Schmerztherapie, Adelaide-Analyse

Schmerztherapie: Adelaide-Analyse sieht 60 Prozent mehr Wirkung durch Bewegung

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Auswertung von 157 Übersichtsarbeiten zeigt Vorteile leichter Trainingsformen und spricht für einen stärkeren Einsatz in der Schmerztherapie.

Bewegung lindert Schmerzen laut Adelaide-Analyse stärker als übliche Mittel
Ein minimalistischer, sonnendurchfluteter Raum mit einer einzelnen Bambusmatte auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Bewegung wirkt bei akuten und chronischen Schmerzen offenbar stärker als bislang angenommen – und übertrifft in ihrer Wirkung sogar gängige Schmerzmittel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Universität Adelaide, über die de.euronews.com Ende September 2026 berichtete.

Untersucht wurden 157 systematische Übersichtsarbeiten mit insgesamt 2.736 randomisierten kontrollierten Studien und mehr als 220.000 Teilnehmenden – eine der umfangreichsten Datengrundlagen zu diesem Thema.

Schmerzlinderung um 1,1 Punkte

Im Schnitt reduzierte Bewegung die Schmerzintensität um 1,1 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10. Das klingt zunächst nach einem kleinen Effekt, ist laut der Auswertung aber rund 60 Prozent größer als die durchschnittliche Linderung, die vergleichbare Studien für gängige Schmerzmittel dokumentieren. Auch ein Bericht von indexbox.io bestätigte diese Größenordnung und ordnete sie in denselben Datensatz der 157 Übersichtsarbeiten und 2.736 RCTs ein.

Bemerkenswert ist dabei die Art der wirksamsten Programme: Nicht intensive, langwierige Trainingseinheiten schnitten am besten ab, sondern niedrigintensive Formen wie Pilates oder Tai Chi. Auch die Dauer spielte eine Rolle – Programme von rund zwölf Wochen zeigten bessere Ergebnisse als längere Interventionen, und ein wöchentliches Pensum von weniger als 120 Minuten erwies sich als vorteilhafter als höhere Trainingsumfänge.

Biologische Mechanismen und ungenutztes Potenzial

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Als Erklärung für die schmerzlindernde Wirkung nennt die Studie die Freisetzung von Endorphinen und Serotonin sowie eine dämpfende Wirkung auf Entzündungsprozesse im Körper.

Die Forschenden der Universität Adelaide betonten zugleich, dass Bewegung als Therapieform bislang untergenutzt sei, und forderten klare Leitlinien für ihren Einsatz in der Schmerzbehandlung. Gleichzeitig stellten sie klar, dass Bewegung kein Allheilmittel ist und individuelle Beschwerdebilder unterschiedlich auf körperliche Aktivität reagieren.

Einordnung durch Fachleute zu Arthrose

Die Befunde fügen sich in Einschätzungen anderer Experten zum Umgang mit Gelenkerkrankungen. Yves Henrotin von der ULiège und Präsident der Fondation Arthrose erklärte gegenüber moustique.be, Arthrose sei zwar nicht heilbar, Bewegung gelte aber als bestes verfügbares Mittel zur Behandlung.

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Bereits ein Gewichtsverlust von 5 Prozent könne Schmerzen signifikant reduzieren, 10 Prozent seien ideal – ein Effekt, der laut Henrotin mit einer dreimonatigen Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten vergleichbar sei. Bewegung fördere zudem Muskelaufbau und entzündungshemmende Prozesse im Körper.

Ein anfänglicher Muskelkater sei normal, Schmerzen nach dem Training sollten aber innerhalb von 24 Stunden abklingen; bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt Henrotin, die Belastung zu reduzieren. Als geeignete Aktivitäten nennt er Radfahren, Schwimmen, Walking und Nordic Walking, Laufen nur unter fachlicher Betreuung.

Praktische Konsequenzen

Die Ergebnisse aus Adelaide liefern damit eine wissenschaftliche Grundlage für eine Entwicklung, die in der Praxis bereits vielerorts beobachtet wird: Physiotherapeutische Ansätze setzen zunehmend auf dosierte Belastung statt Schonung, etwa bei Schulterbeschwerden, wo isometrische Übungen und progressives Krafttraining fester Bestandteil der Behandlung sind.

Auch bei Arthrose gilt Bewegung in Kombination mit Gewichtsreduktion mittlerweile als zentraler Baustein, während entzündliche Gelenkerkrankungen wie Arthritis zusätzlich eine medizinische Therapie erfordern.

Die Adelaide-Studie liefert damit ein Argument dafür, Bewegungstherapie stärker in Behandlungsleitlinien zu verankern – als Ergänzung, nicht als Ersatz für medizinische Versorgung, aber mit einem in dieser Breite bislang selten belegten Wirkungsnachweis.

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de | wissenschaft | 70190746 |