Schröpftherapie: Forscher weisen 13 Metaboliten wissenschaftlich nach
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 03:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein Forschungsteam hat eine Methode entwickelt, die während der Schröpfbehandlung freigesetzte Stoffwechselprodukte direkt erfasst. Die nicht-invasive Analyse könnte die traditionelle Heilmethode endlich wissenschaftlich untermauern.
Neue Membranen sammeln flüchtige Verbindungen
Renato Zenobi und Xiaowen Yan stellten im Juli 2026 in der Fachzeitschrift ACS Omega ein Verfahren vor, das flüchtige organische Verbindungen (VOCs) direkt während des Schröpfvorgangs erfasst. Dafür platzierten die Forscher polymerbeschichtete Membranen im Inneren der Schröpfgläser. Diese sammeln chemische Verbindungen, die während der etwa zehnminütigen Unterdruckbehandlung aus der Haut austreten.
In einer Pilotstudie mit zwölf gesunden Probanden identifizierten die Wissenschaftler mithilfe von thermischer Desorption und Massenspektrometrie insgesamt 13 Metaboliten. Deren Konzentration veränderte sich durch die Therapie signifikant. Zu den nachgewiesenen Stoffgruppen zählen Aldehyde, Ketone, Alkohole, Terpene und organische Säuren.
Die beteiligten Institute – darunter die National Natural Science Foundation of China – sehen darin eine Brücke zwischen traditioneller Medizin und moderner Analytik. Ziel ist es, die molekularen Mechanismen hinter dem klinischen Nutzen der Therapie zu verstehen.
Atemgas-Analyse als Diagnose-Trend
Die Entwicklung ist Teil eines breiteren Trends in der medizinischen Diagnostik. Parallel zur Schröpfstudie zeigen Forschungsaktivitäten im Bereich der Metabolomik, dass flüchtige Verbindungen präzise Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zulassen.
Das Projekt „COVID Dogolomics“ mit Beteiligung der TU Braunschweig und der TiHo Hannover untersucht Geruchssignaturen zur Identifizierung von Long-COVID-Mustern. Die Ergebnisse – vorgestellt Anfang Juli 2026 auf der Metabolomics-Konferenz in Buenos Aires – bestätigen, dass Massenspektrometrie und maschinelles Lernen spezifische Stoffwechselveränderungen in Urin zuverlässig erkennen.
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Das Unternehmen Respiro Diagnostics sicherte sich im Juli 2026 eine Pre-Seed-Finanzierung von einer Million Pfund für eine Atemgas-Biopsie. Dabei werden DNA, RNA und Proteine aus der Ausatemluft analysiert. Erste klinische Studien starten im September 2026 am Universitätskrankenhaus Aalborg.
Optische Verfahren für Gefäßerkrankungen
Neben der chemischen Analyse gewinnen optische und Biofeedback-basierte Verfahren an Bedeutung. Forscher der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Düsseldorf entwickelten eine Screeningmethode, die Gefäßschäden in einem CO2-angereicherten Wasserbad mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) erkennt. Das Verfahren identifiziert endotheliale Funktionsstörungen früher als herkömmliche Methoden wie die flussvermittelte Vasodilatation.
Das System „BPRelax“ vom AIT Austrian Institute of Technology nutzt Biofeedback-Atemübungen zur Senkung des systolischen Blutdrucks. Die Effekte seien mit medikamentösen Therapien vergleichbar, so die Entwickler. Eine erste Serie von 3.000 Geräten wurde für den DACH-Raum produziert, die Zertifizierung als Medizinprodukt schreitet voran.
Klinische Studien mit Schmerzpatienten geplant
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Die neuen Erkenntnisse zur Schröpftherapie sollen nun in klinischen Studien mit Patienten validiert werden, die unter chronischen Schmerzen leiden. Die Forscher planen eine Zusammenarbeit mit Krankenhäusern für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).
Durch die Kombination von nicht-invasiver Probenahme und hochsensitiver Analytik könnten künftig individuelle Therapieeffekte in Echtzeit überwacht werden. Das würde eine stärkere Personalisierung komplementärmedizinischer Behandlungen ermöglichen.
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