Schwindeltherapie: Vertidisan®-App heilt 88% der Patienten in 90 Tagen
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung neurologischer und kognitiver Erkrankungen erfährt durch die Integration digitaler Anwendungen und innovativer Medizintechnik eine signifikante Transformation.
Im Zentrum dieser Entwicklung stehen therapeutische Softwarelösungen wie die Vertidisan®-App des Tübinger Unternehmens Digitineers, die eine gezielte Behandlung von Schwindelsymptomen ermöglichen. Ergänzt wird dieses Spektrum durch Fortschritte in der kognitiven Intervention, der robotergestützten Therapie sowie hochpräzisen neuromodulatorischen Verfahren.
Strukturierte Schwindeltherapie per App
Das Unternehmen Digitineers hat mit Vertidisan® ein digitales Therapiekonzept etabliert, das auf einer 90-tägigen Übungsphase basiert. Die Anwendung sieht tägliche Einheiten von etwa 20 Minuten vor und umfasst insgesamt über 300 Übungseinheiten. Die Wirksamkeit des Programms wurde für das Jahr 2026 mit 88 Prozent angegeben.
Die App ist für Patienten ab einem Alter von 18 Jahren konzipiert. Ein wesentlicher Aspekt für die klinische Anwendung ist die Abrechenbarkeit der Leistung. Diese könne laut vorliegenden Informationen nach den GOÄ-Ziffern 76A und 33A erfolgen, was die Integration in den privatärztlichen Versorgungsalltag erleichtert.
Kognitive Intervention und pflegerische Assistenz
Parallel zur Schwindeltherapie gewinnen Anwendungen für Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen an Bedeutung. Das Unternehmen Cogthera strebt mit seinem Produkt Emocog eine vorläufige Listung als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) an.
Dieser Weg ermöglicht eine frühzeitige Vergütung der kognitiven Intervention bei gleichzeitiger Querfinanzierung notwendiger Bestätigungsstudien. In deutschen Nutzertests mit mehr als 30 Teilnehmern sei die Anwendung bereits an kulturelle Besonderheiten angepasst worden.
Im Bereich der stationären Pflege setzen Einrichtungen wie die Diakonie Düsseldorf verstärkt auf digitale Konzepte. Für das Projekt „Digitale Soziale Betreuung mit Mehrwert“ im Otto-Ohl-Haus und Tersteegen-Haus erhielt die Diakonie den mit 3000 Euro dotierten Preis „Aktivieren“ 2026. Dabei kommen unter anderem der Roboter Pepper sowie Systeme wie Qwiek.up und das Bike Labyrinth zum Einsatz.
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Die Unterstützung der Selbstständigkeit älterer Menschen wird zudem im Rahmen der eliPfad-Studie in Nordrhein-Westfalen untersucht, die rund 1000 Patienten begleitet und deren finale Auswertung für Mitte 2027 erwartet wird.
Fortschritte in der Neurotechnologie und Tremor-Behandlung
Für Patienten mit essentiellem Tremor, von dem in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie über eine Million Menschen betroffen sind, bieten die Sana Kliniken Duisburg sowie die Universitätskliniken Freiburg und Schleswig-Holstein die mRgFUS-Therapie an.
Bei diesem Verfahren wird das Zittern mittels MRT-gesteuertem, fokussiertem Ultraschall ohne chirurgische Schnitte gestoppt. Die Behandlung erfolgt über einen Helm mit mehr als 1000 Ultraschallquellen.
Neben medizinischen Fortschritten spielt die frühzeitige Selbsteinschätzung bei kognitiven Veränderungen eine immer wichtigere Rolle für die rechtzeitige Vorsorge. Ein kurzer, wissenschaftlich fundierter Check bietet Ihnen eine diskrete erste Orientierung zu möglichen Anzeichen. Kostenlosen 7-Fragen-Selbsttest jetzt anonym durchführen
Ebenfalls im Bereich der invasiven Neurotechnologie verzeichnet das Unternehmen CorTec Fortschritte. Das System Brain Interchange™ erhielt im August 2026 die zweite FDA Breakthrough Device Designation für den Bereich Kommunikation, nachdem bereits im April 2026 eine Designation für die Schlaganfall-Rehabilitation erteilt worden war.
Bei drei implantierten Patienten konnte eine Signalstabilität über mehr als 500 Tage nachgewiesen werden. Flankierend dazu entwickelt das EU-Projekt MINIGRAPH bis Ende 2026 flexible Gehirnimplantate auf Graphenbasis, die mit lediglich 100 Mikrometern Dicke minimalinvasiv implantiert werden können.
KI-gestützte Entscheidungsfindung und Präzisionsnavigation
Die Digitalisierung erreicht auch die medizinische Dokumentation und Diagnostik. Die Telekom präsentierte in Kooperation mit Prof. Valmed ein Large Language Model (LLM) für medizinische Entscheidungen, das als CE-Klasse-IIb zertifiziert ist. Das System greife auf über 2,5 Millionen validierte Dokumente zu und lasse sich in bestehende Krankenhausinformationssysteme integrieren.
In der motorischen Forschung adressiert das Projekt TMS-LOK (2024–2027) die millimetergenaue Lokalisation motorischer Areale im Gehirn. Durch eine Kombination aus transkranieller Magnetstimulation (TMS) und Feldsimulation soll die Navigation im Gehirn präzisiert werden, wofür das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Fördermittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro bereitgestellt hat.
