Schwarz-Gruppe testet Einride-Lkw: Autonome Lidl-Belieferung auf 400 Metern
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen einer aktuellen Pilotphase erprobt die Schwarz-Gruppe den Einsatz autonomer Logistiksysteme zur Belieferung des Lebensmitteleinzelhandels. Ein vollelektrischer und kabinenloser Lkw des schwedischen Technologieunternehmens Einride versorgt dabei eine Lidl-Filiale im hessischen Edermünde bei Kassel.
Autonomer Pendelverkehr auf öffentlicher Straße
Das eingesetzte Fahrzeug ist speziell für kurze Distanzen konzipiert und verfügt über keine Fahrerkabine für menschliches Personal. Die Teststrecke verbindet ein Warenverteilzentrum mit der Filiale und umfasst eine Distanz von 400 Metern. Auf diesem Abschnitt ist eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h zulässig. Für Langstrecken oder Autobahnfahrten ist das aktuelle Modell laut Unternehmensangaben nicht ausgelegt.
Während der laufenden Pilotphase erfolgt das Be- und Entladen des Lkw manuell. Ein Mitarbeiter des Herstellers Einride begleitet den Betrieb vor Ort als sogenannter Local Operator. Zudem besteht die technische Möglichkeit, das Fahrzeug in Ausnahmesituationen per Fernsteuerung zu lenken.
Thomas Dangelmayer von Lidl Deutschland erklärte hierzu, dass die wesentliche technologische Herausforderung weniger in der Kilometerleistung als vielmehr in der Komplexität der Manöver im alltäglichen Filialbetrieb liege. Deutschland wurde für diesen Test bewusst aufgrund der strengen regulatorischen Vorgaben durch den TÜV und das Kraftfahrt-Bundesamt gewählt.
Strategische Bedeutung und Automatisierungsgrad
Serhan Yildirim von Schwarz Logistic Solutions bezeichnete autonome Systeme als einen wesentlichen Baustein, um dem akuten Fachkräftemangel in der Logistikbranche zu begegnen. Die Schwarz-Gruppe präsentierte die Technologie jüngst auch im Rahmen einer Live-Demonstration auf dem Future Day 2026 im Kaufland-Logistikzentrum Geisenfeld.
Das Logistiknetzwerk der Gruppe umfasst derzeit rund 250 Zentren sowie über 14.500 Filialen der Marken Lidl und Kaufland in 33 Ländern. Am Standort Geisenfeld zeigt sich bereits ein hoher Automatisierungsgrad: Dort werden täglich rund 350 Lkw abgefertigt und über 8.000 Paletten bewegt.
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Etwa 80 Prozent des Lebensmittelsortiments sowie 70 Prozent der Depalettierung laufen dort vollautomatisch ab. Parallel dazu forciert der Konzern die Elektrifizierung seiner Flotte; so plant Lidl Niederlande, die Filialbelieferung bis zum Jahr 2027 vollständig auf Elektro-Lkw umzustellen.
Fortschritte bei autonomen Shuttles und Schienenverkehr
Neben der Logistik intensivieren auch Verkehrsunternehmen ihre Bemühungen im Bereich des autonomen Fahrens. Die Deutsche Bahn (DB) und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) planen, ab 2027 kleine autonome Shuttles des Herstellers Holon in Darmstadt und im Kreis Offenbach einzusetzen. Diese barrierefreien Fahrzeuge bieten Platz für bis zu 15 Personen, wobei im Testbetrieb zunächst fünf Sitzplätze und ein Rollstuhlplatz zur Verfügung stehen. RMV-Chef Knut Ringat strebt die Integration solcher Angebote in den regulären öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an.
In Darmstadt ist das Pilotprojekt KIRA bereits in erweiterten Stadtteilen aktiv. Es handelt sich um das bundesweit erste Projekt für autonomes Fahren der Stufe Level 4 im ÖPNV. Seit dem Start der Testphase im Mai wurden über 1.000 Registrierungen verzeichnet; die Fahrzeuge legten seit den Vorbereitungen im Jahr 2024 mehr als 60.000 Kilometer zurück.
Parallel dazu arbeitet ein DB-Konsortium, dem unter anderem Siemens Mobility und Bosch Engineering angehören, an der Standardisierung von Genehmigungsprozessen. Ein weiteres Vorhaben ist das Projekt AutomatedTrain, das die fahrerlose Vorbereitung und Fahrt von S-Bahnen der Baureihe 430 erforscht. Das Bundesverkehrsministerium fördert dieses Projekt mit 42,6 Millionen Euro.
Marktausblick und Kooperationen in der Logistik
Auch die DHL Group verstärkt ihre Aktivitäten im Bereich automatisierter Lösungen. Auf der Fachmesse IAA Transportation 2026 unterzeichnete der Konzern eine Vereinbarung mit dem Unternehmen SuperPanther. SuperPanther präsentierte dort eine Onboard-KI namens Truck Brain sowie neue E-Achsen und plant, bis zum Jahr 2030 rund 16.000 Lkw auszuliefern.
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Laut einer Untersuchung der DB-Tochter ioki haben derzeit knapp 55 Millionen Menschen in ländlichen Regionen Deutschlands keinen ausreichenden Zugang zum öffentlichen Verkehr. Branchenexperten von Roland Berger und dem VDV erwarten daher, dass die Zahl der On-Demand-Shuttles von derzeit rund 380 bis zum Jahr 2030 auf etwa 18.000 Fahrzeuge ansteigen wird.
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