Schülerleistung: Deutschland erreicht PISA-Tiefstand in drei Fächern
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 16:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bündnis Bildungswende JETZT!, ein Zusammenschluss von mehr als 200 Organisationen, thematisiert anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der ersten PISA-Studie den Zustand des deutschen Bildungswesens.
Getragen von Gewerkschaften, Bildungsverbänden sowie Vertretungen von Eltern, Schülern und Studierenden, wird eine grundlegende Bildungswende gefordert. Im Zentrum der Kritik stehen strukturelle Defizite und die kognitive Leistungsfähigkeit der Schüler, die laut aktuellen Erhebungen einen historischen Tiefpunkt erreicht hat.
Historische Tiefstände bei der kognitiven Leistungsfähigkeit
Die im September 2026 veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 belegen eine signifikante Verschlechterung der Schülerleistungen in Deutschland. In den Naturwissenschaften erreichte die Bundesrepublik 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in der Mathematik 464 Punkte. Dies sind die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebungen und markieren lediglich den Durchschnitt der OECD-Staaten.
Im Vergleich zur vorangegangenen Untersuchung PISA 2022, in der die Werte noch bei 492, 480 und 475 Punkten lagen, ist ein Rückgang in allen drei Kompetenzbereichen zu verzeichnen.
Besonders besorgniserregend bewerten Fachleute den Anteil der Jugendlichen, die über keine ausreichenden Grundkompetenzen verfügen. Rund ein Drittel der 15-Jährigen verfehlt die Mindeststandards im Lesen und in der Mathematik, in den Naturwissenschaften liegt dieser Anteil bei etwa einem Viertel.
Ein deutlicher Unterschied zeigt sich zudem im Bereich der Chancengleichheit: Während Schüler ohne Migrationsgeschichte im Lesen auf 521 Punkte kamen, erreichten Schüler mit Migrationsgeschichte lediglich 438 Punkte.
Internationaler Vergleich und systemische Herausforderungen
Im globalen Wettbewerb liegt Deutschland weit hinter Ländern wie China, Singapur und dem europäischen Spitzenreiter Estland zurück. Während in Singapur 37 Prozent der Schüler die Spitzenstufe in Mathematik erreichen, sind es in Deutschland lediglich 8 Prozent.
Eine Studie aus dem Jahr 2020 verdeutlicht zudem methodische Unterschiede: In Japan wird jede zweite Unterrichtsstunde mit anspruchsvollen Aufgaben gestaltet, in Deutschland liegt dieser Anteil bei 12 Prozent. Zudem investiert Singapur mit 100 Stunden Fortbildung pro Jahr erheblich mehr in die Qualifizierung der Lehrkräfte.
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Ein weiteres Hindernis für die kognitive Entwicklung stellt die Ablenkung durch digitale Medien dar. 33 Prozent der deutschen Schüler gaben an, durch die Nutzung digitaler Geräte ihrer Mitschüler abgelenkt zu sein, obwohl 64 Prozent der besuchten Schulen ein Handyverbot erlassen haben. Als positive Aspekte im deutschen System gelten weiterhin die duale Berufsausbildung und eine überdurchschnittlich ausgeprägte Schulfreude.
Finanzpolitische Rahmenbedingungen und Fachkräftemangel
Die Bildungsgewerkschaften kritisieren die finanzielle Ausstattung des Sektors. Für das Jahr 2027 sieht der Bundeshaushalt im Einzelplan 17 eine Senkung der Mittel von 16,66 Milliarden Euro auf 15,48 Milliarden Euro vor.
Insbesondere die Mittel für die Kindertagesbetreuung sollen von 940 Millionen Euro im Vorjahr auf 433,8 Millionen Euro im Jahr 2027 sinken. Gleichzeitig fehlen laut dem Kita-Bericht 2026 rund 107.000 Fachkräfte. Die psychische Belastung im System ist hoch; 43,5 Prozent der Kitas meldeten Kündigungen von Personal aus diesem Grund.
Trotz des Starts des Startchancen-Programms, das über zehn Jahre rund 20 Milliarden Euro für 4.000 Schulen umfasst, und der Einführung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen ab August 2026, fordern Verbände radikalere Maßnahmen.
Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern betonte die Notwendigkeit eines Umdenkens von der Kita bis zur Weiterbildung. Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW, ergänzte die Forderung nach einer bedarfsgerechten Finanzierung und strukturellen Veränderungen.
Regionale Debatten und Reformansätze
In Nordrhein-Westfalen, das im INSM-Bildungsmonitor auf dem vorletzten Platz rangiert, verteidigte Schulministerin Dorothee Feller im September 2026 den Kurs „Schulkompass NRW 2030“ gegen Forderungen der Opposition nach Sofortprogrammen. Die SPD-Fraktion forderte unterdessen ein Programm in Höhe von 500 Millionen Euro über fünf Jahre.
33 Prozent der deutschen Schüler werden im Unterricht durch die digitale Nutzung ihrer Mitschüler abgelenkt — selbst an Schulen mit Handyverbot. Wie Sie Ihrem Kind trotzdem zu Konzentration und Lernroutine verhelfen, erklärt dieser kostenlose Leitfaden mit fünf sofort umsetzbaren Tipps. 5 Tipps gegen digitale Ablenkung jetzt sichern
Parallel dazu drängen Reforminitiativen auf eine flexibilisierung der Oberstufen. Ein Kongress von rund 450 Schulreformern in Berlin sprach sich für neue Prüfungsformen wie Projektprüfungen und Portfolios aus. Kritisiert wird zudem, dass Abitur-Regeln ab dem kommenden Schuljahr verschärft werden sollen, während grundlegend reformierte Prüfungsformate erst für das Jahr 2030 vorgesehen sind.
Das Bundeskabinett reagierte Anfang September 2026 mit dem Beschluss des Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes, das unter anderem zentrale Entwicklungstests für alle Vierjährigen vorsieht, die ab 2027 schrittweise eingeführt werden sollen.
