Schulterbeweglichkeit, Bewegungsmangel

Schulterbeweglichkeit ab 65: Bewegungsmangel schränkt die Unabhängigkeit ein

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bewegungsmangel kann die Schulterfunktion beeinträchtigen; Übungen und digitale Therapie bieten strukturierte Ansätze zur Mobilisierung.
Ein heller, minimalistischer Physiotherapieraum mit einer leeren Gymnastikmatte und einer Sprossenwand im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die Schulter gilt unter Fachleuten als die am wenigsten trainierte und zugleich am stärksten die persönliche Unabhängigkeit einschränkende Gelenkstruktur bei Menschen ab 65 Jahren.

Berichten zufolge sei nicht das biologische Alter die primäre Ursache für zunehmende Schultersteifheit, sondern ein Mangel an Bewegung. Dies verdeutlichen Angaben von Banner Health, wonach fehlende Aktivität die Beschwerden maßgeblich auslöst. Experten des Hospital Ribera IMSKE heben zudem hervor, dass Inaktivität die Steifheit beschleunige und das Entstehen von Arthrose begünstige.

Bewegungsmangel als Hauptursache für Funktionseinbußen

Mit zunehmendem Lebensalter verändern sich die Gewebestrukturen. Fachleute weisen darauf hin, dass Gelenke durch den natürlichen Abbau von Muskelmasse und Kollagen steifer werden. Da die Schulter das beweglichste und komplexeste, zugleich jedoch auch das instabilste Gelenk des menschlichen Körpers ist, kommt regelmäßiger Beanspruchung eine Schlüsselrolle zu.

Die Beweglichkeit erfordert ein präzises Zusammenspiel von Schultergelenk, Schulterblatt und Brustkorb samt Rippen. Durch längere Schreibtischarbeit oder häufige Smartphone-Nutzung kann der Brustkorb infolge einer Rundrückenhaltung unbeweglich werden.

Zu den vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen zählen Übungen im Liegen, bei denen die Rippen atemgeführt geweitet werden, sowie Bewegungen in Seitlage mit um 90 Grad angewinkeltem Ellbogen, um die tiefe Schultermuskulatur zu kräftigen. Bei plötzlichem Verlust der Armhebung oder starken Schmerzen wird jedoch eine umgehende ärztliche Abklärung angeraten.

Schmerzen in dieser Altersgruppe rühren oft von strukturellen Schäden her. Wie aus medizinischen Fachkreisen verlautet, sind Beschwerden ab 65 Jahren häufig durch einen Rotatorenmanschettenriss bedingt, welcher ohne Behandlung weiter fortschreiten kann.

Zur Entlastung wird beispielsweise die Durchführung leichter Rotationsbewegungen im warmen Wasser der Badewanne vorgeschlagen, bei denen der Unterarm bei rechtwinkligem Ellbogen für eine Minute pro Seite gegen den Wasserwiderstand bewegt wird.

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Gezielte Trainingsansätze für den Alltag

Zur Prävention und Stabilisierung existieren verschiedene Übungskonzepte. Banner Health rät zu zehn bis zwölf langsamen Armkreisen pro Arm. Ergänzend werden Übungen wie Marschieren auf der Stelle mit 10 bis 15 Wiederholungen pro Bein, die Rumpfbeuge aus der Hüfte mit 8 bis 12 Wiederholungen sowie Zehenklopfen und ein 20-sekündiges Zusammendrücken eines Handtuchs empfohlen. Für Personen ab 65 Jahren gilt die Empfehlung, vor dem Start ärztlichen Rat einzuholen und zunächst mit ein bis zwei Übungen pro Tag zu beginnen.

Weitere physiotherapeutische Ansätze setzen auf kontrollierte Gelenkrotationen mit fünf bis acht täglichen Wiederholungen, um den Bewegungsradius ohne Zwang beizubehalten. Diese Methoden ersetzen keine individuelle Diagnostik bei bestehenden Beschwerden.

Zudem existieren spezielle Sequenzen für Personen ab 75 Jahren, die unter Einsatz eines Stabs und eines elastischen Bands ausgeführt werden. Ziel dieser morgendlichen Einheiten mit fünf bis acht Wiederholungen pro Bewegung ist es, die Gelenkflüssigkeit anzuregen, Fehlhaltungen mit nach vorne gezogenen Schultern auszugleichen und Nacken- sowie Brustwirbelsäulenbeschwerden zu lindern.

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Digitale Therapie und neurologische Besonderheiten

Für eine strukturierte Unterstützung steht im Rahmen der medizinischen Versorgung auch die Anwendung „Companion Shoulder“ zur Verfügung, die von PrehApp gemeinsam mit medi entwickelt wurde.

Die auf 90 Tage ausgelegte App bietet tägliche Einheiten von 15 bis 30 Minuten mit Übungen zur Mobilisation, Kräftigung und Koordination. Nach ärztlicher Verordnung übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten, während Ärztinnen, Ärzte und Versicherer keinen Zugriff auf die persönlichen Nutzungsdaten erhalten.

Besondere Vorsicht ist bei neurologischen Vorerkrankungen geboten. Nach einem Schlaganfall liegt die Inzidenz von Schulterschmerzen bei 10 bis 22 Prozent, während die Prävalenz 22 bis 47 Prozent erreicht. Die Leitlinien der Canadian Stroke Best Practices bewerten diesen Schmerz als multifaktoriell.

Passive Hebebewegungen über 90 Grad ohne Skapula-Aufwärtsrotation und Außenrotation des Oberarmknochens sowie Kopfzuggeräte werden nicht empfohlen. Bei Subluxationen dürfen Angehörige keine eigenständigen Repositionen durchführen; ist der Arm am Unterarm zu stützen.

Schienen bieten laut Untersuchungen an 186 Betroffenen zwar temporäre Schmerzlinderung während der Nutzung, halten die Gelenkposition nach dem Ablegen jedoch nicht dauerhaft aufrecht.

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