Schnelles Abnehmen: Studie widerlegt Jo-Jo-Effekt-Mythos
16.06.2026 - 23:26:38 | boerse-global.de
Das zeigt eine norwegische Studie auf dem Europäischen Adipositas-Kongress in Istanbul.
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Norwegische Studie entkräftet Jo-Jo-Effekt-Bedenken
284 Erwachsene mit Adipositas nahmen an der Untersuchung teil. Eine Gruppe reduzierte ihre Energiezufuhr auf unter 1.000 Kilokalorien pro Tag über acht Wochen. Die Vergleichsgruppe aß moderat mit etwa 1.400 Kilokalorien.
Nach vier Monaten zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Die Schnell-Abnehm-Gruppe verlor 13 Prozent ihres Gewichts, die langsame Gruppe nur 8 Prozent. Nach einem Jahr stabilisierte sich der Wert bei 14,4 Prozent gegenüber 10,5 Prozent.
Dr. Line Kristin Johnson vom Vestfold Hospital Trust erklärte: „Die Ergebnisse bestätigen den Jo-Jo-Mythos nicht.“ Ein verstärkter Rückfall in der Gruppe mit schneller Abnahme sei nicht beobachtet worden. Dr. Marie Spreckley von der Universität Cambridge bezeichnete die Untersuchung als bedeutsam für die klinische Praxis.
Stoffwechsel bleibt langfristig stabil
Ein Review im Fachmagazin „The Lancet“ untermauert diese Erkenntnisse. Die Autoren Prof. Faidon Magkos und Prof. Norbert Stefan fanden keine kausalen Belege dafür, dass wiederholte Gewichtszyklen den Stoffwechsel dauerhaft verlangsamen oder zu verstärktem Muskelverlust führen.
Eine erneute Gewichtszunahme nach einer Diät bringt gesundheitliche Risiken lediglich auf das Ausgangsniveau zurück – nicht darüber hinaus. Die Vorteile einer Gewichtsreduktion überwiegen mögliche theoretische Risiken.
Bauchfett schwindet dauerhaft – auch bei Gewichtszunahme
Eine Langzeitstudie der Ben-Gurion-Universität und der Universität Leipzig an 366 Teilnehmern liefert weitere spannende Erkenntnisse. Selbst bei späterer Gewichtszunahme bleiben langfristige Vorteile bestehen.
Eine Reduktion des viszeralen Fetts um 10 Prozent senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent. Prof. Matthias Blüher betonte: „In der zehnjährigen Beobachtung kehrte das Körpergewicht zwar oft auf den Ausgangswert zurück – der Taillenumfang und die Bauchfettdepots blieben jedoch unter dem Startwert.“ Das definiere den gesundheitlichen Erfolg.
Muskelerhalt wird zum entscheidenden Faktor
Bei medikamentösen Therapien mit GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid rückt der Erhalt der Muskelmasse in den Fokus. Eine Studie in „Nature Medicine“ untersuchte die Kombination von Tirzepatid mit dem Antikörper Apitegromab bei 102 Erwachsenen über 24 Wochen.
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Patienten unter alleiniger Gabe von Tirzepatid büßten rund 30,2 Prozent ihres Gewichtsverlusts in Form von Magermasse ein. In der Apitegromab-Gruppe sank dieser Anteil auf 14,6 Prozent.
Der Endokrinologe Haiko Schlögl vom Uniklinikum Leipzig warnt jedoch: „Ein Eingriff durch Antikörper bleibt risikobehaftet.“ Für die meisten Patienten sei Muskelabbau durch gezieltes Krafttraining und proteinreiche Ernährung vermeidbar.
EMA empfiehlt Zulassung von Semaglutid-Tablette
Die medikamentöse Adipositas-Therapie gewinnt auch regulatorisch an Bedeutung. Ein Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur empfahl im Mai 2026 die Zulassung einer hochdosierten Semaglutid-Tablette. In Studien wurde ein Gewichtsverlust von rund 16 Prozent erreicht. Der Wegfall der Injektion könnte die Hürde für eine Behandlung senken.
Neue Leitlinien für Jugendliche ab 12 Jahren
Die S3-Leitlinie zur pädiatrischen Adipositas wurde aktualisiert. GLP-1-Rezeptoragonisten werden nun für Jugendliche ab 12 Jahren mit schwerem Übergewicht empfohlen – vorausgesetzt, eine sechsmonatige Lebensstilintervention zeigte keinen Erfolg.
Grundlage ist unter anderem die STEP-TEENS-Studie. Unter Semaglutid erreichten die Jugendlichen eine Gewichtsreduktion von 16 Prozent gegenüber 7 Prozent in der Placebo-Gruppe.
Schweiz: Jeder Zwölfte nimmt GLP-1-Präparate
Laut einer GDI-Studie greifen bereits 9 Prozent der Schweizer Bevölkerung zu GLP-1-Medikamenten zum Abnehmen. Die Kosten für Präparate wie Wegovy beliefen sich für die Krankenkassen im Jahr 2025 auf rund 200 Millionen Franken.
Kritiker wie Saskia Schenker von Prioswiss mahnen eine sorgfältige Verschreibungspraxis an. Fachgesellschaften betonen dagegen die medizinische Notwendigkeit bei entsprechenden BMI-Grenzwerten.
