Schrittzahl und Gehirn: Fast 80 Prozent höheres Risiko bei wenig Bewegung
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 07:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deAufgezeichnete Bewegungsdaten von Fitness-Trackern können möglicherweise frühzeitige Hinweise auf das zukünftige Risiko für schwerwiegende neurologische Erkrankungen liefern. Das zeigt eine Untersuchung, die im Rahmen der 151. Jahrestagung der American Neurological Association vorgestellt wurde und über die Fachmedien am 20. Oktober 2026 berichteten.
Grundlage der Analyse waren die über ein Jahr erfassten Aktivitätsdaten von 22.517 US-amerikanischen Erwachsenen ab einem Alter von 40 Jahren. Die Forschenden beobachteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von rund fünf Jahren nach. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem täglichen Schrittpensum und dem Auftreten von Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder einem Schlaganfall.
Deutliche Unterschiede je nach Schrittzahl
Für die Auswertung unterteilte das Forschungsteam die Probanden anhand ihrer medianen Tagesaktivität in drei Gruppen. Die Gruppe mit niedriger Aktivität kam auf einen Median von 4.800 Schritten pro Tag, die moderate Gruppe auf rund 8.300 Schritte und die aktive Gruppe auf etwa 12.600 Schritte täglich.
Erwachsene mit durchschnittlich weniger als 5.000 Schritten am Tag waren später fast doppelt so häufig von Demenz, Parkinson oder einem Schlaganfall betroffen wie jene mit mehr als 12.000 Schritten. Im Verlauf der rund fünfjährigen Nachbeobachtungszeit wurden insgesamt 343 neue Diagnosen erfasst, zu denen neben Demenz, Parkinson und Schlaganfällen auch transitorische ischämische Attacken zählten.
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Umgerechnet entsprach dies einer Rate von 3,8 neurologischen Diagnosen pro 1.000 Personen pro Jahr in der Gruppe mit geringer Schrittzahl, verglichen mit 2,7 in der mittleren und 2,1 in der aktivsten Gruppe. Das Risiko fiel in der Gruppe mit dem niedrigsten Bewegungsumfang damit um rund 80 Prozent höher aus als bei den Teilnehmenden mit der höchsten Schrittzahl.
Begleiterkrankungen und methodische Grenzen
Neben dem Schrittvolumen wiesen die Untersuchungsgruppen deutliche Unterschiede bei anderen Gesundheitswerten auf. Der durchschnittliche Body-Mass-Index lag in der Gruppe mit geringer Aktivität bei 32,1, während er in der moderaten Gruppe 28,4 und in der Gruppe mit hoher Schrittzahl 26,5 betrug.
Auch Vorerkrankungen traten bei geringerer Bewegung häufiger auf: Diabetes wurde bei 5,6 Prozent der Probanden mit niedrigem Pensum verzeichnet, gegenüber 2,5 Prozent in der mittleren und 2,0 Prozent in der oberen Gruppe. Eine Hypertonie lag bei 13,4 Prozent, 9,5 Prozent und 9,2 Prozent vor.
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Eine Depression trat bei 8,6 Prozent der am wenigsten aktiven Personen auf, während die Raten in den aktiveren Gruppen bei 5,1 Prozent und 3,1 Prozent lagen. Depression stellte sich in den Analysen als stärkster Einzelprädiktor heraus.
Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Ein ursächlicher Nachweis, dass mangelnde Bewegung die neurologischen Erkrankungen direkt auslöst, lässt sich daraus nicht ableiten. Zudem besitzen handelsübliche Fitness-Uhren keine medizinische Diagnosefunktion.
Als Orientierung für die allgemeine Prävention verweisen Mediziner auf die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation: Diese empfiehlt Erwachsenen wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate körperliche Aktivität oder eine vergleichbare Belastung sowie muskelkräftigende Übungen an mindestens zwei Tagen pro Woche.
