Schwierige, Beziehungen

Schwierige Beziehungen: Eine Person im Umfeld kann das Altern beschleunigen

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschung verbindet schwierige Kontakte und ungleiche Haushaltsverantwortung mit Stress; klare Zuständigkeiten und Gespräche gelten als mögliche Ansätze.
Ein minimalistisches, leerstehendes Wohnzimmer mit sanftem Lichteinfall, das eine Atmosphäre von emotionaler Distanz vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Zwischenmenschliche Spannungen und eine unausgewogene Aufgabenverteilung im Alltag stellen für viele Menschen eine erhebliche Belastung dar. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Paartherapeuten analysieren zunehmend die Mechanismen, durch die schwierige Beziehungen im persönlichen Umfeld Stress auslösen.

Gleichzeitig rückt die Organisation des häuslichen Zusammenlebens in den Mittelpunkt: Klare Absprachen zur Aufgabenverteilung können maßgeblich dazu beitragen, chronische Überlastungen im Alltag zu reduzieren.

Biologische Folgen belastender sozialer Kontakte

Dass schwierige Kontakte im sozialen Netzwerk direkte körperliche Spuren hinterlassen können, veranschaulicht eine Studie der New York University unter der Leitung von Byungkyu Lee, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde.

Bei der Untersuchung von über 2.300 Erwachsenen zeigte sich, dass eine schwierige Person im engen Umfeld mit einer Beschleunigung des biologischen Alterns um 1,5 Prozent einhergehen könnte, was etwa neun Monaten entspricht.

Fast 30 Prozent der befragten Teilnehmer gaben an, mindestens eine schwierige Person in ihrem Netzwerk zu haben, während 10 Prozent von zwei oder mehr solchen Kontakten berichteten. Einen Zusammenhang zwischen Ehepartnern und einer schnelleren biologischen Alterung stellte die Studie hingegen nicht fest.

Als treibender Faktor gilt chronischer Stress, der über die Steuerung der Genaktivität Prozesse rund um Entzündungen und Alterung beeinflusst. Die Autoren schränken jedoch ein, dass dieser statistische Zusammenhang keine direkte Kausalität belegt.

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Auch außerhalb biologischer Marker warnen Gesundheitsexperten vor den Folgen problematischer Partnerschaften. So weist die Techniker Krankenkasse darauf hin, dass toxische Beziehungen durch extreme Schwankungen zwischen Harmonie und Krisen zermürbend wirken.

Die resultierende dauerhafte Anspannung führt zu erhöhten Stresshormonwerten und kann körperliche Beschwerden wie Magenprobleme sowie psychische Leiden, darunter Depressionen oder Angstzustände, begünstigen.

Mentale Last und die Verteilung von Hausarbeit

Ein zentraler Auslöser für anhaltenden Alltagsstress in Partnerschaften liegt in der Organisation des Haushalts und der sogenannten mentalen Last. Eine Untersuchung der Harvard-Soziologin Allison Daminger aus dem Jahr 2019, basierend auf 70 Tiefeninterviews in 35 Familien, unterteilt die kognitive Arbeit in vier Phasen: Vorausschauen, Optionen prüfen, Entscheiden und Nachverfolgen. Mütter übernahmen der Erhebung zufolge den größeren Teil, insbesondere bei den unsichtbaren, stillen Planungsphasen.

Dass diese ungleiche Last Folgen für Beziehungen hat, untermauern weitere Untersuchungen. In einer Längsschnittstudie des Forschers John Gottman mit 130 frisch verheirateten Paaren über sechs Jahre erlebten rund zwei Drittel der Eltern einen deutlichen Rückgang ihrer Partnerschaftszufriedenheit.

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Eine Erhebung der Forscherinnen Chicciola und Luther aus dem Jahr 2019 unter rund 400 Müttern in den USA ergab zudem, dass neun von zehn Frauen für die Zeitplanung des Haushalts zuständig waren.

Eine solche unverhältnismäßige Verantwortung wirke sich negativ auf die Lebens- und Beziehungszufriedenheit aus. Als Lösungsansatz gilt, nicht bloß einzelne Aufgaben abzutreten, sondern feste, ganze Verantwortungsbereiche zuzuweisen.

Lösungsansätze: Feste Zuständigkeiten und klare Kommunikation

Trotz veränderter Rollenbilder bleibt die praktische Lastenteilung oft asymmetrisch. Eine Studie aus dem Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Social Science Research, basierend auf Daten des American Time Use Survey von 2003 bis 2018, zeigte zwar, dass jüngere Väter aus den Generationen der Babyboomer, der Generation X und der Millennials mehr Zeit auf Hausarbeit verwendeten als ältere Kohorten. Bei Müttern waren jedoch keine generationellen Veränderungen messbar, und die Verteilung von Hausarbeit sowie Kinderbetreuung blieb ungleich.

Experten raten daher zu präzisen Absprachen darüber, wer welche Aufgaben wie oft und auf welchem Qualitätsniveau übernimmt, um wiederkehrende Reibungspunkte zu minimieren.

Zudem sei eine nachhaltige Balance nicht zwingend eine mathematische 50-zu-50-Aufteilung; vielmehr komme es darauf an, Pflichten nach persönlichen Stärken so zu verteilen, dass die Gesamtsituation von beiden Seiten als fair empfunden wird. Solche Vereinbarungen sollten in ruhigen Momenten außerhalb akuter Konfliktsituationen getroffen werden.

Fachleute für Paartherapie betonen zudem die Bedeutung des Kommunikationsverhaltens. Ziehe sich ein Partner bei Auseinandersetzungen schweigend zurück, könne dies eine Reaktion auf emotionale Überforderung sein.

Entscheidend sei, diesen Rückzug als kurze, berechenbare Pause mit einem konkreten Zeitpunkt für die Fortsetzung des Gesprächs zu vereinbaren. Wird Schweigen hingegen gezielt eingesetzt, um das Gegenüber zu bestrafen oder Bedingungen zu erzwingen, handele es sich um psychische Gewalt.

US-Forscher um Kyle Bourassa stellten in einer Langzeitstudie fest, dass das Aufeinandertreffen gegensätzlicher Streitstile – etwa wenn eine Seite den Konflikt austragen möchte, während die andere ausweicht – bei beiden Partnern zu Unzufriedenheit führt, was im Alltag chronischen Stress erzeugt.

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