Schulleistung: PISA-Studie belegt historische Tiefstände in Deutschland
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 12:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die am 8. September 2026 von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichte PISA-Studie 2025 zeichnet ein besorgniserregendes Bild des deutschen Bildungssystems. Mit einem Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften wurden weltweit 765.000 Schüler aus 91 Ländern getestet, was eine repräsentative Datenbasis für rund 33 Millionen 15-Jährige darstellt.
Für Deutschland nahmen im April und Mai 2025 insgesamt 6.659 Jugendliche an 250 Schulen an den zweistündigen Tests teil. Die Ergebnisse verdeutlichen eine Fortsetzung des negativen Trends der vergangenen Jahre.
Historische Tiefstände in den Kernkompetenzen
Die aktuellen Daten belegen für Deutschland historische Tiefststände in allen drei untersuchten Kernbereichen. In den Naturwissenschaften erreichte die deutsche Schülerschaft 486 Punkte, was einen Rückgang im Vergleich zum Jahr 2022 (492 Punkte) bedeutet. Damit liegt Deutschland in diesem Bereich erstmals seit 2006 nicht mehr über dem OECD-Durchschnitt.
Ähnlich kritisch stellt sich die Situation in der Lesekompetenz mit 465 Punkten (2022: 480 Punkte) und in der Mathematik mit 464 Punkten (2022: 475 Punkte) dar.
Im internationalen Vergleich belegt Deutschland in der Mathematik lediglich den 26. Platz. Besonders alarmierend ist der Anteil der leistungsschwachen Schüler: Rund ein Viertel der 15-Jährigen in Deutschland erreicht in den Naturwissenschaften nicht das Basisniveau.
In der Mathematik und im Lesen ist es sogar jeweils ein Drittel der Jugendlichen. Konkret bedeutet dies, dass 29 Prozent der deutschen Schüler Schwierigkeiten haben, einfache Texte zu verstehen oder grundlegende Berechnungen im Umgang mit Preisen durchzuführen.
Soziale Selektivität und strukturelle Unterschiede
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die ausgeprägte Korrelation zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg. Der Abstand zwischen dem stärksten und dem schwächsten Viertel der Schülerschaft beträgt in Deutschland 125 PISA-Punkte, während der OECD-Durchschnitt bei 85 Punkten liegt. Diese Differenz ist so groß wie nie zuvor seit dem Jahr 2000.
Die PISA-Studie 2026 zeigt: Deutschlands Schüler erreichen historische Tiefstände – besonders beim Lesen. Ein Drittel der 15-Jährigen scheitert an einfachen Texten. Doch Eltern können gegensteuern: Dieser Ratgeber zeigt in 3 Schritten, wie Sie die Lesekompetenz Ihres Kindes fördern und Ablenkung durch digitale Geräte reduzieren. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern
Die Leistungsunterschiede zeigen sich auch deutlich in der Schulform: Während Gymnasien in den Naturwissenschaften einen Wert von 574 Punkten erzielten, kamen nicht-gymnasiale Schulformen lediglich auf 446 Punkte.
Verstärkt wird diese Problematik durch massive personelle Engpässe. Laut der Studie besuchen 52 Prozent der deutschen Schüler Schulen, die unter Lehrermangel leiden; 58 Prozent sind von einem Mangel an unterstützendem Personal betroffen.
Einfluss der Digitalisierung und künstlicher Intelligenz
Die Studie beleuchtet zudem die Rolle digitaler Medien im Schulalltag. Deutsche Schüler nutzen digitale Geräte täglich durchschnittlich 1,7 Stunden für schulische Zwecke und 0,8 Stunden für Freizeitaktivitäten während der Schulzeit. Dabei berichten 33 Prozent der Jugendlichen von Ablenkungen durch digitale Endgeräte im Unterricht, was über dem OECD-Schnitt von 28 Prozent liegt.
Ein wachsender Faktor ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Während OECD-weit 46 Prozent der 15-Jährigen wöchentlich KI-Chatbots nutzen, liegt dieser Anteil in Deutschland mit 50 Prozent sogar leicht darüber. Experten weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass soziale Medien die Schulleistungen negativ beeinflussen können und Reformen im Bildungssystem oft zu spät eingeleitet worden seien.
Methodische Einordnung und Lösungsansätze
Fachleute ordnen die PISA-Ergebnisse als wichtige Diagnoseinstrumente ein, die jedoch keine unmittelbare Ursachenanalyse liefern. Eine Professorin der LMU betonte, dass die Studie nicht als bloße Rangliste missverstanden werden dürfe. Zur Bewältigung der festgestellten Defizite empfehlen Bildungsökonomen und Autoren verschiedene Maßnahmen:
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- Frühkindliche Förderung: Ein Fokus auf die ersten Bildungsjahre wird als essenziell erachtet.
- Stärkung der Lesekompetenz: Vorgeschlagen werden tägliche Lesezeiten, die sich von der Kita bis zur Hochschule erstrecken sollten.
- Unterstützung von Brennpunktschulen: Eine gezielte finanzielle Förderung von Schulen in sozial schwierigen Lagen sowie eine datenbasierte Unterrichtsentwicklung werden angeraten.
- Strukturelle Anpassungen: Ein Bildungsautor empfiehlt längeres gemeinsames Lernen und eine verstärkte Teamarbeit innerhalb der Lehrerkollegien.
Während die aktuellen Ergebnisse die mathematischen und naturwissenschaftlichen Defizite sowie die Lesekrise unterstreichen, werden detaillierte Daten zu den Leistungen im Fach Englisch für Deutschland erst im Jahr 2027 erwartet.
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