkeit entwickelt sich vom Nischenthema zum zentralen Wirtschaftsfaktor. Besonders Textilien, Lebensmittel und Kreislauftechnologien stehen im Fokus.
Second-Hand-Boom und Entsorgungsnotstand
Der Gebrauchtmarkt wächst rasant. Prognosen zufolge könnte sein weltweites Volumen bis 2027 auf über 300 Milliarden Dollar steigen. Plattformen wie Vinted zählen bereits 65 Millionen Nutzer.
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Doch der Trend hat eine Kehrseite: Der Textilmüll in Deutschland lag 2023 rund 55 Prozent höher als zehn Jahre zuvor. Pro Kopf kaufen wir jährlich 18 Kilogramm Kleidung.
Die Entsorgungsinfrastruktur kommt an ihre Grenzen. In Petershagen und Eggersdorf wurden im Frühjahr 2026 Altkleidercontainer abgebaut – wegen massiven Missbrauchs. An einem Standort fielen 1,6 Tonnen illegaler Müll an. Seit Mai 2026 testen die Gemeinden mobile Sammelsysteme.
Als Gegenmodell zum Wegwerfkonsum positioniert sich der „Green Friday“ im November 2026. Die Idee: langlebige Produkte statt Rabattschlachten, weniger Retouren.
Lebensmittel: Jedes dritte Produkt landet im Müll
Auch die Ernährungssysteme geraten unter Druck. Eine Analyse für Österreich zeigt: Die externen Kosten des aktuellen Systems liegen bei fünf bis zehn Prozent des BIP – verursacht durch Klimaschäden und Wasseraufbereitung. Ein Drittel aller Lebensmittel wird verschwendet.
Im Juni 2016 forderte eine Initiative per offenem Brief an die Bundesregierung ein Kompetenzzentrum für nachhaltige Nahrungsmittelsysteme an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Technologische Innovationen sollen Abhilfe schaffen:
- Protein aus Luft: Das finnische Unternehmen Solar Foods bringt „Solein“ auf den Markt – ein Proteinpulver aus Bakterien, CO2 und Wasserstoff. Die EU-Zulassung wird noch 2026 erwartet.
- Kaffee-Alternative: Das Start-up rootery setzt auf Zichorienwurzeln. Nach der Vorstellung im Frühjahr 2026 stieg die Nachfrage nach den koffeinfreien Kapseln deutlich.
- CO2-Filter aus Abfall: Ein Verfahren der ETH Zürich nutzt Proteine aus der Käse- und Tofuproduktion zur CO2-Bindung. Die Studie erschien am 8. Juni 2026 im Fachjournal PNAS. Das Verfahren gilt als günstiger und effizienter als herkömmliche Direct-Air-Capture-Methoden.
Festivals und Reisen: Weniger ist mehr
Auch der Freizeitsektor steht vor Herausforderungen. Festivalbesucher produzieren durchschnittlich zwei Kilo Abfall pro Tag – fast doppelt so viel wie im Alltag.
Internationale Beispiele zeigen Lösungen: In St. Gallen ist der Nahverkehr im Ticketpreis enthalten. Beim Roskilde-Festival wird Urin gesammelt und als Dünger für Braugerste genutzt.
Tourismus-Experten raten zu einem neuen Ansatz: Weniger Besichtigungen, familiengeführte Unterkünfte, lokale Guides. Das entlastet Zielorte sozial und ökologisch.
KI und Kreislaufwirtschaft: Technologie als Schlüssel
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Die Digitalisierung hilft, Materialkreisläufe zu schließen. Das Forschungsprojekt „Mirakel“ entwickelt ein KI-gestütztes System für Urban Mining. Ziel: Den Wert verbauter Materialien in Gebäuden digital erfassen und wirtschaftlich wiederverwenden. Die Förderung beträgt 2,6 Millionen Euro.
Auf der Deutschen Mehrwegkonferenz 2026 wurden Innovationen ausgezeichnet: Glas-Mehrwegsysteme für Lebensmittel und KI-basierte Tracking-Plattformen. RFID-Tracking optimiert Logistikprozesse und spart CO2.
Die Schweizer Groupe E setzt auf Dekarbonisierung: Bis Ende 2026 sollen die Treibhausgasemissionen um 15 Prozent sinken.
