Schulgesundheit, Bündnis

Schulgesundheit: Bündnis fordert 10.000 neue Fachkräfte bundesweit

02.06.2026 - 23:23:10 | boerse-global.de

Studie zeigt drastischen Anstieg psychischer Erkrankungen. Lehrer und Pflegekräfte besonders belastet, neue Initiativen gefordert.

Schulgesundheit: Bündnis fordert 10.000 neue Fachkräfte bundesweit - Bild: über boerse-global.de
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Laut einer Analyse der Global Burden of Disease Study in The Lancet lebten 2023 rund 1,17 Milliarden Menschen mit einer solchen Diagnose. Das sind 14,2 Prozent der Weltbevölkerung – ein Anstieg von 95,5 Prozent seit 1990. Besonders betroffen: Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren.

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Jeder zweite Lehrer fühlt sich belastet

Der Druck im Bildungssystem ist enorm. Eine Umfrage der JKU Linz und des ÖBV unter über 2.000 Lehrkräften in Österreich zeigt: Jeder zweite fühlt sich psychisch belastet. An Sonderschulen liegt der wert bei über 75 Prozent, an Berufsschulen bei immerhin 32 Prozent. Drei Viertel der Befragten berichten von zunehmender Erschöpfung. Als Hauptbelastungsfaktor für Schüler nennen 80 Prozent der Lehrer die Nutzung sozialer Medien.

Auch in der Pflege wächst der Druck. Experten setzen auf Konzepte wie Neurobalance und das Rahmenwerk Positive Health, um die Resilienz der Fachkräfte zu stärken. In der Schweiz prüft der Stadtrat von Luzern die Gründung einer Stiftung für psychische Gesundheit – rund 37 Prozent der Jugendlichen dort und in Liechtenstein berichten von psychischen Problemen.

Bündnis fordert 10.000 Schulgesundheitsfachkräfte

Ein breites Bündnis aus BKK-Dachverband, Deutschem Pflegerat sowie Eltern- und Schülervertretungen fordert die bundesweite Einführung von bis zu 10.000 Schulgesundheitsfachkräften. Der Hintergrund: Statistisch gesehen haben in einer Klasse mit 25 Schülern mindestens sechs Kinder eine psychische Störung. Finanzieren wollen die Verbände das unter anderem mit einer Zuckersteuer.

Lokale Projekte zeigen, wie Prävention funktionieren kann. Im Bochumer Stadtteil Wattenscheid stärkt das Projekt „Urban Mental Health“ Kinder gezielt. Die Kosten: rund 250.000 Euro pro Jahr. US-Studien zufolge bringt jeder investierte Dollar in psychische Gesundheit eine Rendite von sieben bis zwölf Dollar.

Psychotherapeuten protestieren gegen Honorarkürzungen

Während der Bedarf steigt, verschärfen sich die Konflikte im Versorgungssystem. Am 30. Mai demonstrierten in Göttingen hunderte Psychotherapeuten und Studierende gegen geplante Honorarkürzungen von 4,5 Prozent. Die Berufsverbände warnen vor Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent durch das GKV-Stabilisierungsgesetz. Ein zentraler Kritikpunkt: die fehlende gesetzliche Finanzierung der Weiterbildung für angehende Psychotherapeuten.

Diese Themen stehen auch auf der Agenda des 5. Deutschen Psychotherapie Kongresses, der am 9. Juni in Berlin startet. Unter dem Titel „Psychische Gesundheit im Epochenbruch“ diskutieren Wissenschaft, Praxis und Politik über die Sicherung der Versorgung trotz Sparmaßnahmen. Für den 8. Juni ist eine Protestaktion vor dem Petitionsausschuss des Bundestags angekündigt.

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Neue Initiativen gegen Stigmatisierung

Parallel zu den politischen Debatten entstehen neue Versorgungsformate. In Leifers (Südtirol) eröffnet im Juni ein Gemeinschaftshaus, das Gesundheits- und Sozialdienste bündelt – der Zugang zu Fachambulanzen und psychologischer Beratung wird so einfacher.

Auch zivilgesellschaftliche Aktionen tragen zur Entstigmatisierung bei. Ende Mai nahmen hunderte Motorradfahrer am vierten „Fellows Ride“ in Graz teil. Die Veranstaltung sammelte Spenden für lokale Hilfsvereine. Medizinische Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie weisen zudem auf die Wechselwirkung zwischen Psyche und Physis hin: Depressionen gelten inzwischen als relevanter Risikofaktor für Herzerkrankungen.

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