Schulstress: Sechs Kinder pro Klasse mit psychischen Störungen
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 04:50 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Studie aus Österreich zeigt: 52 Prozent der Pädagogen fühlen sich selbst stark belastet. An Sonderschulen liegt der Wert sogar bei 75 Prozent.
Die Untersuchung der Universität Linz und des Österreichischen Bundesverlags (öbv) befragte über 2.000 Lehrkräfte. Jede zweite Lehrkraft schätzt, dass mindestens 40 Prozent der Schüler unter psychischen Belastungen leiden.
Sechs Kinder pro Klasse betroffen
Medizinische Daten untermauern diese Einschätzung. Laut Erhebungen des BKK-Dachverbandes weisen statistisch gesehen sechs Kinder pro Schulklasse psychische Störungen auf.
International zeigt sich ein ähnliches Bild. Bei den High School-Abschlussprüfungen in Vietnam berichten Mediziner von Depressionsraten zwischen 13 und 30 Prozent unter Schülern. Angstzustände, Schlaflosigkeit und Motivationsverlust treten besonders in Phasen hoher Erwartungshaltungen auf.
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Social Media als größter Belastungsfaktor
80 Prozent der befragten Lehrkräfte sehen die Nutzung von Social Media als größten Belastungsfaktor. Der Aktionsrat Bildung, ein Gremium aus neun Bildungsforschern, fordert daher einen Ausschluss von Social Media in Grundschulen.
An weiterführenden Schulen solle systematisch „mediale Integrität“ vermittelt werden. Die Experten verlangen zudem gesetzliche Maßnahmen: strikte Altersverifikation, Nutzungszeit-Limits und ein Schutz vor manipulativen Design-Elementen, sogenannten „dark patterns“.
Verbände fordern spätere Ferien
Der Deutsche Philologenverband (DPhV) drängt auf eine bundesweite Neuregelung der Sommerferien. Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing kritisiert, dass zu frühe Ferienstarts – teils bereits Mitte Juni – die Zeitfenster für Prüfungen und Korrekturen massiv verkürzen. Das erhöhe den Stress für Abiturienten und Lehrkräfte.
Gefordert wird ein Ferienbeginn, der in keinem Bundesland vor dem ersten Juli-Wochenende liegt.
10.000 neue Schulgesundheitskräfte gefordert
Ein Bündnis aus Krankenkassen, Eltern- und Schülervertretern sowie dem Deutschen Pflegerat plädiert für die Schaffung von 10.000 Stellen für Schulgesundheitsfachkräfte. Diese sollen die medizinisch-pflegerische Versorgung sicherstellen und präventiv zur Gesundheitsförderung beitragen. Zur Finanzierung schlagen die Initiatoren eine Zuckersteuer vor.
Hessen baut Beratungsangebote aus
Das hessische Bildungsministerium stellte Mitte Mai eine Kooperation mit der Initiative „Nummer gegen Kummer“ vor. Neben einer verstärkten Sichtbarkeit anonymer Beratungsangebote wurde die Schulpsychologie im Land auf 155 Stellen ausgebaut. In Prüfungsphasen gibt es zudem spezifische Videosprechstunden.
Warnung vor Überförderung
Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm von der Universität Fribourg warnt vor einer zunehmenden Überförderung. Diese könne zu einem „Burn-out“ bei Kindern führen. Häufig projizierten Eltern eigene Ambitionen auf ihre Kinder, was den Leistungsdruck verstärke.
Fachleute raten dazu, den Fokus weg vom reinen Ergebnis hin zur Anerkennung der individuellen Anstrengung zu verschieben. Effektives Zeitmanagement und frühzeitige Vorbereitung gelten als wesentliche Faktoren, um Prüfungsangst kontrollierbar zu halten.
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