Schrittzahl und Kognition: 8.875 Schritte zeigen ähnliche Effekte wie 14.161
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 11:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Bewegung gilt seit Langem als wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden. Eine im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Beobachtungsstudie des Baylor College of Medicine liefert nun detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen täglichen Schrittzahlen und kognitiven Funktionen.
Die Forschungsgruppe um Okusaga, Lin und Atkinson untersuchte Daten von 3.093 Erwachsenen im Alter von 18 bis 93 Jahren mit einem Durchschnittsalter von rund 58 Jahren aus der sogenannten All-of-Us-Kohorte. Zwischen 2009 und 2023 wurden die Bewegungsdaten mittels Fitbit-Geräten erfasst, gefolgt von einer einmaligen kognitiven Testung im September 2023.
Messbare Vorteile bei Aufmerksamkeit und Impulskontrolle
Die Auswertungen verdeutlichen, dass Personen mit höherer Alltagsaktivität bei Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit besser abschnitten als Personen mit vorwiegend sitzender Lebensweise.
Eine Gruppe mit durchschnittlich 8.875 Schritten pro Tag erzielte bei Aufmerksamkeitstests 1,76 Punkte mehr als die Vergleichsgruppe mit lediglich 5.108 Schritten am Tag. Bei einer sehr aktiven Gruppe mit 14.161 Schritten täglich betrug das Plus gegenüber der sitzenden Gruppe 2,17 Punkte.
Insgesamt übertrafen die beiden aktivsten Gruppen die am wenigsten aktive Gruppe bei drei von vier durchgeführten Kognitionstests: bei der Aufmerksamkeit, der Impulskontrolle sowie dem Ignorieren von Störreizen. Lediglich beim Erkennen von Gesichtsausdrücken ließ sich kein statistisch signifikanter Effekt feststellen.
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Die beobachteten Zusammenhänge blieben auch nach einer statistischen Adjustierung für Alter, Bildung, Einkommen, Familienstand und Geburtsort bestehen. Ein höherer systolischer Blutdruck war zwar mit etwas schwächeren Werten bei Belohnungsentscheidungen und Impulskontrolle verknüpft, erklärte rechnerisch jedoch nur rund 5 Prozent des Gesamtzusammenhangs zwischen Bewegung und Kognition.
Moderate Aktivität und das Zehntausend-Schritte-Ziel
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Verhältnismäßigkeit des Trainingsumfangs. Die Gruppe mit 8.875 Schritten am Tag wies bereits weitgehend vergleichbare kognitive Effekte auf wie jene mit 14.161 Schritten. Beim Ausblenden von Ablenkungen erzielte die moderat aktive Gruppe sogar die stärksten Werte.
Zudem war jede zusätzliche Einheit von 1.000 Schritten pro Tag bei moderatem Tempo mit verbesserten Testergebnissen verbunden. Nach Ansicht der Studienautoren besitzt das verbreitete Ziel von 10.000 Schritten täglich keine spezifische physiologische Basis.
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Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Erwachsene mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität pro Woche. Auch Fachleute für Neurologie betonen, dass Bewegungsmangel zu den wesentlichen beeinflussbaren Risikofaktoren für kognitiven Abbau zählt.
Demnach bleibt die neuronale Plastizität bis ins hohe Alter erhalten und profitiert von regelmäßiger körperlicher Aktivität. Zudem hält ein Bericht der Lancet-Kommission fest, dass Bewegungsmangel zu den 14 zentralen Risikofaktoren für Demenz gehört; durch die gezielte Beeinflussung dieser Faktoren könnten bis zu 45 Prozent der Demenzfälle potenziell verzögert oder vermieden werden.
Methodische Grenzen der Erhebung
Trotz der deutlichen Tendenzen verweisen die Autoren auf methodische Einschränkungen. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein kausaler Nachweis über Ursache und Wirkung führen. Zudem wurden die kognitiven Tests lediglich zu einem einzigen Zeitpunkt durchgeführt.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Zusammensetzung der Studienpopulation: Die teilnehmenden Personen waren überwiegend höher gebildet und verfügten über eine Krankenversicherung. Laut Okusaga lässt sich anhand der vorliegenden Daten daher keine pauschale, für jeden Menschen optimale Schrittzahl allgemeingültig festlegen.
