Schulstress, Erschöpfungsrate

Schulstress bei Kindern: Erschöpfungsrate klettert auf 69 Prozent

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen wachsende Erschöpfung bei Eltern und Kindern. Fehlende Betreuung, Schulstress und psychische Warnzeichen erhöhen den Unterstützungsbedarf.

Elterlicher Burnout: Familien leiden unter Betreuung und Schulstress
Ein leerer, ruhiger Schulflur mit Garderobenhaken und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte thematisieren eine zunehmende emotionale Erschöpfung bei Eltern, die durch die täglichen Anforderungen der Kindererziehung hervorgerufen wird. Dieses als elterlicher Burnout bekannte Phänomen beschreibt eine tiefgreifende Erschöpfung, die weitreichende Folgen für das familiäre Zusammenleben und die schulische Entwicklung der Kinder haben kann. Experten und Verbände beobachten dabei eine wachsende Diskrepanz zwischen elterlichen Ansprüchen und der Erfüllung grundlegender Pflichten.

Vernachlässigung von Grundpflichten und steigende Erwartungen

In Bayern sind Eltern gesetzlich zur Zusammenarbeit mit den Schulen verpflichtet. Dennoch zeigt eine Einschätzung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) zum Schuljahresstart 2026/27, dass grundlegende Elternpflichten zunehmend vernachlässigt werden. Dazu zählen laut dem Verband Aspekte wie die Bereitstellung von Frühstück, Brotzeit oder ausreichendem Sonnenschutz für die Kinder.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann beklagte in diesem Zusammenhang eine höhere Anspruchshaltung der Eltern gegenüber den Bildungseinrichtungen, während gleichzeitig essenzielle Aufgaben im Elternhaus zu kurz kämen. BLLV-Vizepräsidentin Andrea Zran wies zudem darauf hin, dass Elternbriefe kaum noch gelesen und wichtige Lernentwicklungsgespräche häufig versäumt würden.

Ein Schulleiter betonte hingegen, dass eine Elternarbeit auf Augenhöhe entscheidend sei. Er forderte den verstärkten Einsatz multiprofessioneller Teams, da nur bei etwa einer von 100 Familien faktisch kein Zugang für eine Kooperation bestehe.

Systemische Belastungen und strukturelle Defizite

Auch in Österreich wird die Belastung von Familien intensiv diskutiert. Die Familiensprecherin der Grünen, Neßler, forderte im September 2026 einen Ausbau der Sommerbetreuung, um Eltern wirksam zu entlasten. Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung des Bildungsressorts wurden rund 68 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Ausbau und die Sprachförderung nicht abgerufen.

Die Kindertagesheimstatistik für den Zeitraum 2024/25 verdeutlicht die regionalen Unterschiede bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: In Tirol ist die Jahresöffnung der Einrichtungen für 70 % der Eltern mit einer Vollzeitarbeit vereinbar, in Salzburg liegt dieser Wert bei rund 60 % und in Kärnten bei 58 %.

WKO-Präsidentin Martha Schultz sprach sich zudem für eine Verkürzung der Sommerferien von neun auf sechs Wochen aus, um den Betreuungsdruck zu mindern.

Anzeige

Wer sich durch die täglichen Anforderungen im Familien- und Berufsleben zunehmend erschöpft fühlt, findet in diesem Ratgeber praktische Ansätze zur Entlastung. Dieser kostenlose Download bietet 5 Sofortmaßnahmen für mehr Ausgeglichenheit im stressigen Alltag. Work-Life-Balance E-Book kostenlos herunterladen

Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Kinder

Die elterliche Belastung spiegelt sich oft im Wohlbefinden der Kinder wider. Laut dem DAK-Präventionsradar für das Schuljahr 2025/2026, für den rund 30.000 Kinder und Jugendliche in 15 Bundesländern befragt wurden, fühlt sich fast die Hälfte der Schüler der Klassen 5 bis 10 mindestens einmal pro Woche erschöpft.

Das Wohlbefinden ist bei 49 % der Befragten vermindert, und lediglich 57 % blicken positiv in die Zukunft. Demnach stiegen die Schlafprobleme von 36 % im Zeitraum 2019/2020 auf aktuell 46 % an, während die Erschöpfungsrate von 52 % auf 69 % kletterte.

Zusätzlich zeigt die Sinus-Jugendstudie aus Bayern, für die im Oktober und November 2025 bundesweit 2000 Jugendliche befragt wurden, dass sich 33 % der 14- bis 17-Jährigen durch Schulstress stark beeinträchtigt fühlen. Stress in der Familie wurde von 16 % der Jugendlichen als Belastungsfaktor genannt.

Ein Schulpsychologe warnte in diesem Kontext vor einem Teufelskreis aus Stress, Angst und Depressionen. Der Präsident der Kinder- und Jugendärzte, Hubmann, sieht zudem in übermäßiger Mediennutzung eine mögliche Ursache für diese Entwicklung.

Anzeige

Beruflicher Erfolg und persönliches Glück müssen kein Widerspruch sein, wenn man die richtigen Strategien gegen tägliche Zeitdiebe kennt. Ein kostenloser Leitfaden zeigt konkret, wie Sie wieder mehr Zeit für sich und Ihre Familie gewinnen können. Strategien für mehr Zeit und Ausgeglichenheit entdecken

Warnsignale und Unterstützungsangebote

Ein Facharzt für Psychosomatik erläuterte typische Warnzeichen einer Depression, die oft schleichend beginne. Dazu gehörten Schlafprobleme, Gereiztheit, Müdigkeit sowie körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen. Wenn solche Symptome über mindestens zwei Wochen anhalten, sollte eine ärztliche Einordnung erfolgen. Erste Anlaufstellen seien Hausarzt- oder psychotherapeutische Praxen, wobei keine Überweisung erforderlich ist.

Für Familien in besonders herausfordernden Situationen, wie im Fall der Familie Lange-Geise, deren Tochter das seltene Ogden-Syndrom hat und rund um die Uhr Aufsicht benötigt, bleibt die Suche nach geeigneten stationären Plätzen trotz vorliegender Genehmigungen oft schwierig.

Währenddessen versuchen Kommunen wie die Stadt Voerde, durch neue Gebührenstaffelungen bei Kita-Beiträgen und höhere Freigrenzen zumindest finanzielle Entlastungen für einkommensschwächere Familien zu schaffen. In Tirol wurde zudem mit der Plattform „Frida“ ein System zur Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen etabliert, das ab dem zweiten Lebensjahr ein Recht auf Vermittlung unterstützt.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70097400 |