Schröpftherapie: 1,9-Milliarden-Markt wächst bis 2035 auf 4,3 Mrd.
29.05.2026 - 01:00:30 | boerse-global.deDie traditionelle chinesische Medizin (TCM) erobert den globalen Gesundheitsmarkt – und rückt gleichzeitig ins Visier der modernen Neurowissenschaft. Aktuelle Forschungsergebnisse und neue Regulierungen aus China verändern das Bild der Jahrtausende alten Heilkunst grundlegend.
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Das De-Qi-Gefühl: Mehr als nur ein Nadelstich
Ein zentrales element der Akupunktur steht derzeit im Fokus klinischer Untersuchungen: das sogenannte De-Qi-Gefühl. Patienten beschreiben es als ein deutliches Kribbeln oder Ziehen während der Nadeleinführung. Für TCM-Experten gilt diese Empfindung als wichtiger therapeutischer Indikator. Wer alternative Methoden bevorzugt, kann mittlerweile auf Laser-Akupunktur oder Ohrsamen zurückgreifen – Techniken, die ähnliche Effekte versprechen.
Die klinische Beobachtung hat eine handfeste neurobiologische Basis. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Akupunktur die Ausschüttung von Endorphinen stimuliert und das Nervensystem im Rückenmark neu programmiert. Die Methode wirkt demnach über messbare biologische Mechanismen – und nicht etwa nur als Placebo.
Die Uhr tickt: Chrono-Akupunktur im Praxistest
Die zeitliche Komponente der Behandlung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die sogenannte Chrono-Akupunktur nutzt die chinesische „Organuhr", um den optimalen Zeitpunkt für Nadelstiche zu bestimmen. Ein Beispiel: Wer das Lungen-Metall-Element stärken will, sollte den Magenmeridian zwischen 7 und 9 Uhr morgens behandeln.
Um solches Spezialwissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, hat das Institut für angewandte Forschung in der Traditionellen Medizin eine digitale Plattform entwickelt. Die Datenbank mit dem Namen „Hausapotheke" soll TCM-Wissen verbreiten – allerdings ausdrücklich nicht als Ersatz für ärztliche Beratung.
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Milliardenmarkt Schröpfen: Chinas Regulierung treibt Wachstum
Politischer Rückenwind kommt aus Peking. Seit März 2026 schreiben die chinesischen Gesundheitsbehörden sechs TCM-Verfahren – darunter die Schröpftherapie – in der Grundversorgung vor. Die Folgen sind weltweit spürbar: Der globale Markt für Schröpfsets wird auf rund 1,9 Milliarden Euro geschätzt. Prognosen zufolge könnte er bis 2035 auf 4,3 Milliarden Euro anwachsen.
Bereits heute bieten 41 Prozent aller Wellness-Zentren weltweit Schröpfen an – das entspricht rund 28 Millionen Behandlungen pro Jahr. Allerdings bleibt die klinische Evidenz für manche Anwendungen, etwa die Behandlung von Zysten, bislang lückenhaft.
Von Migräne bis Cholesterin: Akupunktur in der Praxis
Immer mehr Ärzte setzen Akupunktur als ergänzende Therapie bei chronischen Erkrankungen ein. Studien belegen den Nutzen bei hohem Cholesterin und behandlungsresistenten Migräneanfällen. Eine Standardbehandlung umfasst zwölf Sitzungen von jeweils 20 bis 30 Minuten – mit dem Ziel, Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren.
Veranstaltungen im Juni 2026
- Lübeck, 2. Juni: Patienteninformationsabend zu Fibromyalgie und chronischen Schmerzen unter Leitung von Stefan Rieckhof in den Sana Kliniken
- Hannover, 4. Juni: Online-Seminare zur „Wasser"-Phase der TCM und Darmgesundheit mit Henk Brils
Praxen wie ChiMed in Augsburg bieten weiterhin die fünf Säulen der TCM an: Akupunktur, Diätetik, Qi-Gong und mehr. Die Einrichtung hat spezielle Orientierungssitzungen eingeführt, um Patienten den Einstieg in die traditionellen Verfahren zu erlehtern.
Wirtschaftsdiplomatie und kulturelle Identität
Die Expansion der TCM hat auch eine handfeste politische Dimension. Bei einem Besuch in China traf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mit chinesischen Amtsträgern zusammen – das bilaterale Handelsvolumen liegt bei 250 Milliarden Euro. Während europäische Staaten auf eine härtere Gangart im Wettbewerb drängen, setzt die deutsche Delegation mit 35 Unternehmensvertretern auf Ausgleich.
In Regionen wie Macau wird die TCM als „Juwel der Wissenschaft" und Symbol nationalen Erbes gefeiert. Die Institutionalisierung schreitet voran: Immer mehr Schulen integrieren die traditionelle Medizin in ihre Lehrpläne – als Gesundheitsressource und kulturelles Identitätsmerkmal zugleich.
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