Schule ohne Handy ab Juni: St Martin's sperrt Smartphones weg
31.05.2026 - 18:51:55 | boerse-global.deImmer mehr Länder ziehen die Zügel an: Kinder und Jugendliche sollen weniger Zeit mit digitalen Geräten verbringen. Deutschland, Großbritannien und Singapur haben am Wochenende neue Maßnahmen vorgestellt. Was steckt dahinter?
Die Sorge um die Auswirkungen von Social Media und Smartphones auf Kinder hat eine neue Dimension erreicht. An diesem Wochenende präsentierten gleich mehrere Regierungen weitreichende Vorschläge und Initiativen. In Deutschland fordert Bundesfamilienministerin Karin Prien ein grundlegendes Umdenken in der digitalen Erziehung.
Deutschland: Komplettverbot für Kleinkinder gefordert
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Bereits am Samstag hatte Prien klare Worte gefunden: Kinder unter drei Jahren sollten keinerlei Kontakt mit digitalen Endgeräten haben. Die Ministerin schloss nicht aus, dass dafür gesetzliche Regelungen nötig sein könnten – vergleichbar mit dem Gesetz zur gewaltfreien Erziehung. Zudem sprach sie sich für verpflichtende Entwicklungs- und Sprachtests um den vierten Geburtstag aus.
Noch einen Schritt weiter ging am Sonntag der Aktionsrat Bildung, ein unabhängiges Beratergremium. Die Experten fordern ein Social-Media-Verbot an Grundschulen. Der Grund: Die Nutzung von Smartphones unter jungen Kindern steigt rasant. „Mediale Integrität" müsse als zentrales Bildungsziel verankert werden, so der Rat.
Großbritannien: Eltern machen Druck
Auch in Großbritannien nimmt die Bewegung Fahrt auf. Technologieministerin Liz Kendall berichtete am Samstag, dass neun von zehn Eltern eine Social-Media-Sperre für unter 16-Jährige nach australischem Vorbild befürworten. Eine Regierungskonsultation endete mit über 80.000 Rückmeldungen. Premierminister Keir Starmer hat angekündigt, innerhalb weniger Wochen zu handeln.
Der Druck kommt nicht von ungefähr: Die Bewegung Smartphone Free Childhood sammelte über 110.000 Unterschriften von Eltern, die das Mindestalter für soziale Medien auf 16 Jahre anheben wollen.
Die Folgen für den Schulalltag
Die politischen Vorstöße stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath, dessen Buch über die Schäden von Bildungstechnologie im August 2026 neu aufgelegt wird, sagte bereits vor dem US-Senat aus. Seine These: Schulgeräte tragen zu sinkenden Testergebnissen bei.
Die USA machen es vor: 41 Bundesstaaten haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Handynutzung in Schulen einzuschränken. Daten aus dem Jahr 2026 zeigen, dass 98 Prozent aller amerikanischen Schüler inzwischen mit Einschränkungen leben müssen. Eine Schule in North Hollywood berichtet von einem Rückgang von Cybermobbing und körperlichen Auseinandersetzungen um 90 Prozent seit Einführung eines Verbots.
In Großbritannien geht die St Martin's School in Brentwood noch einen Schritt weiter. Ab dem 1. Juni 2026 müssen Schüler ihre Smartphones und Smartwatches in magnetisch verschlossene Taschen stecken. 95 Prozent der Eltern haben die Taschen bereits gekauft – zum Preis von umgerechnet rund 14 Euro pro Stück. Ein Testlauf an der Ecclesfield School in Sheffield im Mai zeigte positive Effekte: Schüler, die auf einfache „Dumbphones" umstiegen, schliefen besser und verbrachten mehr Zeit im Freien.
Singapur setzt auf Prävention
Singapurs Premierminister Lawrence Wong startete am Sonntag die Initiative „Screen Smart From The Start". Sie soll Familien einen Leitfaden für gesunde digitale Gewohnheiten bieten. Ein Online-Portal stellt Ressourcen für verschiedene Altersgruppen bereit.
Der Bedarf ist groß: Eine Umfrage aus dem September 2025 ergab, dass sich nur 37 Prozent der Eltern sicher fühlen, ihre Kinder im digitalen Bereich zu begleiten.
Australien als Testfall – mit gemischten Ergebnissen
Blickt man auf Vorreiter, zeigen sich erste Erfolge, aber auch Grenzen. Australien hatte im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Seither wurden 4,7 Millionen Konten gelöscht. Allerdings finden bis zu 75 Prozent der Teenager weiterhin Wege, auf die Plattformen zuzugreifen.
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Trotz dieser Umgehungsversuche berichten 61 Prozent der australischen Eltern von positiven Verhaltensänderungen ihrer Kinder seit Inkrafttreten des Verbots.
Der Markt für digitale Auszeiten
Der gesellschaftliche Wandel hin zu weniger Bildschirmzeit treibt auch neue Geschäftsmodelle hervor. In den USA erleben Outdoor-Retreats, die den Teilnehmern helfen, sich von Bildschirmen zu lösen, einen Frühjahrsboom. Manche Eltern greifen sogar zu kreativen Mitteln: „Fake-Bücher", die Smartphones verstecken, sollen Kindern ein bildschirmfreies Verhalten vorleben. Experten warnen jedoch, dass solche Tricks die eigentlichen Herausforderungen der digitalen Erziehung nicht lösen.
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