Schockanrufe: 76-Jährige in Celle verliert 70.000 Euro an Betrüger
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Polizei und Staatsanwaltschaft warnen vor einer Welle von Telefonbetrugsfällen, bei denen Kriminelle vor allem ältere Menschen durch Schockanrufe und fingierte Behördeneinsätze unter Druck setzen. Mit frei erfundenen Geschichten über angebliche Einbrüche, schwere Unfälle von Angehörigen oder dringende Ermittlungen versuchen die Täter bundesweit, Bargeld und Wertgegenstände zu erbeuten.
Hohe Schäden durch Schockanrufe und Einbruchslegenden
Am 2. Oktober 2026 registrierten Dienststellen in mehreren Bundesländern zahlreiche Taten. In Celle brachte ein Schockanruf eine 76-Jährige um 70.000 Euro Bargeld, nachdem Kriminelle zuvor eine Kaution von 90.000 Euro gefordert hatten. In Erfurt gab sich ein Anrufer gegenüber einer 82-jährigen Frau als Arzt aus und verlangte Geld für angebliche Medikamente einer Angehörigen.
Die Seniorin händigte vor ihrem Haus einen fünfstelligen Geldbetrag aus. Ähnlich gingen Täter in Kassel-Kirchditmold vor: Dort behaupteten falsche Klinikmitarbeiter, die Tochter einer Seniorin benötige ein teures Krebsmedikament. Die Frau übergab gegen 15:30 Uhr Goldschmuck im Wert von mehreren zehntausend Euro an einen Abholer.
In Gummersbach wurden am 2. Oktober 2026 zwei ältere Frauen beziehungsweise ein Ehepaar von Betrügern kontaktiert, die sich als Polizeibeamte ausgaben. Eine 89-Jährige übergab Schmuck im Wert von mehreren tausend Euro; der erste Anruf erfolgte um 14:00 Uhr, die Abholung gegen 17:40 Uhr.
Bei einem Ehepaar im Alter von 86 und 88 Jahren begann das Gespräch um 12:30 Uhr, woraufhin der Abholer gegen 14:00 Uhr erschien. Eine Bankmitarbeiterin alarmierte gegen 16:00 Uhr die Polizei, wodurch die Übergabe weiterer Wertsachen aus einem Schließfach verhindert werden konnte.
Vorgetäuschte Einsätze und Betrug über Bankdaten
Auch in Rheinland-Pfalz und Bayern meldeten Dienststellen Vorfälle. Die Polizeiwache Gerolstein und die Polizeiinspektion Daun verzeichneten am 2. Oktober 2026 mehrere Fälle falscher Polizisten in der Eifel.
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Die Anrufer behaupteten, es habe Einbrüche in der Nachbarschaft gegeben, und forderten Wertsachen. Während Betroffene in acht Fällen eine Übergabe verhinderten, händigte eine 89-Jährige Bargeld und Schmuck im Wert von rund 1.000 Euro aus.
Im Raum Pöttmes gaben sich Täter am selben Tag zumeist als Beamte der Polizeiinspektion Aichach aus und erkundigten sich nach Vermögenswerten. Bislang ist dort kein Vermögensschaden bekannt; Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Aichach unter 08251/8989-0 entgegen.
In Weimar nutzten Betrüger am 2. Oktober 2026 eine andere Variante: Ein falscher Bankmitarbeiter rief gegen 15 Uhr eine 60-Jährige an und behauptete, verdächtige Kontobewegungen festgestellt zu haben. Die Täter hatten sich zuvor auf ungeklärte Weise Zugang zum Online-Banking verschafft.
Die Frau bestätigte in ihrer Banking-App eine Überweisung von mehr als 6.500 Euro an einen unbekannten Empfänger. Da sie keine weiteren Transaktionen autorisierte und Anzeige erstattete, konnte ein nach polizeilichen Erkenntnissen noch deutlich höherer Schaden abgewendet werden.
Fahndungserfolge und Verhaltensempfehlungen
Bereits am 30. September 2026 gelang den Behörden in Bayern ein Zugriff. Nach einem Schockanruf bei einer 69-Jährigen, bei dem eine Anruferin von einem angeblich tödlichen Verkehrsunfall der Tochter und einer Kautionsforderung sprach, verständigte die Angerufene umgehend die Polizei.
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Ein fingiertes Treffen scheiterte zunächst, doch im Rahmen der Fahndung nahmen die Kriminalpolizei Amberg und die Polizeiinspektion Schwandorf zwei Tatverdächtige im Alter von 40 und 38 Jahren in einem Leihwagen vorläufig fest. Dabei wurden Bargeld, mehrere Mobiltelefone und das Fahrzeug sichergestellt.
Die Ermittler stellen klar, dass Polizei und Staatsanwaltschaft niemals telefonisch zur Herausgabe von Wertsachen oder Bargeld auffordern, keine Auskünfte über Vermögensverhältnisse verlangen und Bürger nicht telefonisch vor Einbrechern warnen.
Die Polizei Thüringen rät Betroffenen, verdächtige Anrufe sofort zu beenden, niemals Zugangsdaten oder Transaktionsnummern weiterzugeben und Banken ausschließlich über die offiziellen Rufnummern zu kontaktieren.
