Schwangerschaft: Multivitamine rund um die Empfängnis senken Frühgeburten um 16 Prozent
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 06:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Versorgung mit Mikronährstoffen vor und während einer Schwangerschaft kann die Entwicklung des Kindes maßgeblich beeinflussen. Gleichzeitig greifen viele werdende Mütter zu Präparaten, ohne ihren konkreten Bedarf zu kennen. Fachliche Auswertungen und Befragungen verdeutlichen, dass neben einer fundierten medizinischen Begleitung vor allem verlässliche Informationen und Entlastung für werdende Eltern notwendig sind.
Wissenschaftliche Befunde zur Nährstoffversorgung rund um die Empfängnis
Der Nutzen einer frühzeitigen Zufuhr von Mikronährstoffen ist seit Jahren Gegenstand der Forschung. Eine im Jahr 2011 im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie an 35.897 Frauen mit durchschnittlichem Körpergewicht untersuchte die Gabe von Multivitaminpräparaten in den zwölf Wochen rund um die Empfängnis.
Bei Frauen mit normalem Gewicht senkte die Einnahme das Frühgeburtsrisiko um 16 Prozent sowie das Risiko für ein Neugeborenes mit zu geringem Geburtsgewicht um 17 Prozent.
Dass nicht nur die Mutter, sondern beide Elternteile eine Rolle spielen, hebt eine Untersuchung der Fudan-Universität hervor. Anhand von mehr als 3.000 Paaren, deren Blutwerte innerhalb von vier Monaten vor der Empfängnis ermittelt wurden, sowie 17.765 Frauen mit Blutuntersuchungen bis zum vierten Schwangerschaftsmonat zeigte sich ein Zusammenhang zwischen den Vitamin-B12-Werten und Fehlbildungsrisiken.
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Höhere B12-Werte beider Partner vor der Zeugung gingen mit einem geringeren Risiko für Fehlbildungen einher. Bei Müttern reduzierte sich die berechnete Häufigkeit beim Vergleich der niedrigsten mit den höchsten Werten von 49,7 auf 16,2 Fälle je 1.000 Schwangerschaften. Bei Vätern sank das Risiko zunächst mit steigenden Werten ab und stabilisierte sich auf höherem Niveau.
Informationslücken und finanzielle Belastungen bei Nahrungsergänzungsmitteln
In der Praxis führt die Debatte um Nährstoffe bei vielen Schwangeren jedoch zu Unsicherheiten. Eine im Mai 2026 von Marketagent im Auftrag von BIPA durchgeführte Erhebung unter 1.579 Personen im Alter von 16 bis 75 Jahren legte offene Wissenslücken offen: Demnach nahmen 45 Prozent der befragten Frauen, die aktuell oder in den vergangenen fünf Jahren schwanger waren, entsprechende Nahrungsergänzungsmittel ein, ohne ihren genauen Bedarf zu kennen. Zugleich empfanden 47 Prozent die damit verbundenen Kosten als finanzielle Belastung.
Zwar gaben 73 Prozent der Befragten an, sich grundsätzlich gut informiert zu fühlen, doch stießen sie wiederholt auf widersprüchliche Angaben. Insgesamt wünschten sich 57 Prozent der Eltern verlässlichere Informationen zur Schwangerschaft und Nährstoffversorgung.
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Gesellschaftlicher Druck und Tabus belasten Eltern
Die Befragung beleuchtete überdies den emotionalen Kontext werdender Eltern. Rund 76 Prozent der Teilnehmenden sahen Mütter durch unrealistische Schwangerschafts- und Körperbilder unter Druck gesetzt, während 82 Prozent ungefragte Ratschläge aus dem Umfeld wahrnahmen.
Diese Erwartungshaltungen erschweren einen offenen Umgang mit Problemen: Sechs von zehn Müttern (60 Prozent) und mehr als die Hälfte der Väter (51 Prozent) sprechen nicht offen über Erschöpfung und Überforderung. Spezifische Herausforderungen wie Wochenbettdepressionen oder Zweifel an der Mutterrolle stellen für jeweils 39 Prozent der Frauen ein Tabuthema dar.
Zudem empfinden 43 Prozent das veränderte Körperbild und 45 Prozent das Thema Sexualität während der Schwangerschaft als tabuisiert. Dass psychische Belastungen generell zu selten thematisiert werden, meinten 78 Prozent der Befragten. Eine verpflichtende Unterstützung durch Arbeitgeber befürworteten 86 Prozent der Befragten in Österreich.
