Schulstress: 46% der Lehrer leiden unter Schülerverhalten
23.06.2026 - 09:33:56 | boerse-global.de
Das zeigt das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung vom Juni 2026.
Knapp jeder zweite Lehrer (46 Prozent) nennt das Schülerverhalten als größte Belastung im Berufsalltag. Der Wert steigt seit Jahren: 2024 waren es 35 Prozent, 2025 dann 42 Prozent.
Auch die wachsende Heterogenität in den Klassen (34 Prozent) sowie Zeitmangel und hohe Arbeitsbelastung (27 Prozent) machen den Pädagogen zu schaffen.
Trotz allem sind 83 Prozent der Lehrkräfte grundsätzlich zufrieden mit ihrem Beruf. Doch 28 Prozent denken darüber nach, ihn aufzugeben. Die Forsa-Umfrage befragte zwischen November und Dezember 2025 insgesamt 1.547 Lehrer.
Gewalt an Schulen wird zum großen Problem
Das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer, ebenfalls im Juni 2026 veröffentlicht, zeigt die Lage in der Hauptstadt. 56 Prozent der befragten Pädagogen sehen Gewalt als großes oder sehr großes Problem.
Die Allensbach-Studie befragte rund 14.000 Schüler und 2.500 Lehrkräfte. In den neunten Klassen berichten 63 Prozent der Jugendlichen von Beleidigungen. Jeder vierte Schüler wurde bereits Opfer körperlicher Gewalt wie Tritten oder Schlägen.
80 Prozent der Lehrkräfte beobachten eine sinkende Frustrationstoleranz bei den Schülern. Berlins Bildungssenatorin Günther-Wünsch nannte die Entwicklung besonders an Grundschulen „besorgniserregend“.
Psychischer Druck und Mobbing bei Schülern
Auch die Schüler selbst stehen massiv unter Druck. 25 Prozent von ihnen gelten als psychisch auffällig – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr (21 Prozent). Etwa ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen erlebt regelmäßig Mobbing.
61 Prozent der Schüler empfinden den Leistungsdruck als hoch. Fast die Hälfte lernt auch am Wochenende. Gleichzeitig wünschen sich 75 Prozent mehr Mitbestimmung im Schulalltag.
Die Studie zeigt: Das schulische Wohlbefinden hängt zu 60 Prozent von Unterstützung, angemessenen Anforderungen und einem positiven Klassenklima ab.
KI-Nutzung an Schulen verdoppelt sich
Der digitale Wandel beschleunigt sich rasant. Die Nutzung Künstlicher Intelligenz hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Nutzten 2025 nur 11 Prozent der Lehrkräfte KI mehrmals wöchentlich, sind es heute 25 Prozent.
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Gleichzeitig fühlen sich 18 Prozent der Lehrer durch das Neutralitätsgebot im Unterricht gehemmt. 27 Prozent trauen sich nicht, ihre politische Meinung offen zu äußern. Fast die Hälfte wünscht sich mehr Maßnahmen zur Demokratiebildung.
Verbände fordern mehr Personal und Geld
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zieht Konsequenzen aus den Zahlen. Anja Bensinger-Stolze von der GEW betont, die Zunahme von Gewaltdelikten spiegele einen gesellschaftlichen Trend wider.
Sie kritisiert den Lehrkräftemangel und die zu geringe Zahl an Schulsozialarbeitern. Die GEW fordert einen massiven Ausbau multiprofessioneller Teams mit Sozialarbeitern und Schulpsychologen. Auch das Startchancenprogramm müsse besser finanziert werden.
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Positiv wertet die GEW den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen ab August 2026. 82 Prozent der Lehrkräfte wünschen sich zudem Fortbildungen zu überfachlichen Kompetenzen.
