Schmerzschübe, Rücken

Schmerzschübe im Rücken: Default-Mode-Netzwerk wird unerwartet aktiv

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Schmerzschüben steigt die Aktivität des Default-Mode-Netzwerks; ob dies Schmerzen verursacht oder darauf reagiert, bleibt ungeklärt.
Abstrakte Visualisierung eines neuronalen Netzwerks mit leuchtenden Verbindungen in Blau- und Violetttönen. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Rückenschmerzen stellen die Medizin vor komplexe Herausforderungen, insbesondere wenn plötzliche Schmerzverstärkungen auftreten. Eine Untersuchung der University of California San Diego, die Anfang Oktober 2026 im Fachjournal British Journal of Anaesthesia publiziert wurde, liefert neue Einblicke in die zugrunde liegenden neurobiologischen Mechanismen.

Die Forscher wiesen nach, dass akute Schübe bei Betroffenen mit bisher unberücksichtigten neuronalen Netzwerken im Gehirn verknüpft sind, die bei gewöhnlichen akuten Schmerzreizen gänzlich anders reagieren.

Unerwartete Aktivierung des Ruhezustandsnetzwerks

An der wissenschaftlichen Erhebung nahmen 114 Erwachsene teil, die seit mindestens drei Monaten unter chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich litten. Das methodische Vorgehen umfasste funktionelle Magnetresonanztomografien (fMRI).

Nach einem ersten Scan wurde das Bein der Probanden so weit angehoben, bis sich die Schmerzen intensivierten. Diese Position wurde für zehn Sekunden gehalten, bevor das Bein wieder abgesenkt wurde. Im Mittel führte dieser Test zu einem Anstieg der subjektiv berichteten Schmerzintensität um 23 Prozent.

Die funktionellen Bildgebungsdaten offenbarten während des Schmerzschubs einen erhöhten Blutfluss in Bereichen, die für Schmerz- und Bewegungsprozesse zuständig sind. Zugleich zeigte sich eine unerwartete Aktivitätszunahme in Schlüsselregionen des Ruhezustandsnetzwerks, dem sogenannten Default-Mode-Netzwerk, das üblicherweise mit Selbstreflexion und autobiografischen Erinnerungen verknüpft ist.

Dieser Befund überraschte die Wissenschaftler, da akute Schmerzreize dieses spezifische Netzwerk für gewöhnlich dämpfen. Um diesen Kontrast zu prüfen, untersuchte das Forschungsteam zudem eine akute Hitzereizung an den Waden: Bei diesem schmerzhaften Wärmeempfinden sank die Aktivität in Teilen des Ruhezustandsnetzwerks wie erwartet.

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Schmerzschwere, Konnektivität und offene Ursachenfragen

Die Auswertungen zeigten zudem einen Zusammenhang mit dem Schweregrad der bestehenden Grunderkrankung. Teilnehmer mit ausgeprägteren chronischen Rückenschmerzen wiesen eine stärkere funktionelle Konnektivität zwischen dem Default-Mode-Netzwerk und jenen Hirnarealen auf, die Empfindungen aus dem Rückenbereich verarbeiten.

Fachleute mahnen jedoch zur vorsichtigen Interpretation der Kausalitäten. Katherine Martucci von der Duke University, die nicht an der Untersuchung beteiligt war, merkte an, dass die beobachtete Aktivität im Gehirn auch Ausdruck von anhaltendem Schmerz oder Angstgefühlen sein könnte.

Die Studie habe nicht klären können, ob die veränderten Aktivitätsmuster ursächlich zur Entstehung oder Chronifizierung von Schmerzen beitragen oder ob sie lediglich als neuronale Reaktion auf den dauerhaften Schmerzzustand zu werten sind.

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Therapeutische Relevanz für Verhaltens- und Achtsamkeitsansätze

Trotz der noch ungeklärten Kausalitätskette eröffnet die Lokalisierung dieser neuronalen Muster neue Ansatzpunkte für die Schmerztherapie. Das Forschungsteam um Zeidan prüft derzeit, inwieweit nicht-medikamentöse Verfahren auf diese Netzwerke einwirken können.

Im Zentrum künftiger Analysen stehen insbesondere Interventionen durch Mindfulness-Meditation sowie kognitive Verhaltenstherapie speziell für chronische Schmerzen (CBT-CP), um gezielt festzustellen, ob sich die fehlerhafte Netzwerkaktivität modifizieren lässt.

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