Schwimmbad-Sanierung: 250 Millionen Euro reichen nur für 195 Projekte
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schließungen von Schwimmbädern, akute Sanierungsstaus in Hallen und bauliche Maßnahmen, die Vereine verdrängen: In zahlreichen deutschen Kommunen gerät die sportliche Infrastruktur unter erheblichen Druck. Vielerorts klafft zwischen dem baulichen Erneuerungsbedarf und den verfügbaren finanziellen Mitteln eine erhebliche Lücke.
Bundesförderung für Schwimmbäder deckt den Bedarf kaum
Wie groß der Nachholbedarf allein bei den Bädern ist, zeigt das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Zwar stellt der Bund 250 Millionen Euro für insgesamt 195 ausgewählte Schwimmbadprojekte bereit, darunter Vorhaben in Neckarbischofsheim, Östringen und Neckarsulm.
Doch das Förderprogramm war rund 13-fach überzeichnet: Fast 1.000 Projektskizzen mit einem Gesamtvolumen von etwa 3,2 Milliarden Euro wurden eingereicht, wodurch rund 800 Anträge leer ausgingen. Für den Herbst 2026 kündigte das Ministerium einen weiteren Projektaufruf mit allgemeinerem Fokus und einem Volumen von 333 Millionen Euro an.
Für viele Kommunen bedeutet die Absage des Bundes den Stillstand ihrer Planungen. So erhielt die Stadt Eppingen am 1. Oktober 2026 bereits den zweiten negativen Bescheid für die Sanierung ihres Hallenbads am Berliner Ring, für die Kosten von rund 6,6 Millionen Euro im Raum stehen und knapp 3 Millionen Euro an Bundesmitteln erhofft worden waren.
Oberbürgermeister Klaus Holaschke brachte daraufhin seinen Unmut zum Ausdruck. Die Anlage, die 2024 mehr als 41.000 Nutzungen verzeichnete, soll nach einer Sanierungspause am Montag, 5. Oktober, wieder öffnen, nachdem weitere Schweißlöchchen entdeckt worden waren.
In Kirchardt wurden Sanierungskosten von rund 3,7 Millionen Euro kalkuliert; die erhoffte Förderung von bis zu 75 Prozent blieb jedoch aus. Die Gemeinde plant einen Folgeantrag, wenngleich Bürgermeister Kreiter die Erfolgschancen als überschaubar groß einschätzte. In Bornheim droht die geplante Sanierung des Hallenfreizeitbads nach einer Förderabsage gänzlich zu scheitern.
Die Samtgemeinde Hemmoor wiederum erhielt am 30. September 2026 eine Absage für das Hallenbad „Ostewelle“, nachdem sie auf 1,6 Millionen Euro gehofft hatte; trotz Zuschüssen von Landkreis und Land verbleibt ein hoher Eigenanteil für zwingend nötige Arbeiten an Dach und Toiletten.
Baumängel und Schimmelbefall erzwingen Sperrungen
Neben den Bädern leiden zahlreiche Sporthallen unter Substanzschäden. In Delmenhorst wurde die Nutzung der Turn- und Gymnastikhalle an der Max-Planck-Straße vorübergehend eingestellt, nachdem bei Untersuchungen Schimmelpilzsporen festgestellt worden waren. Fachbereichsleiter Patrik Kolbe bedauerte die Einschränkungen für das Gymnasium und die Vereine; die Dauer der Schließung bleibt offen.
Fast 1.000 Projektskizzen mit rund 3,2 Milliarden Euro Volumen trafen auf 250 Millionen Euro Fördervolumen — nur 195 Schwimmbadprojekte kamen zum Zug. Wer jetzt einen Folgeantrag plant, braucht eine belastbare Bedarfsdarstellung statt einer schnellen Skizze. Der kostenlose Leitfaden zeigt, wie Kommunen Sanierungsbedarf belegen und Förderchancen nüchtern einschätzen. Kostenlosen Leitfaden zur Sportstätten-Sanierung anfordern
In Lüdenscheid regnet es bei Niederschlag in die Halle des Zeppelin-Gymnasiums, was den Ligabetrieb der Basketballer gefährdet. An der Lüwo-Arena sorgt zudem ein fehlender Ballfangzaun für Unmut, während das Schul- und Sportamt bauliche Versäumnisse aus dem Jahr 2007 für Abstands- und Sicherheitsprobleme verantwortlich macht.
In Bad Kreuznach votierte der Sportausschuss einstimmig für die Erneuerung der seit Jahren maroden Tartanlaufbahn im Stadion Salinental im Spätsommer 2027 – das einzige Sport-Großprojekt im städtischen Investitionsprogramm bis 2031.
Gekürzte Budgets und Verdrängung der Vereine
Finanzielle Engpässe führen auch dazu, dass geplante Sportbauten gestrichen werden. Der Gemeinderat in Weinsberg verwarf den Neubau einer dritten Sporthalle, da das Land statt erhoffter 3,5 Millionen Euro lediglich 420.000 Euro Zuschuss bewilligte.
Bürgermeisterin Birgit Hannemann begründete den Schritt mit dem Erhalt solider Finanzen; die Grundschule erhält nun lediglich einen Bewegungsraum, während der TSV Weinsberg die Prüfung einer Kalthalle anregte.
Schimmelpilzsporen in Delmenhorst, undichte Dächer in Lüdenscheid, gesperrte Hallen: Wenn die Substanz kippt, fehlt Vereinen und Schulen von einem Tag auf den anderen die Trainingsstätte. Der kostenlose Praxisplan hilft Kommunen und Vereinsvorständen, Ausweichflächen und Übergangszeiten zu organisieren, solange die Sanierung ungeklärt ist. Praxisplan Ersatzflächen jetzt anfordern
In Bad Wörishofen sorgt der angekündigte Abriss der Alten Turnhalle für Konflikte mit dem örtlichen Tanzsportverein über bestehende Nutzungsrechte. In Frankfurt schließt das Bad im Hilton City Center am 12. Oktober, nachdem der Eigentümer auf einer US-Sanktionsliste landete; Oberbürgermeister Mike Josef dämpfte Hoffnungen auf eine städtische Übernahme.
Die angespannte Lage spiegelt sich auch im Haushaltsentwurf der Stadt Bochum für 2027 wider, der ein strukturelles Defizit von über 200 Millionen Euro ausweist und ab 2029 mögliche Schließungen von Sportplätzen sowie Verschiebungen bei Schwimmbadsanierungen vorsieht.
