Schüler-Kompetenzen, Tiefststände

Schüler-Kompetenzen: Deutsche 15-Jährige erreichen historische Tiefststände

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 17:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die PISA-Auswertung 2025 weist sinkende Kompetenzwerte und starke soziale Unterschiede aus, während zugleich Kürzungen im Bildungsetat geplant sind.

PISA 2025: Deutsche Schüler erreichen neue Tiefststände
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit leeren Schultischen und einer leeren Schultafel. Illustration mit AI erstellt.

Die Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse 2025 Anfang September 2026 hat eine intensive Debatte über die Zukunftsfähigkeit des deutschen Schulsystems ausgelöst. Rund 25 Jahre nach dem ersten PISA-Schock erreichen deutsche 15-Jährige in den Kernkompetenzen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften historische Tiefststände. Parallel zu diesen Befunden wird die künftige finanzielle Ausstattung des Bildungssektors kritisch hinterfragt.

Historischer Tiefstand der Kompetenzen in Mathematik und Leseverständnis

Die Erhebung der OECD, an der weltweit 91 Länder mit über 760.000 Schülern teilnahmen, zeigt für Deutschland eine deutliche Abwärtstendenz. In Mathematik sank der Punktwert von 475 im Jahr 2022 auf nun 464 Punkte. Im Bereich Lesen fiel der Wert von 480 auf 465 Punkte.

In den Naturwissenschaften erreichten die Schüler 486 Punkte. Damit liegt Deutschland nur noch im OECD-Durchschnitt, der in den Naturwissenschaften bei 482, im Lesen bei 461 und in der Mathematik bei 463 Punkten verortet wird.

Besonders besorgniserregend bewerten Beobachter den Anstieg der leistungsschwachen Schüler. In Mathematik verzeichnete diese Gruppe seit 2015 einen Zuwachs um 17 Prozentpunkte, im Lesen um 15 und in den Naturwissenschaften um 10 Prozentpunkte. Demnach liegen 20,7 % der deutschen Schüler unter der notwendigen Grundkompetenzstufe, während der OECD-Schnitt hier bei 19,7 % liegt.

Rund ein Drittel der Jugendlichen verfehlt das Mindestniveau beim Lesen und Rechnen, während gut ein Fünftel in allen drei getesteten Bereichen Defizite aufweist. Die Zahl der flüchtigen Leser hat sich im Zeitraum von 2018 bis 2025 nahezu verdoppelt.

Soziale Selektivität und systemischer Ressourcenmangel

Ein zentraler Aspekt der Analyse betrifft die Bildungsungleichheit. In kaum einem anderen untersuchten Land hängt der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. Der sozioökonomische Hintergrund erklärt hierzulande 19 % der Leistungsunterschiede, während der OECD-Schnitt bei 11,6 % liegt.

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Lediglich fünf von 90 Ländern weisen eine noch stärkere Korrelation auf. In den Naturwissenschaften beträgt der Abstand zwischen privilegierten und benachteiligten Jugendlichen 125 Punkte, was deutlich über dem OECD-Schnitt von 85 Punkten liegt.

Neben der sozialen Herkunft identifizieren Experten den Ressourcenmangel als wesentlichen Faktor für die negative Entwicklung. 52 % der Schüler in Deutschland sind laut der Untersuchung von Lehrkräftemangel beeinträchtigt, im OECD-Vergleich liegt dieser Wert bei 39 %. Zudem gaben 33 % der Schüler an, die Schule für Zeitverschwendung zu halten.

OECD-Bildungsdirektor Schleicher verwies in diesem Zusammenhang auf einen Reformstau, der bereits seit 2001 bestehe. Migration erkläre hingegen nur einen kleinen Teil des Leistungsrückgangs. PISA-Studienleiter Samuel Greiff betonte ebenfalls, dass die Leistungsunterschiede primär auf die sozioökonomische Herkunft zurückzuführen seien.

Kritik an der Haushaltsplanung und politische Forderungen

Inmitten dieser Ergebnisse wird die finanzielle Priorisierung des Bundes diskutiert. Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), kritisierte im September 2026 die Planungen für den Bundeshaushalt 2027. Der Etat des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) soll demnach von 16,66 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 15,48 Milliarden Euro im Jahr 2027 sinken.

Besonders deutlich fallen die Kürzungen beim Kita-Investitionsprogramm aus: Hier sind für 2027 lediglich 433,8 Millionen Euro vorgesehen, nachdem im Vorjahr noch 940 Millionen Euro veranschlagt waren.

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Angesichts von rund 2,7 Millionen 20- bis 34-Jährigen ohne Berufsabschluss fordern Bildungsgewerkschaften und politische Akteure ein radikales Umsteuern. Während das Startchancen-Programm über 20 Milliarden Euro für rund 4.000 Brennpunktschulen bereitstellt, fordern Vertreter von CDU, SPD und AfD einen nationalen Bildungsgipfel von Bund und Ländern.

Ziel sei ein Staatsvertrag für Bildung, um unter anderem verbindliche Lese- und Rechenzeiten an Grundschulen sowie eine bessere Mittelverteilung sicherzustellen. Bildungsökonomen warnen bereits vor den langfristigen wirtschaftlichen Folgen der sinkenden Kompetenzwerte.

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