Schockanrufe, Kriminelle

Schockanrufe: Kriminelle erbeuten 1 Mrd. Dollar monatlich weltweit

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 08:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Betrüger setzen auf Anrufe, SMS und Messenger, um Überweisungen zu erzwingen. Banken und Behörden geben konkrete Hinweise zum Schutz.

Schockanrufe: Banken und Verbraucherschützer warnen vor Betrug
Ein dunkler Flur in einem Wohngebäude mit einer leicht geöffneten Holztür und einfallendem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Verbraucherschützer und der Bundesverband deutscher Banken haben erneut eine dringende Warnung vor sogenannten Schockanrufen herausgegeben. Kriminelle nutzen dabei gezielt emotionale Ausnahmesituationen aus, um Smartphone-Nutzer zu überhasteten und unüberlegten Geldüberweisungen zu drängen. Die Täter agieren dabei über verschiedene Kanäle, darunter Telefonanrufe, SMS, Messenger-Dienste und soziale Medien.

Empfehlungen zur Prävention und Schadensbegrenzung

Andreas Framke vom Bundesverband deutscher Banken rät Betroffenen dazu, bei jeglichem Druck zu einer sofortigen Überweisung das Gespräch umgehend zu beenden. Es sei ratsam, den Kontakt anschließend über eine selbst recherchierte Nummer eigenständig zurückzurufen, um die Identität des Gegenübers zu verifizieren.

Vor der Freigabe einer Zahlung sollten Kunden grundsätzlich den Namen des Empfängers, die IBAN sowie den angegebenen Zahlungszweck genau prüfen. Framke betonte zudem die Wichtigkeit, die in Banken-Apps integrierte Empfängerüberprüfung konsequent zu nutzen.

Sollte es bereits zu unberechtigten Transaktionen gekommen sein, gibt es für bestimmte Zahlungsarten Hoffnung auf Rückerstattung. Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken können nicht autorisierte Lastschriften oft innerhalb einer Frist von acht Wochen zurückgeholt werden.

Vielfältige Maschen von Behörden- bis Bankenimitation

Die Strategien der Betrüger sind weitreichend. Nach Erkenntnissen der Polizei geben sich die Täter häufig als Polizeibeamte, Gerichtsbedienstete oder Staatsanwälte aus.

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In diesen Gesprächen wird oft nach Bargeld, Schmuck oder anderen Wertsachen gefragt, die angeblich zur Sicherung an einen Boten des Gerichts übergeben werden sollen. Die Polizei stellte klar, dass Behörden und Gerichte niemals telefonisch Informationen über das Vermögen oder Bankdaten erfragen.

Auch andere Institutionen werden als Deckmantel missbraucht. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) warnte vor Betrugsversuchen via E-Mail, SMS und Telefon, bei denen zur Preisgabe von Kontodaten oder zu Sofortüberweisungen aufgefordert wird.

Die DRV forderte Betroffene auf, solche Anfragen über das offizielle Servicetelefon unter der Nummer 0800 1000 4800 abzuklären. Parallel dazu berichtete die Verbraucherzentrale von gefälschten WhatsApp-E-Mails. Darin wird behauptet, Nutzer müssten ihre Kontodaten innerhalb von 24 Stunden über einen Link bestätigen, da andernfalls die Deaktivierung des Kontos drohe.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wies darauf hin, dass Kriminelle verstärkt Methoden wie Smishing (Betrug per SMS), Quishing (via QR-Codes) oder Vishing (telefonischer Betrug) einsetzen. Nutzer sollten verdächtige Nachrichten direkt in den Spam-Ordner verschieben und unter keinen Umständen enthaltene Links öffnen.

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Hohe Schäden und organisierte Strukturen

Die finanziellen Folgen für Einzelpersonen können massiv sein. In Chemnitz buchten Betrüger 34.000 Euro vom Konto eines 55-jährigen Mannes ab, nachdem dieser auf eine SMS reagiert hatte, die fälschlicherweise Probleme mit seiner Kreditkarte suggerierte. Am 11. September kam es zudem in Uslar und Bodenfelde zu einer Serie von Schockanrufen durch einen falschen Polizisten.

In einem fall übergab ein Opfer Bargeld an einen unbekannten Mann, der als etwa 25 Jahre alt, dünn und akzentfrei Deutsch sprechend beschrieben wurde. In Borken wurden am selben Tag mindestens vier Fälle registriert, in denen Täter als Sparkassen-Mitarbeiter auftraten und Opfer dazu brachten, Transaktionen in einer Push-TAN-App freizugeben.

Hinter diesen Taten stehen oft hochgradig organisierte Strukturen. Berichten des Telegraph zufolge existieren allein in der Ukraine bis zu 2.000 Call-Center mit mehr als 60.000 Beteiligten. Der monatliche Umsatz dieser Zentren werde auf rund 1 Milliarde US-Dollar geschätzt, womit das Geschäftsvolumen den Drogen- und Waffenhandel übertreffe.

Erkenntnisse des NABU deuten zudem auf weitreichende Korruption hin; demnach flossen mindestens 1 Million US-Dollar an Staatsanwälte, während die monatlichen Gebühren für den Betrieb eines solchen Call-Centers zwischen 7.000 und 10.000 US-Dollar liegen sollen.

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