Schritte und Gehirn: 5000 bis 7500 täglich bremsen den Abbau am stärksten
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 12:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Zustand des menschlichen Gehirns im Alter hängt maßgeblich von beeinflussbaren Alltagsfaktoren ab. Peter Vajkoczy, Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der Berliner Charité, unterstrich in einem Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt, dass Menschen über ihren individuellen Lebensstil und die eigene Gefäßgesundheit steuern können, wie stark das Denkorgan über die Lebensspanne hinweg geschädigt wird.
Zahlreiche wissenschaftliche Erhebungen untermauern diese Einschätzung und belegen, wie stark Faktoren wie körperliche Bewegung, Ernährung, Schlaf und soziale Kontakte die Gehirnfunktion prägen.
Schrittzahl und kognitive Leistungsfähigkeit
Die Bedeutung täglicher Bewegung für kognitive Fähigkeiten untersuchte eine Forschungsgruppe des Baylor College of Medicine unter der Leitung von Olaoluwa Okusaga in einer in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichten Studie.
Auf Basis von Fitbit-Daten aus den Jahren 2009 bis 2023 bei 3093 Erwachsenen im Alter von 18 bis 93 Jahren aus der „All of Us“-Kohorte wurden drei Aktivitätsgruppen mit durchschnittlich 5108, 8875 sowie 14161 Schritten pro Tag verglichen.
Die beiden aktiveren Gruppen schnitten bei Konzentration, Ablenkungskontrolle und Belohnungsentscheidungen besser ab als die Gruppe mit der geringsten Schrittzahl.
In Aufmerksamkeitstests erreichte die Gruppe mit durchschnittlich 8875 Schritten 1,76 Punkte und jene mit 14161 Schritten 2,17 Punkte mehr als die Referenzgruppe. Okusaga verwies darauf, dass ein statistischer Zusammenhang belegt sei, eine direkte Kausalität daraus jedoch nicht abgeleitet werden könne.
Langzeiteffekte analysierte auch die Harvard Medical School im Rahmen der „Harvard Aging Brain Study“, die im Fachblatt Nature Medicine publiziert wurde.
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Bei 296 Erwachsenen im Alter zwischen 50 und 90 Jahren zeigte sich über neun Jahre hinweg ein um 40 Prozent reduzierter kognitiver Abbau in der Gruppe mit 3001 bis 5000 Schritten pro Tag sowie ein um 54 Prozent geringerer Abbau bei 5001 bis 7500 Schritten gegenüber Personen mit unter 3000 Schritten.
Der Nutzen erreichte ab 5000 bis 7500 Schritten pro Tag ein Plateau. Zudem zeigte sich bei erhöhtem Amyloid ein langsamerer Aufbau von schädlichem Tau-Protein.
Auf der Jahrestagung der American Neurological Association stellte die Florida Atlantic University Daten von 22517 Erwachsenen ab 40 Jahren vor. Bei Gruppen mit durchschnittlich 4800, 8300 und 12600 Schritten lag die Neudiagnoserate für neurologische Leiden wie Demenz oder Schlaganfall bei 3,8, 2,7 beziehungsweise 2,1 Fällen pro 1000 Personenjahre.
Ernährung, Schlaf und gesellschaftliche Teilhabe
Neben der Bewegung wirken weitere Lebensstilaspekte auf Alterungsprozesse ein. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen analysierte Daten von rund 7500 Erwachsenen und stellte fest, dass zehn gesunde Ernährungsstile – darunter mediterrane und nordische Kostformen – mit einem verlangsamten biologischen Altern einhergingen.
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Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, betonte in einem Beitrag, dass Altern keine Krankheit sei und es für angeblich verjüngende Nahrungsergänzungsmittel keine Belege für eine Lebensverlängerung beim Menschen gebe.
Wissenschaftlich gesichert seien hingegen Faktoren wie Kraft- und Gleichgewichtstraining, ausgewogene Ernährung, Rauchverzicht und soziale Kontakte. In der LIFE-Studie mit über 1600 älteren Teilnehmenden konnte durch strukturierte Bewegungsprogramme bei etwa jedem 19. Betroffenen der Verlust der Gehfähigkeit verhindert werden.
Eine im Journal of Epidemiology & Community Health erschienene Metaanalyse mit 57793 Teilnehmenden belegte zudem positive Effekte sozialer Aktivitäten auf Gedächtnis und exekutive Funktionen, insbesondere durch Engagement im Ehrenamt oder in Sportvereinen.
Auch der Schlaf spielt eine zentrale Rolle: Forschende der Universität Peking stellten in PLOS Medicine anhand von rund 100000 Personen der UK Biobank fest, dass rund 48 Minuten zusätzlicher REM-Schlaf pro Nacht mit einem um 46 Prozent geringeren Demenzrisiko einhergingen.
