Search Engine Phishing: Betrüger stehlen über 5.000 Zugangsdaten
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle setzen verstärkt auf manipulierte Suchergebnisse, um Nutzer auf täuschend echte Kopien von Bank-Webseiten zu locken. Durch den Kauf von gesponserten Werbeanzeigen gelangen diese Betrugsseiten an die Spitze der Suchresultate, wo sie gezielt Zugangsdaten für das Online-Banking abgreifen. Diese Methode des „Search Engine Phishing“ führt international zu massiven finanziellen Schäden und beschäftigt zunehmend die Justiz.
Internationale Strafverfolgung und hohe Opferzahlen
Wie aus Berichten von Mitte September hervorgeht, gelang den US-Behörden ein Schlag gegen eine solche Gruppierung. Der russische Webentwickler Sergei Anatolyevich Filimonov wurde nach einer Anklage aus dem Vorjahr von Georgien in die USA ausgeliefert.
Dem 36-Jährigen wird vorgeworfen, Teil einer Gruppe zu sein, die durch den Kauf gesponserter Suchlinks über 5.000 Zugangsdaten gestohlen hat. Die Nutzer wurden dabei auf gefälschte Login-Masken geleitet, die das Erscheinungsbild legitimer Banken imitierten.
Auch im deutschsprachigen Raum häufen sich die Vorfälle. In Dübendorf verlor ein ehemaliger Bankmitarbeiter 13.000 Franken, nachdem er eine gefälschte Login-Seite der Regionalbank BSU aufgerufen hatte. Die Betrüger änderten noch in der Nacht das Passwort des 60-Jährigen und lösten mehrere Zahlungen an unbekannte Empfänger aus.
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Das Opfer kritisierte in diesem Zusammenhang die Sicherheitskontrollen der Bank, da die nächtlichen Transaktionen nach jahrzehntelanger unauffälliger Kontoführung nicht gestoppt wurden. Die Bank verwies hingegen auf ein bestätigtes Sicherheitsverfahren.
Haftung von Plattformbetreibern gerät in den Fokus
Ein wegweisendes Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main befasste sich Mitte September mit der Verbreitung solcher betrügerischen Anzeigen auf sozialen Netzwerken. Das Gericht verurteilte den Konzern Meta zu Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz. Hintergrund waren gefälschte Finanz-Anzeigen, die widerrechtlich das Gesicht des Finanzfluss-Gründers Thomas Kehl nutzten.
Nach Ansicht des Gerichts verlor Meta das Haftungsprivileg des Digital Services Act (DSA), da die Anzeigenauktion und der Ranking-Algorithmus des Unternehmens die Verbreitung der Inhalte maßgeblich bestimmen.
In dem Verfahren wurden rund 256 Verstöße gemeldet, wobei die Entfernung der Anzeigen teilweise bis zu 62 Tage dauerte. Der Streitwert wurde auf 300.000 Euro festgesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt ist möglich.
Neue Bedrohungen durch hochgerüstete Schadsoftware
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Parallel zu gefälschten Webseiten verbreiten Angreifer komplexe Schadsoftware wie den Infostealer „Rapuncel“. Diese Malware wird über SEO-optimierte Repositories auf Plattformen wie GitHub verteilt und tarnt sich als legitime Anwendung, etwa als Authenticator-App. Um Sicherheitsscans zu umgehen, wird die Dateigröße der ZIP-Archive künstlich auf bis zu 148 MB aufgebläht.
Die Schadsoftware nutzt signierte Kernel-Treiber, die sich als Nvidia-Komponenten tarnen, um über 140 Sicherheitsprogramme zu beenden. Ziel ist der Diebstahl von Zugangsdaten aus über 25 Browsern, Krypto-Wallets sowie Sitzungsdaten von Kommunikationsdiensten wie Discord und Telegram. Experten weisen darauf hin, dass eine Bereinigung infizierter Systeme oft nur im abgesicherten Modus möglich ist.
Prävention und Warnmeldungen der Verbraucherschützer
Verbraucherschützer warnen zudem vor gefälschten E-Mails, die derzeit im Namen der Krankenkasse AOK versendet werden. Mit Betreffzeilen wie „Kontodaten bitte überprüfen“ wird eine fehlgeschlagene Transaktion vorgetäuscht, um Empfänger zu einer manuellen Überweisung zu bewegen. Merkmale für solche Phishing-Versuche sind eine unvollständige Anrede und unseriöse Absenderadressen.
Zur Sicherheit raten Experten zu einem kurzen Check der Webadresse: Am Computer sollte die Maus über einen Link geführt werden, am Smartphone hilft ein langer Druck auf den Link, um die tatsächliche Ziel-Domain zu prüfen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt zudem vor sogenannten Tippfehler-Domains und dem Einsatz von URL-Shortenern, die das eigentliche Ziel einer Webseite verschleiern.
