Schönheitsideal, Wandel

Schönheitsideal im Wandel: Warum Frauen Kraft statt Schlankheit anstreben

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krafttraining, Musik und ein selbstbestimmter Blick auf den Körper prägen den Wandel bei Fitnessidealen und mentaler Stärke.

Fitness und Körperbild: Warum Kraft statt Schlankheit an Bedeutung gewinnt
Symbolbild: ruhiger See bei Sonnenaufgang Illustration mit AI erstellt.

In der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Fitness und Ästhetik lässt sich gegenwärtig ein deutlicher Paradigmenwechsel beobachten. Mediale Berichte verdeutlichen, dass das langjährige Ideal des Schlankheitszwangs zunehmend durch das Ziel des Kraftaufbaus ersetzt wird. Unter dem Leitmotiv „Stronger, not smaller“ rücken definierte Muskeln und die Nutzung von Sport sowie Musik als Strategien zur mentalen Stärkung in den Fokus des Alltags.

Kraftaufbau statt Schlankheitszwang

Für viele Frauen hat sich das Leitbild weg von einer Reduzierung des Körperumfangs hin zu einer Steigerung der physischen Kraft verschoben. Definierte Muskulatur gilt dabei verstärkt als neuer Maßstab für Attraktivität.

Für diesen durch Training gestärkten Frauentypus etablierte die Wochenzeitung „Die Zeit“ den Begriff des „Carbonara-Körpers“. Mehrere Studien weisen zudem darauf hin, dass regelmäßiges Krafttraining die Lebenserwartung von Frauen positiv beeinflussen kann.

Prominente Beispiele untermauern diesen Trend in der Öffentlichkeit. Nachdem Bilder von Miley Cyrus bei der Grammy-Verleihung im Jahr 2024 weite Verbreitung fanden, kursierten vermehrt Anleitungen für ein gezieltes Training der Oberarme.

Auch die Schauspielerin Hilary Duff engagiert sich in diesem Bereich und wirbt als Model für einen Anbieter virtueller Trainingseinheiten mit der zentralen Botschaft, stärker statt schmaler zu werden. Im Bereich des professionellen Fitness-Trainings setzt beispielsweise Dua Lipa auf eine Kombination aus Yoga, Pilates und speziellen Mattenübungen.

Die Mitgründerin eines Unternehmens für gerätefreies Pilates absolvierte laut Berichten ein von ihrer Trainerin entwickeltes 20-minütiges Programm, das auf hochintensiven Intervallen mit geringen Gewichten basiert.

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Musik als psychologische Stütze im Sport

Neben der physischen Komponente gewinnt die psychologische Flankierung des Trainings an Bedeutung. Die Schweizer Musikerin Joya Marleen verarbeitet in ihrem Werk Erfahrungen mit Bodyshaming, die sie bereits im Alter von 13 Jahren vor ihrem Karrierestart in der Musikbranche machen musste. Damals sei ihr nahegelegt worden, für eine erfolgreiche Laufbahn abzunehmen.

In ihrem Lied „Diet“ thematisiert sie die daraus resultierenden Selbstzweifel. Ein Wendepunkt für die Veröffentlichung des Titels war ihre Deutschlandtournee im Winter 2025, bei der die Reaktion des Publikums die Relevanz des Themas verdeutlichte. Marleen betont heute die Unantastbarkeit des eigenen Körpers gegenüber externen Kommentaren.

Auch im Spitzensport spielt die auditive Stimulation eine Rolle bei der mentalen Vorbereitung. Der Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer nutzt gezielt verschiedene Musikgenres, um seinen Fokus zu steuern.

Während er vor Wettkämpfen ruhigere Rhythmen bevorzugt, wechselt er unmittelbar vor dem Start zu Rap-Musik. Neugebauer integriert Gesang und Tanz fest in seinen Alltag und seine Trainingseinheiten im Fitnessstudio, um seine Leistung zu unterstützen.

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Langfristige Folgen körperlicher Extreme

Dass die Fixierung auf körperliche Ideale auch gefährliche Züge annehmen kann, zeigen Rückblicke erfahrener Akteure. Sylvester Stallone berichtete anlässlich der Veröffentlichung seiner Memoiren über seine frühere Besessenheit von einem extrem niedrigen Körperfettanteil.

Während der Dreharbeiten zu „Rocky III“ Anfang der Achtzigerjahre sank dieser Wert auf 2,6 Prozent, was mit der Anwendung von Steroiden und einer Bulimie-Erkrankung einherging.

Stallone zahlte für diese Extreme einen hohen physischen Preis, der sich in zahlreichen Operationen an Rücken, Schultern und Halswirbeln äußerte. Erst eine spätere Filmrolle, in der er einen körperlich unterlegenen Charakter darstellte, habe ihn von diesem Optimierungsdruck befreit.

Einen reflektierten Umgang mit dem Körpergewicht propagiert auch die Mentalcoachin Diana Eva Thiel. In ihrem jüngst veröffentlichten Handbuch für kurvige Frauen verbindet sie psychologisches Wissen mit der Erfahrung eigener Gewichtsschwankungen von 60 Kilogramm. Ihre zentrale These lautet, dass das Gewicht zwar eine Realität darstelle, aber nicht die Identität eines Menschen definiere.

Dass körperliche Höchstleistungen heute oft mit digitaler Selbstinszenierung verknüpft sind, zeigt das Beispiel der Influencerin Maren Schiller. Sie absolvierte innerhalb eines Wochenendes dreimal die Distanz des Berlin-Marathons. Ohne Schlafpausen legte sie insgesamt gut 126 Kilometer in einer Zeit von 18 Stunden und 45 Minuten zurück, wobei sie die psychische Belastung als extrem hoch einstufte.

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