Schüler-Erschöpfung, OECD-Auswertung

Schüler-Erschöpfung: 69% fühlen sich wöchentlich müde und überfordert

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 21:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die OECD-Auswertung zeigt sinkende Leistungen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften sowie einen starken Einfluss der sozialen Herkunft.

Pisa 2025: Deutschlands Schüler erreichen neue Tiefstände
Ein leerer Klassenraum mit Holzschulbänken und Stühlen in natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Ergebnisse der Pisa-Studie 2025 verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung im deutschen Bildungswesen. Die Leistungen der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler sind in den Kernbereichen Mathematik und Lesen erneut gesunken und haben den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen erreicht.

In einer im September 2026 vorgestellten Auswertung der OECD wurden gravierende Defizite bei den Grundkompetenzen sowie eine zunehmende Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft festgestellt.

Historische Tiefstände in Mathematik und Lesekompetenz

Die Erhebung, für die in Deutschland 6.700 Jugendliche an 250 Schulen getestet wurden, zeigt einen deutlichen Abwärtstrend. In Mathematik erreichte Deutschland 464 Punkte, was einem Rückgang von 11 Punkten gegenüber dem Jahr 2022 entspricht.

Noch deutlicher fiel der Einbruch im Bereich Lesen aus: Hier sank die Punktzahl um 15 Zähler auf 465 Punkte. In den Naturwissenschaften wurde ein Wert von 486 Punkten gemessen, 6 Punkte weniger als bei der vorangegangenen Untersuchung.

Ein langfristiger Vergleich verdeutlicht das Ausmaß der Verschlechterung. Im Jahr 2012 lagen die Werte in den Naturwissenschaften noch bei 524 Punkten, in Mathematik bei 514 Punkten und im Lesen bei 508 Punkten. Der aktuelle Bericht weist darauf hin, dass rund ein Drittel der Jugendlichen in Mathematik und Lesen nicht einmal die Kompetenzstufe zwei erreicht.

In den Naturwissenschaften verfügt jeder vierte Schüler nicht über die erforderlichen Grundkompetenzen. Besonders kritisch wird die Situation beim Lesen bewertet: Fast jeder dritte Jugendliche verfehlte die Stufe 1, während lediglich 7 Prozent die hohen Kompetenzstufen 5 und 6 erreichten.

Soziale Herkunft als entscheidender Faktor für den Bildungserfolg

Die Untersuchung der OECD belegt, dass der Bildungserfolg in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängt. Im ärmsten Viertel der Bevölkerung erreichen 41 Prozent der Jugendlichen nicht die Basiskompetenz in den Naturwissenschaften. Insgesamt liegen 20,7 Prozent der deutschen Schüler in allen drei Testbereichen unter der Grundkompetenz, womit Deutschland leicht über dem OECD-Durchschnitt von 19,7 Prozent rangiert.

Ergänzend zur Pisa-Studie zeigt der Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) regionale Unterschiede auf. Während Sachsen den ersten Platz belegt, bildet Bremen das Schlusslicht.

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In Bremen liegt der Anteil der Schüler mit einer anderen Muttersprache bei 58,7 Prozent, während er in Bayern 27,7 Prozent beträgt. Laut diesen Daten ist die Risikogruppe in der Lesekompetenz zwischen 2012 und 2022 von 14,5 auf 25,5 Prozent angestiegen.

Ursachenforschung und strukturelle Herausforderungen

Experten und Bildungsverantwortliche sehen verschiedene Gründe für die negative Entwicklung. Pisa-Begründer Andreas Schleicher betonte, dass Lernen nur durch aktive Auseinandersetzung entstehe. Als mögliche Ursachen für den Rückgang nannten Fachleute den Einfluss von Künstlicher Intelligenz, die Nutzung von Smartphones und sozialen Medien.

Auch veränderte Freizeitgewohnheiten spielen eine Rolle: Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2025 gaben nur noch 31 Prozent der Erwachsenen an, im Vorjahr ein gedrucktes Buch gelesen zu haben, verglichen mit 43 Prozent im Jahr 2021.

Zusätzlich verschlechtern sich die gesundheitlichen Voraussetzungen der Lernenden. Der DAK-Präventionsradar für das Schuljahr 2025/2026 zeigt, dass sich 69 Prozent der Kinder und Jugendlichen mindestens einmal pro Woche erschöpft fühlen.

Vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei 52 Prozent. Schlafstörungen betreffen mittlerweile 46 Prozent der Befragten. Branchenvertreter der Kinderheilkunde führen dies unter anderem auf eine übermäßige Mediennutzung zurück.

Reaktionen aus Politik und Fachverbänden

Bundeskanzler Merz bot den Bundesländern angesichts der Ergebnisse eine verstärkte Zusammenarbeit an, verwies jedoch gleichzeitig auf die Verantwortung der Familien und Eltern. Aus den Reihen der Bildungspolitik wurden Rufe nach einem Bildungsgipfel laut. Die Initiatoren der Pisa-Studie fordern zudem eine stärkere Förderung im Vorschulalter sowie eine gezielte finanzielle Unterstützung für Brennpunktschulen.

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Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Stefan Düll, bezeichnete die Ergebnisse als Indikator für notwendiges Handeln, übte jedoch auch Kritik an der Methodik der Studie. Diese werde der Fächervielfalt nicht gerecht und konzentriere sich zu stark auf Kompetenzen statt auf fachliches Wissen.

Düll betonte, dass sich das föderale System in Deutschland grundsätzlich bewährt habe. Demgegenüber berichteten Schulleitungen von akutem Lehrkräftemangel und sinkenden Konzentrationsspannen in den Klassen, was die Nutzung herkömmlicher Unterrichtsmaterialien zunehmend erschwere.

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