Schweiz: Bundeskanzlei migiert 3.000 Arbeitsplätze zu openDesk
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 18:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Schweizer Bundeskanzlei hat ein Pilotprojekt mit einem Budget von CHF 9 Mio. genehmigt, um 3.000 Bundesarbeitsplätze – rund 7 Prozent der Belegschaft – bis Ende 2027 auf die Open-Source-Bürosoftware openDesk umzustellen. Das Vorhaben trägt den Namen BOSS und markiert einen deutlichen Ausbau eines zuvor durchgeführten Proof-of-Concept.
Von 172 Testpersonen zu 3.000 Arbeitsplätzen
Vor dem eigentlichen Pilotprogramm hatte die Bundeskanzlei einen Machbarkeitstest mit 172 Mitarbeitenden abgeschlossen. Dieser fiel für die Bereiche E-Mail und Dokumentenbearbeitung positiv aus, zeigte laut den Berichten jedoch Grenzen bei großen Videokonferenzen.
Die Software läuft dabei weiterhin parallel zu Microsoft 365 – von einer vollständigen Abkehr von den Microsoft-Produkten ist derzeit nicht die Rede. Ein Bericht bezeichnet openDesk explizit als komplementäre Lösung beziehungsweise Option für den Notfall.
openDesk stammt vom deutschen Zentrum für digitale Souveränität (ZenDiS) und bündelt unter anderem Nextcloud, Collabora und Open-Xchange. Sollte sich der nun beschlossene Pilot mit den 3.000 Arbeitsplätzen bewähren, ist laut einem Bericht eine Ausweitung auf bis zu 54.000 Stationen im Gespräch. Die endgültige Entscheidung über eine breitere Migration soll bis Ende 2027 fallen.
Digitale Souveränität als Motiv
Als Ziel des Programms nennt die Bundeskanzlei den Schutz besonders sensibler Daten sowie die Stärkung der digitalen Souveränität der Schweiz. Professor Matthias Stürmer von der Berner Fachhochschule warnte in diesem Zusammenhang, dass ausländische Regierungen über den US CLOUD Act grundsätzlich auf in US-Clouds gespeicherte Daten zugreifen könnten.
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Ein weiterer Bericht nennt zudem die Reduzierung der Abhängigkeit von einzelnen Software-Anbietern als Motiv, ohne die konkrete Zielsoftware dabei namentlich zu benennen.
Rechtlich fußt das Vorgehen auf dem 2024 verabschiedeten EMBAG-Gesetz, das für staatliche Software in der Schweiz grundsätzlich Open-Source-Lösungen vorschreibt. Für Sicherheit und Wartung des neuen Systems seien laut einem Bericht zusätzliche Investitionen notwendig.
Weitere Verwaltungsstellen ziehen nach
Auch außerhalb der Bundeskanzlei ist Bewegung in die Schweizer Verwaltungs-IT gekommen: Das Schweizer Militär-Cyberkommando plant, Microsoft 365 bis Oktober 2026 zu ersetzen.
Parallel zu den Open-Source-Bestrebungen der Verwaltung hat Microsoft eigenen Angaben zufolge eine Investition von CHF 325 Mio. in Cloud- und KI-Infrastruktur in der Schweiz angekündigt. Die beiden Entwicklungen – staatlicher Open-Source-Pilot einerseits, Microsoft-Investition andererseits – laufen damit zeitgleich, ohne dass die Quellen einen direkten Zusammenhang zwischen ihnen herstellen.
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Mit dem Beschluss vom 2. September rückt die Schweiz in eine Reihe europäischer Verwaltungen, die ihre Abhängigkeit von großen US-Softwareanbietern zumindest testweise verringern wollen. Ob der Pilot mit den 3.000 Arbeitsplätzen tatsächlich zu einer flächendeckenden Umstellung führt, soll sich laut den vorliegenden Berichten erst bis Ende 2027 entscheiden.
