Schmerztherapie, Patienten

Schmerztherapie: Ein Viertel der Patienten erhält falsche Behandlung

29.05.2026 - 05:48:31 | boerse-global.de

Trotz strenger gesetzlicher Vorgaben zeigt eine Studie erhebliche Defizite in der Langzeittherapie chronischer Schmerzpatienten auf.

Schmerztherapie: Ein Viertel der Patienten erhält falsche Behandlung - Foto: über boerse-global.de
Schmerztherapie: Ein Viertel der Patienten erhält falsche Behandlung - Foto: über boerse-global.de

Anlässlich des Aktionstags gegen Schmerz am 2. Juni 2026 wird erneut deutlich: Während die rechtlichen Rahmenbedingungen zu den strengsten in Europa zählen, klaffen bei der Langzeittherapie erhebliche Lücken.

Strenges Regelwerk für Ärzte

Schmerzmanagement ist in Deutschland keine Kann-Leistung, sondern gesetzlich verankerte Versorgungspflicht. Der DNQP-Expertenstandard und die S3-Leitlinien schreiben strukturierte Prozesse vor: Von der Schmerzerfassung über die Therapieplanung bis zur Verlaufskontrolle. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) konkretisiert diese Anforderungen in seiner Qualitätsmanagement-Richtlinie.

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Für Ärzte bedeutet das: Wer Schmerzbefunde und Behandlungserfolge nicht dokumentiert, geht erhebliche Haftungsrisiken ein. Als Behandlungsstandard dient weiterhin das WHO-Stufenschema:

  • Stufe 1 (NRS 1-3): Nicht-Opioid-Analgetika
  • Stufe 2 (NRS 4-6): Schwache Opioide
  • Stufe 3 (NRS 7-10): Starke Opioide

Seit April 2020 gilt zudem die LONTS-Leitlinie für die Langzeittherapie mit Opioiden – sie definiert sichere Verschreibungspraktiken für chronische Schmerzpatienten.

Jeder vierte Patient falsch eingestellt?

Doch die Realität sieht anders aus. Das OP-US-Projekt, gefördert vom Innovationsfonds des G-BA, wertete Routinedaten von rund 113.000 DAK-Versicherten aus und befragte über 600 Patienten sowie 400 Behandler.

Das Ergebnis: Ein Viertel der Patienten mit langfristiger Opioid-Therapie hatte keine leitliniengerechte Diagnose. Zwar betonen die Forscher, dass Deutschland weit von einer Opioid-Krise wie in Nordamerika entfernt sei – dennoch sehen sie erheblichen Verbesserungsbedarf. Insgesamt 28 Maßnahmen wurden erarbeitet und der Deutschen Schmerzgesellschaft (DSG) zur Aktualisierung der Leitlinien übergeben.

Mehr Fachpersonal gefordert

Der Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) macht sich für den bevorstehenden Aktionstag stark: Pflegekräfte mit spezieller Schmerzqualifikation sollen in allen Versorgungsbereichen verbindlich eingesetzt werden. Der Verband fordert bundesweit anerkannte Fortbildungen auf DQR-Niveau 5.

Im Fokus der modernen Schmerztherapie steht die Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST). Dieses Konzept kombiniert über drei Wochen stationär Schmerzmedizin, Psychologie, Physiotherapie, Ergotherapie und Kunsttherapie. Ziel ist nicht die vollständige Schmerzfreiheit, sondern die Verbesserung der Lebensqualität. Besonders profitieren Patienten mit Fibromyalgie – in Deutschland leiden schätzungsweise drei bis vier Prozent der Bevölkerung darunter, vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren.

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Spardruck gefährdet Versorgung

Ausgerechnet jetzt droht neuen Rückschlag: Das geplante GKV-Spargesetz könnte ab 2027 rund 2,7 Milliarden Euro aus der vertragsärztlichen Versorgung abziehen. Ärztenetze in Baden-Württemberg und Hessen warnen vor Existenzgefährdung ganzer Praxen. Als Protest haben einige Verbände für den 10. Juni 2026 Praxisschließungen für Fortbildungstage angekündigt.

Die Kritik ist deutlich: Die geplanten Kürzungen drohten längere Wartezeiten und schlechtere Versorgung für chronisch Kranke zu bedeuten.

Ein weiteres Beispiel für den Bedarf an vielfältigen Therapieoptionen ist die Endometriose. Mit über 40.000 Neuerkrankungen jährlich und mehr als zwei Millionen betroffenen Frauen in Deutschland haben die aktuellen Leitlinien begonnen, Osteopathie als ergänzende Behandlungsmöglichkeit zu empfehlen – ein Ansatz, der sowohl körperliche Schmerzen als auch seelische Belastungen adressiert.

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