Schmerztherapie, HanseMerkur

Schmerztherapie: HanseMerkur bietet erste digitale App für Millionen

05.06.2026 - 06:34:01 | boerse-global.de

HanseMerkur bietet als erste private Krankenkasse eine digitale Schmerztherapie an. Die App kombiniert moderne Therapiemethoden und zielt auf chronische Schmerzpatienten ab.

HanseMerkur startet mit Schmerz-App als erster PKV-Anbieter
Schmerztherapie - Hände halten ein transparentes Tablet mit digitalen Mustern, die Schmerztherapie und Technologie symbolisieren. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die HanseMerkur macht den Anfang: Als erste private Krankenversicherung in Deutschland bietet sie ihren Vollversicherten ab sofort Zugang zur Schmerztherapie-App HELP. Das Programm richtet sich an Patienten mit noziplastischen Schmerzen – also jenen, bei denen kein eindeutiger körperlicher Befund vorliegt.

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Was die App leistet

Das von Dr. Antje Kallweit entwickelte 90-Tage-Programm kombiniert Methoden der Pain Reprocessing Therapy mit Emotional Awareness and Expression Therapy. 24 Module, täglich 10 bis 15 Minuten, sollen die Schmerzverarbeitung im Gehirn positiv beeinflussen. Die Basis: ein biopsychosoziales Modell, das psychologische und neurobiologische Ansätze vereint.

Der Schritt der HanseMerkur zeigt den Trend: Immer mehr Versicherer setzen auf digitale Lösungen als ergänzenden Bestandteil der Standardversorgung. Der Bedarf ist riesig – schätzungsweise 12 bis 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen.

Forschung setzt auf Ultraschall und VR

Parallel zu den App-Lösungen treibt die Wissenschaft die Personalisierung der Schmerztherapie voran. Am LMU Klinikum München startet im Juni die NeuroPain-Studie. Unter der Leitung von Dr. Enrico Schulz untersuchen Forscher, wie sich chronische Rückenschmerzen mit fokussiertem Ultraschall behandeln lassen. Die Steuerung erfolgt über individuelle Hirnscans per funktioneller Magnetresonanztomografie.

Ein anderer Ansatz: Virtual Reality. Das Unternehmen Magic Horizons hat VR-Anwendungen entwickelt, die laut Studien die Schmerzintensität um bis zu 60 Prozent senken können. Schon heute kommen die Systeme in Notaufnahmen und bei onkologischen Behandlungen zum Einsatz – medikamentenfrei und ohne aufwendige IT-Integration.

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Versorgungslücken trotz Innovation

Doch der technologische Fortschritt kaschiert nicht die Probleme der konventionellen Schmerzmedizin. Mediziner wie Lilit Flöther von der Uniklinik Halle betonen: Der Bedarf an interdisziplinären Behandlungen übersteigt das Angebot bei Weitem. Frank Petzke von der Deutschen Schmerzgesellschaft warnt zudem vor den Folgen des Sparpakets der Bundesregierung vom April 2026. Es bedrohe stationäre multimodale Einrichtungen finanziell.

Die finanzielle Schieflage zeigt sich auch anderswo: Seit dem 1. April 2026 gilt eine Honorarkürzung von 4,5 Prozent für Psychotherapeuten. Die Folge: weniger Kassenplätze, längere Wartezeiten. In Baden-Württemberg protestierten Hausärzte Anfang Juni gegen die Sparpläne – und schränkten die Kapazitäten in ihren Wartezimmern ein.

Hohe Akzeptanz für digitale Helfer

Die Bereitschaft der Bevölkerung, digitale Hilfsmittel zu nutzen, ist groß. Laut AXA-IPSOS Mind Health Report aus dem Frühjahr 2026 verwenden 63 Prozent der Befragten KI-Tools wie ChatGPT für Belange der mentalen Gesundheit. Allerdings: 45 Prozent der Nutzer zeigten sich unzufrieden mit den Ergebnissen. Ein relevanter Teil vertraut der künstlichen Intelligenz sogar mehr als medizinischem Fachpersonal.

Dass spezialisierte Anwendungen wirken, zeigt eine Studie zum Prototyp der ParoComPas-App. Das Ergebnis: Patienten mit moderater Nutzung erzielten signifikant bessere klinische Werte als Wenig-Nutzer. Die Herausforderung liegt also nicht nur in der Entwicklung, sondern auch in der langfristigen Bindung der Patienten an die digitalen Angebote.

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