Schülergesundheit: Jeder fünfte Schüler mit mentalen Problemen
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Bildungspolitik Baden-Württembergs gewinnt die Diskussion um das psychische Wohlbefinden von Lernenden an Bedeutung. Im Zentrum steht dabei die Initiative des Landesschülerbeirats (LSBR), das Schulfach „Glück“ als verpflichtenden Bestandteil des Lehrplans ab der ersten Klasse einzuführen. Diese Forderung zielt darauf ab, die Resilienz und Lebensgestaltung von Kindern und Jugendlichen systematisch zu fördern.
Forderungen des Landesschülerbeirats zur psychischen Prävention
Der Vorsitzende des Landesschülerbeirats Baden-Württemberg, Johannes Stahl, begründet den Vorstoß mit der gesundheitlichen Situation in den Klassenzimmern. Laut Berichten vom 16. September 2026 verwies Stahl darauf, dass statistisch jeder fünfte Schüler von mentalen Problemen betroffen sei. Die Einführung des Fachs Glück ab der ersten Jahrgangsstufe solle hier präventiv wirken.
Über das neue Unterrichtsfach hinaus umfasst der Forderungskatalog des Gremiums weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Schüler. So setzt sich der Beirat für die Einführung von drei sogenannten „Mental Health Days“ pro Schuljahr ein – Tage, an denen Schüler explizit zur Entlastung der psychischen Gesundheit vom Unterricht fernbleiben können.
Parallel dazu fordert die Vertretung ein höheres Maß an Mitspracherecht innerhalb der Schulstrukturen sowie eine Ausweitung der politischen Bildung, unter anderem durch Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten.
Position des Kultusministeriums und gesetzte Schwerpunkte
Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat sich bereits zu den Vorschlägen positioniert. Einer Berichterstattung Mitte September 2026 zufolge lehnt das Ministerium die Einführung des Pflichtfachs Glück ab.
Der Landesschülerbeirat Baden-Württemberg fordert ein Pflichtfach Glück ab Klasse 1 – doch das Kultusministerium lehnt ab und setzt auf Informatik und Medienbildung. Für Eltern und Lehrkräfte heißt das: Die psychische Gesundheit der Kinder muss jetzt im Alltag gestärkt werden. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Resilienz ohne neues Schulfach gelingt. Resilienz-Leitfaden für den Schulalltag jetzt anfordern
Die Behörde sieht die Schwerpunkte der schulischen Weiterentwicklung derzeit in anderen Bereichen. Stattdessen setzt das Ministerium auf die Stärkung der Kompetenzen in der digitalen Welt und priorisiert die Pflichtfächer Informatik sowie Medienbildung.
Trotz der gegensätzlichen Positionen bleibt der Austausch zwischen den Akteuren bestehen. Für den 7. Oktober 2026 ist ein Treffen zwischen Vertretern des Ministeriums und dem Landesschülerbeirat in Stuttgart angesetzt, um die aktuellen bildungspolitischen Forderungen zu erörtern.
Historische Vorläufer und internationale Ansätze
Die Debatte um das Glück als Lehrinhalt stützt sich auf bereits existierende Modelle. Im Jahr 2009 wurde das Fach bereits an einer Heidelberger Schule eingeführt. Der Initiator des Konzepts, Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert, verfolgte dabei das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse der Positiven Psychologie und der Glücksforschung in den Schulalltag zu integrieren.
Jeder fünfte Schüler in Baden-Württemberg hat mentale Probleme – und viele Schulen haben noch kein Präventionskonzept. Während die Politik über ein Pflichtfach streitet, können Sie mit drei Mental Health Days pro Schuljahr und fünf Übungen aus der Glücksforschung sofort entlasten. Checkliste Mental Health Days jetzt herunterladen
Auch außerhalb Baden-Württembergs finden sich vergleichbare Ansätze:
- In Österreich steht das Fach seit dem Herbst 2009 an sechs steirischen Schulen auf dem Stundenplan.
- In der Schweiz gab es politische Vorstöße durch Großräte der Aargauer Grünen, die ein entsprechendes Wahlfach für Schüler der Oberstufe und Berufsschulen forderten.
Die Konzepte orientieren sich in der Regel an der Vermittlung von Lebenskompetenzen und der Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung, wobei der Fokus auf der praktischen Anwendung psychologischer Forschungsergebnisse liegt. Ob diese Ansätze in Baden-Württemberg über Pilotprojekte hinaus eine breite Anwendung finden, bleibt Gegenstand der laufenden politischen Auseinandersetzung.
