Schmerztherapie, Todesfälle

Schmerztherapie: 2.200 Todesfälle durch NSAR-Nebenwirkungen jährlich

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien zeigen: Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining senkt Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Krebs deutlich.

Schmerztherapie 2026: Bewegung, Alltagstraining und digitale Ansätze im Fokus
Ein älterer Mensch arbeitet konzentriert und körperbewusst in einem Garten, um Bewegungsabläufe zur Schmerztherapie zu nutzen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der modernen Schmerztherapie gewinnen multimodale Ansätze, die über die rein medikamentöse Behandlung hinausgehen, zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen aus Mitte August 2026 unterstreichen die Notwendigkeit, sowohl physische Aktivität als auch individuelle Alltagsgewohnheiten in den Fokus der Behandlung chronischer Beschwerden zu rücken.

Gartenarbeit und Verhaltensanpassung als Therapie

Ein zentraler Aspekt neuerer therapeutischer Überlegungen ist die Integration von Alltagsaktivitäten in den Heilungsprozess. Der Orthopäde Arne-Björn Jäger beschreibt Gärtnern als einen wirksamen Therapieansatz bei chronischen Schmerzen.

Entscheidend sei dabei eine individuelle Anpassung der Körperhaltung, um Fehlbelastungen zu vermeiden und die positiven Effekte der Bewegung im Freien zu nutzen. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Selbstwirksamkeit der Patienten zu stärken und funktionelle Bewegungsmuster im Alltag zu festigen.

Risiken klassischer Schmerzmedikation

Die Notwendigkeit nicht-medikamentöser Alternativen wird durch die Risiken herkömmlicher Wirkstoffe verdeutlicht. Mediziner der Avicenna Klinik in Berlin weisen darauf hin, dass nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen zwar akute Rückenschmerzen lindern, jedoch erhebliche Nebenwirkungen bergen.

In Deutschland werden jährlich etwa 2.200 Todesfälle auf Magengeschwüre und -blutungen zurückgeführt, die im Zusammenhang mit der Einnahme dieser Mittel stehen.

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Während Salben den Magen schonen, ist ihre Wirkung oft schwächer. Bei entzündlichen Ursachen wird stattdessen der Einsatz von Kühlpacks empfohlen. Zudem wird vor dem Einsatz verschreibungspflichtiger Opioide gewarnt, die ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzen und lediglich Symptome behandeln, ohne die zugrunde liegende Ursache zu therapieren.

In diesem Kontext betont die taiwanesische Arzneimittelbehörde (FDA), dass Opioide gemäß dem WHO-Stufenplan in der niedrigsten effektiven Dosis eingesetzt werden sollten. Entgegen weitverbreiteter Mythen seien die Nebenwirkungen bei fachgerechter Anwendung beherrschbar und das Suchtrisiko geringer als oft angenommen.

Ein häufig unterschätztes Problem bei der Opioidtherapie ist die opioid-induzierte Obstipation (OIC). Laut Experten der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) ist dieses Krankheitsbild unterbehandelt. Wenn herkömmliche Laxantien versagen, wird der Einsatz von PAMORA (peripher wirkende My-Opioid-Rezeptor-Antagonisten) empfohlen.

Physiologische Effekte von Kraft- und Ausdauertraining

Wissenschaftliche Studien belegen die präventive und therapeutische Kraft körperlicher Betätigung. Eine Untersuchung der University of Queensland an über 8.000 Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 64 Jahren zeigt, dass eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining das Risiko für Typ-2-Diabetes um 50 % senken kann.

Zudem reduziert diese Kombination das Risiko für Bluthochdruck um 24 % und für Krebserkrankungen um 23 %. Trotz dieser Vorteile erfüllten in der über neun Jahre laufenden Beobachtung nur 24 % der Teilnehmer beide Trainingsempfehlungen.

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Auch die Intensität der Bewegung spielt eine entscheidende Rolle. Forscher der Rockefeller University stellten fest, dass kurze, hochintensive Belastungen wie Sprints (6-mal 30 Sekunden) fast 25 % der Blutproteine verändern und über 200 Stoffwechselprodukte auslösen.

Im Vergleich dazu beeinflusst moderates Radfahren über 90 Minuten weniger als 0,25 % der Proteine. Diese durch Sprints induzierten Veränderungen sind mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen assoziiert.

Telerehabilitation und psychologische Faktoren

Neben der physischen Komponente rücken digitale Versorgungsformen und psychologische Ansätze in den Fokus. Ein sechswöchiges Telerehabilitationsprogramm mit zwei wöchentlichen Einheiten à 45 Minuten konnte bei Frauen mit Fibromyalgie signifikante Verbesserungen der Schmerzschwelle und der Lebensqualität erzielen.

Bei spezialisierten Schmerzformen, wie den Phantomschmerzen nach Amputationen, setzen Mediziner verstärkt auf Verfahren wie die Spiegeltherapie. Dies betrifft beispielsweise Patienten, die durch Unfälle schwerste Verletzungen erlitten haben und unter chronischen neurologischen Fehlschaltungen leiden.

Ergänzend dazu zeigen Meta-Analysen im British Journal of Sports Medicine, dass Sport bei leichten Depressionen eine vergleichbare Wirkung wie Antidepressiva oder Psychotherapie erzielen kann, da Bewegung die Neurogenese stimuliert und als Puffer gegen Stress wirkt.

Abschließend deuten genetische Forschungen des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie darauf hin, dass individuelle Unterschiede in der Muskelmasse und Schmerzwahrnehmung auch evolutionäre Wurzeln haben können.

Eine Neandertaler-Variante des Wachstumshormonrezeptors, die vor allem in Südasien verbreitet ist, führt zu einer signifikant höheren Muskelmasse, wird jedoch erst mit der Pubertät aktiv. Solche Erkenntnisse könnten langfristig zu einer noch stärker personalisierten Schmerztherapie beitragen.

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