Schulbarometer, Kind

Schulbarometer: Jedes vierte Kind psychisch auffällig und belastet

23.06.2026 - 04:10:04 | boerse-global.de

Studie zeigt Anstieg psychischer Auffälligkeiten bei Kindern. Mobbing und Leistungsdruck sind Hauptbelastungsfaktoren im Schulalltag.

Deutsches Schulbarometer: Jeder vierte Schüler psychisch belastet
Schulbarometer - Ein einsamer Schulranzen liegt auf dem Boden eines leeren Schulflurs, der eine lange Schatten wirft. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Befragung von 1.507 Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren offenbart einen Anstieg: 25 Prozent der Schüler gelten als psychisch belastet – im Vorjahr waren es 21 Prozent. Zudem geben 26 Prozent eine geringe Lebensqualität an.

Mobbing und Leistungsdruck belasten massiv

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Besonders das soziale Miteinander bereitet Probleme. Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen erlebt regelmäßig Mobbing. Am stärksten betroffen: die 14-Jährigen mit 38 Prozent.

Das Schulklima und die erfahrene Unterstützung sind entscheidend für das Wohlbefinden – sie erklären rund 60 Prozent der Unterschiede. Doch 61 Prozent der Schüler fühlen sich unter Leistungsdruck. Fast die Hälfte lernt auch an Wochenenden. Kein Wunder, dass 75 Prozent mehr Mitbestimmung im Schulalltag fordern.

Probleme beginnen vor der Einschulung

Die Schuleingangsuntersuchungen 2026/27 im Landkreis Teltow-Fläming zeigen: Bei den 1.835 untersuchten Kindern nehmen Defizite bei Aufmerksamkeit, Konzentration und Motorik zu. Nur 82,3 Prozent erhielten eine uneingeschränkte Einschulungsempfehlung. Als Ursachen gelten erhöhter Medienkonsum und Bewegungsmangel. Eine endgültige Auswertung folgt im Herbst.

Der nationale Bildungsbericht 2026 liefert zusätzliche Alarmzeichen: Knapp ein Viertel der Schüler erreicht nicht die Mindeststandards in Mathematik. Acht Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss.

Prof. Dr. Havva Engin von der PH Heidelberg weist auf eine spezielle Belastung hin: Kinder mit Migrationshintergrund müssen oft für ihre Eltern übersetzen. Das schafft zusätzlichen psychischen Druck. Gefordert werden Dolmetscherpools und mehrsprachige Dokumente.

Digitale Helfer gegen Therapie-Engpässe

Die Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt durchschnittlich 20 Wochen. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) könnten helfen. Studien zeigen: Bei leichten Belastungen wie Angst oder Stress erzielen sie über vier bis acht Wochen ähnliche Effekte wie klassische Psychotherapie.

Experten warnen jedoch: Bei Suizidalität oder emotionaler Abhängigkeit können Fehlantworten drohen. KI-Systeme ersetzen keine Behandlung komplexer Störungen.

Seit Juni 2020 läuft das Social-Media-Projekt „#ABCderPsyche“ der Universität Heidelberg. Auf Instagram und TikTok klärt es über 26 Wochen über Themen wie ADHS auf. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben mit rund 80.000 Euro – Teil eines zwei Millionen Euro schweren Pakets für 25 Projekte bundesweit.

Ab September folgt „MEDILARP“: Rollenspiele vermitteln Jugendlichen ab 12 Jahren Wissen über digitale Medizin und Datensicherheit.

Schulbegleitung: Vom 1:1-Modell zum Pooling

Die Kosten explodieren. Im Landkreis Donau-Ries liegen sie bei 2,8 Millionen Euro für 85 Begleitungen. Kommunen suchen nach neuen Wegen.

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Schleswig-Holstein setzt aufs Pooling-Modell: Statt einer Eins-zu-eins-Betreuung kommt ein Schulbegleiter pro Klasse. Ein Modellversuch an der Grundschule Burg in Dithmarschen startet nach den Sommerferien und wird zwei Jahre wissenschaftlich begleitet.

Befürworter versprechen mehr Selbstständigkeit für Schüler und effizientere Mittelverwendung. Elternbeiräte und Wohlfahrtsverbände sind skeptisch: Sie fürchten, dass ruhigere Kinder untergehen.

Ergänzend dazu startete am Montag in Berlin eine Allianz gegen Einsamkeit. Unter Beteiligung des Bundesfamilienministeriums soll sie speziell die soziale Integration junger Menschen und marginalisierter Gruppen fördern.

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